Umbrisch-Provenzalischer Markt in Tübingen ist eröffnet
: „Fröhlicher Markt mit lächelnden Menschen“

Noch bis Sonntag gibt es allerhand Kulinarisches und Kunsthandwerkliches an 74 Ständen in der Altstadt. Aus der Provence sind 21 Händler angereist, aus Umbrien 19. Aus Tübingen komplettieren weitere 34 das vielfältige Angebot.
Von
Holger Weyhmüller
Tübingen
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Eröffnung vom Umbrisch-Provenzalischen Markt (UPM) auf dem Tübinger Marktplatz

OB Boris Palmer und HGV-Vorstandssprecher Stephan Braun eröffneten gestern Mittag den 29. Umbrisch-Provenzalischen Markt in Tübingen. Rechts mit Schärpe in den italienischen Nationalfarben: Federico Phellas, Stadtrat und offizieller Vertreter der Stadt Perugia, der ein Grußwort sprach. Zuerst auf Englisch, dann auf Wunsch Palmers (“das ist so eine wundervolle Sprache“) auf Italienisch.

Carolin Albers
  • Der 29. Umbrisch-Provenzalische Markt in Tübingen ist bis Sonntag mit 74 Ständen geöffnet.
  • Händler aus der Provence (21), Umbrien (19) und Tübingen (34) bieten Kulinarik und Kunsthandwerk an.
  • Tübingens OB Boris Palmer eröffnete den Markt und warb für den Erhalt der Altstadt-Handelsstruktur.
  • Highlights: Craft-Bier aus Italien, südfranzösische Spezialitäten und regionale Kunsthandwerke.
  • Begleitprogramm: Kinderfest, verkaufsoffener Sonntag, Erbe-Lauf und verlängerte Turmbesichtigungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Boris Palmer steht auf dem Marktplatz, es ist Mittwochmittag, die Rathaus-Uhr schlägt 13. Der Tübinger OB hat ein Rätsel mitgebracht: die südlichste Stadt Deutschlands – atmosphärisch? „Tübingen!“, ruft er in die Menge. Zumindest an den fünf Tagen während des Umbrisch-Provenzalischen Markts (UPM), den er gerade zusammen mit Stephan Braun, Vorstandssprecher des Handel- und Gewerbevereins (HGV), offiziell eröffnet. Wobei dem die Technik zunächst ein Schnippchen schlägt: Im Gegensatz zu Palmers Mikrofon tut seines keinen Mucks. Weshalb der OB scherzt: „Sie dürfen erst reden, wenn ich das Mikro abgebe.“ Und wo er schon Fahrt aufgenommen hat, fordert Palmer die Umstehenden auf: „Bevor die Bundesregierung in Ihre Taschen greift, geben Sie Ihr Geld bitte hier aus!“

Wohlgemerkt nicht nur beim UPM, sondern auch in den Geschäften in der Altstadt, denn die sei in mehrfacher Hinsicht ein schönes Kleinod – wegen des pittoresken Stadtbilds, aber auch wegen der „inhabergeführten Handelsstruktur“, die verglichen mit anderen Städten etwas ganz Besonderes sei. Seine Amtskollegen aus Münster und Hildesheim hätten ihm das kürzlich bestätigt. Diese Handelsstruktur zu bewahren sei allerdings nur dann möglich, „wenn Sie Ihre Taschen öffnen“. Angesichts eines derart virtuosen Werbetrommelwirbels bleibt für Braun nicht mehr allzu viel zu sagen, außer, dass es nach den Worten Palmers nicht mehr allzu viel zu sagen gebe.

  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Typisch UPM: Artischocken.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Callisons d'Aix gehören ebenfalls zum Markt dazu.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Blumen und Kürbisse auf dem Marktplatz.

    Carolin Albers
  • Eröffnung vom Umbrisch-Provenzalischen Markt (UPM) auf dem Tübinger Marktplatz

    Am Mittwochmittag eröffneten OB Boris Palmer und HGV-Vorstandssprecher Stephan Braun den Umbrisch-Provenzalischen Markt in Tübingen. Rechts mit Schärpe in den italienischen Nationalfarben: Federico Phellas, Stadtrat und offizieller Vertreter der Stadt Perugia.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Typisch für den UPM: Lavendelsäckchen aus der Provence.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Schon mal Lavendel-Käse probiert? Oder Käse mit Pesto?

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer-Markt (UPM) 09 25 Foto: Carolin Albers

    Markt-Besucherinnen schauen sich Töpferware an der Stiftskirche an.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Hier wird jeder sein Lieblingsgewürz finden.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer-Markt (UPM) 09 25 Foto: Carolin Albers

    Schokolade aus Perugia gibt es an der Stiftskirche.

    Carolin Albers
  • Umbrisch-Provenzalischer Markt (UPM) in Tübingen

    Auf dem Marktplatz blühen gerade viele Blumen.

    Carolin Albers
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Nächstes Jahr gibt es die 30. UPM-Auflage

Braun sagt dann natürlich doch noch etwas. Beispielsweise, dass es wegen der guten Wetteraussichten im Gegensatz zum vergangenen Jahr keinen Glühwein am Stand des HGV geben werde. Und: „Sie können sich darauf verlassen, dass es auch im kommenden Jahr wieder einen UPM geben wird.“ Es wäre dann die 30. Auflage. Anschließend spricht das Eröffnungs-Duo in bewährter Manier einstimmig – oder unisono, wie es in Italien heißt: „Der UPM ist eröffnet!“

Noch ist es so, dass man beim Schlendern durch die Altstadtgassen nicht durchgeschoben wird. Wie erfahrene UPM-Gänger wissen, ist die Resonanz am ersten Nachmittag noch einigermaßen überschaubar. Das wird sich wohl am Abend, ganz sicher jedoch an den folgenden Tagen bis zum Marktende am Sonntag um 19 Uhr grundlegend ändern – zumal das Wetter ja herrlich spätsommerlich werden soll. „Unsere Gäste aus der Provence und Umbrien bringen den Spätsommer in ihren Lastwagen mit“, behauptet deshalb Palmer in seiner Eröffnungsrede.

Nicht Mikro-, sondern Nanobrauerei

Davon weiß Sergio Castellani nichts. In seinem LKW wäre wahrscheinlich ohnehin kein Platz gewesen für derart viel Spätsommer: Er kutschierte 1200 Liter seines selbst gebrauten Craft-Biers über die Alpen gen Germania. „Bastianbirraio“ hat er seine Mikrobrauerei genannt, übersetzt etwa „Querkopf-Brauerei“. Wobei er feixt: „In meinem Fall handelt es sich weniger um eine Mikro-, eher um eine Nanobrauerei.“ Dennoch: Zwölf verschiedene Biersorten produziert er übers Jahr, fünf davon hat Castellani, der im Hauptberuf Vertriebsleiter bei einem großen italienischen Unternehmen ist, nach Tübingen mitgebracht, um sie in der Neuen Straße über den Tresen zu reichen.

Als Italiener Bier in Deutschland unter die Leute zu bringen, klinge so, als wolle man „Eis am Nordpol“ verkaufen, das wisse er schon, sagt er lachend im Gespräch mit dem TAGBLATT. Aber er weiß natürlich nach fast zehn Jahren UPM auch: Der Wahrheitsgehalt in diesem Spruch liegt weit unter dem Alkoholgehalt seiner Biere. Es müsste also schon mit dem Teufel zugehen, wenn er auf seiner Rückfahrt auch nur einen Tropfen seiner Getränke im Gepäck hätte. Den Tübinger Markt übrigens, dessen Premiere 1994 war, den findet der 50-Jährige großartig: „Ich bin mit meinem Stand viel auf Festen und Märkten unterwegs, aber nirgendwo sonst ist es so gut organisiert wie hier.“

Fröhlicher Markt, lächelnde Menschen

Aela Schuller ist nicht minder begeistert vom UPM: „Ein fröhlicher Markt mit vielen lächelnden Menschen“, schwärmt sie, während sie die Stehtische an ihrem Stand saubermacht. Sie betreibt in Aix-en-Provence ein Catering-Unternehmen namens „Dans la Rue“ und kredenzt ihren Gästen auf dem Holzmarkt beispielsweise Ratatouille mit Reis und Ente, auch Pestosuppe – und natürlich den passenden Wein aus ihrer Heimatregion. Seit 15 Jahren kommt sie hierher und mittlerweile kommen viele Stammkunden zu ihr. Doch schon zuvor hatte sie einen Bezug zu Tübingen: Ihr Vater studierte in der Neckarstadt Physik und Chemie, hier haben auch ihre Eltern einst geheiratet.

Wer danach etwas Süßes zum Dessert möchte, kann beispielsweise die Marktgasse ansteuern, dort wartet Pierre Gignoux. Callisons d'Aix-en-Provence heißen die kleinen süßen Verführungen an seinem Stand. Eine Spezialität seiner Heimatstadt, erläutert der 60-Jährige, der vor zehn Jahren den Hersteller namens Léonard Parli übernommen hat und seit etwa sieben bis acht Jahren Teil des Tübinger Marktes ist. Dass die Callisons mandelförmig sind, ist kein Zufall, denn Mandeln sind essenzieller Bestandteil. „Aix war früher zentraler Handelsort in Europa für Mandeln“, erläutert er.

„Gute 100.000 Besucher“ erwartet Hans-Peter Schwarz an den fünf UPM-Markttagen in der Stadt. Schwarz ist Teil des Organisationsteams und weiß, welche Strahlkraft die Veranstaltung hat: Viele Gäste kommen von auswärts, „das Einzugsgebiet umfasst ganz Baden-Württemberg“. Nicht zuletzt abzulesen an den zahlreichen Anfragen im Vorfeld, etwa zum Thema „Wo kann ich in Tübingen parken?“. Aber die Menschen treibt auch ganz anderes um, beispielsweise die Frage, warum es dieses Mal lediglich ein neues James-Rizzi-Motiv auf den offiziellen UPM-Weingläsern gibt und nicht wie üblich deren zwei. Schwarz: „Es haben schon Leute angerufen, die dann fragten, was sie jetzt machen sollen – trotzdem sechs Gläser kaufen?“ In diesem Sinne: „À votre santé, salute, Prost!“

Programm im Rahmen des Umbrisch-Provenzalischen Markts

Die Stände des Umbrisch-Provenzalischen Markts haben am Donnerstag, Freitag und Samstag von 10 bis 22 Uhr geöffnet, die Gastronomen bewirten jeweils drei Stunden länger die UPM-Gäste, am Sonntag öffnet der Markt um 11 Uhr und schließt um 19 Uhr. Am Samstag gibt es zudem zwischen 10 und 16 Uhr im Innenhof des Bürgerheims ein Kinderfest mit Flohmarkt, Kinderschminken, Ritterspielen und vielem mehr, am Sonntag haben überdies die Geschäfte in der Innenstadt von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Am Sonntag geht der Erbe-Lauf über die Bühne: Die Schüler starten in der Wilhelmstraße um 9.15 Uhr, weiter geht's um 10 Uhr mit der Handbike-Challenge, eine Stunde später beginnt der Drei-Kilometer-Lauf, um 11.30 Uhr dann der über die Zehn-Kilometer-Runde mit rund 2000 Teilnehmern. Wer vom Stiftskirchenturm aus über die Altstadt blicken möchte, kann dies während des UPMs länger tun als sonst: am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr, am Freitag am 14 Uhr und am Samstag schon ab 11 Uhr. Der Tübinger Wochenmarkt wird am Freitag und Samstag an die Jakobuskirche verlegt.