Umbrisch-Provenzalischer Markt in Tübingen
: Bonjour und Buongiorno

Barbara Süss und Johanna Segebrecht sind seit über zwei Jahrzehnten für die Stadt als Übersetzerinnen auf dem Umbrisch-Provenzalischen Markt unterwegs. Sie bekommen bisweilen auch nachts Anrufe von Händlern.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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Johanna Segebrecht Inki Bravo UPM Umbrisch Provenzalischer Markt Tübingen Übersetzerin

Die Wiedersehensfreude ist groß: Johanna Segebrecht (links) im Arm mit der französischen Schmuckhändlerin Inki Bravo. Es gibt keinen Händler, der sich nicht freut, wenn die beiden Übersetzerinnen Segebrecht und Barbara Süss an ihren Ständen vorbeischauen.

Lisa Maria Sporrer
  • Zwei Übersetzerinnen betreuen seit über zwei Jahrzehnten Händler auf dem UPM in Tübingen.
  • Sie klären Fragen zu Logistik, Strom, Parken und Recup, oft schon ab Anfang Mai.
  • Morgendliche Markt-Runde mit dem städtischen Eventmanagement – Fragen und Probleme werden gesammelt.
  • Akute Fälle gab es selten, einmal begleiteten sie nachts eine Händlerin in die Klinik.
  • Dieses Jahr zahlen alle Standgebühren, es gibt keine Wimpel und keinen städtischen Empfang.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es war im Sommer 2004. Barbara Süss war gerade erst nach Tübingen gezogen und wollte sich beim Kulturamt nur über einen Auslands-Austausch für ihre Tochter informieren. Margit Aldinger aber, bis Sommer 2008 im Tübinger Kulturamt für Städtepartnerschaften und Jugendaustausch zuständig, stellte Süss gleich ein – als Übersetzerin für den Umbrisch-Provenzalischen Markt.

Rund 50 Händler reisen einmal im Jahr aus den Partnerstädten Perugia in Italien und Aix-en-Provence in Frankreich an, um auf dem Umbrisch-Provenzalischen Markt in Tübingen ihre Waren zu verkaufen. 50 Händlerinnen und Händler, die kaum oder gar nicht Deutsch sprechen, organisatorische Fragen haben, Orientierungsprobleme in einer fremden Stadt, sich auch willkommen fühlen wollen. Für all das sind seit über zwei Jahrzehnten Barbara Süss und Johanna Segebrecht da. Ursprünglich sollte die frühere Fremdsprachensekretärin Süss die französischen Gäste betreuen, Segebrecht, die zeitweise in Italien gelebt hat, die italienischen Händler. Im Laufe der Jahre aber hat sich diese Zuständigkeit aufgelöst, auch, weil beide beide Sprachen sprechen.

Auch so etwas wie eine Freundlichkeitsrunde

Jeden Morgen während der Markttage treffen sich Süss und Segebrecht am Rathaus. Vor ein paar Jahren wurde die UPM-Organisation vom Ordnungsamt ins städtische Eventmanagement verlagert. Nicht mehr Rainer Kaltenmark, der ehemalige Ordnungsamts-Chef, dreht mit den beiden Frauen die morgendliche Runde über den Markt, sondern Mani Rosenfeld und Marcel van den Berg. Sie schauen, ob bei den Händlern alles okay ist, ob es Fragen, Probleme, Anregungen gibt. „Und das ist auch so etwas wie eine Freundlichkeitsrunde“, sagt Segebrecht. „Das war Rainer Kaltenmark früher immer ganz wichtig, jedem Händler einen guten Morgen zu wünschen.“

Johanna Segebrecht Barbara Süss UPM

Johanna Segebrecht und Barbara Süss (rechts) im Gespräch mit Sergio Castellani, der sein sebstgebrautes Craft-Bier in der Neuen Straße verkauft.

Lisa Maria Sporrer

An Tag zwei des UPMs, am Donnerstagmorgen, sind die akuten Probleme schon geklärt. Ein paar restliche Standschilder, auf denen die Standnummer und der Name zu lesen sind, müssen noch verteilt werden. Von den 80 angekündigten Ständen sind 76 tatsächlich da. Vier Händler mussten spontan absagen, „so kurzfristig Ersatz zu finden, ist nicht möglich“, sagt Marcel van den Berg am Holzmarkt, während zwei Sanitäter in die Neckargasse vorbeihechten. Van den Berg geht hinterher. Denn auch das gehört zu den Aufgaben des Organisationsteams. Wenn ein Krankenwagen in die engen Gassen fahren muss, werden die Besucher aufgefordert, Platz zu machen. Dafür sind an allen wichtigen Orten Lautsprecher installiert, „so können wir jeden Standort einzeln ansprechen“, sagt Mani Rosenfeld. In diesem Fall ist das aber nicht nötig. Es ist 11 Uhr, die Besucherströme kommen erst gegen mittags.

Nachts zum Notfall in die Klinik

„Mittlerweile sind die meisten Händler hier schon gut eingespielt“, sagt Süss. Viele von ihnen kommen schließlich seit über 20 Jahren im Frühherbst zum UPM. „Am Anfang ging es um Fragen, wie: Wo ist der nächste Baumarkt? Wie komme ich an Strom? Gibt es Sitzgelegenheiten für den Stand?“, sagt Segebrecht, die, wie auch Süss, sonst in der Schule arbeitet. Alle Händler haben die Handynummern von Süss und Segebrecht. Einmal, erinnert sich Süss, kam auch ein Anruf in der Nacht, weil eine französische Händlerin als Notfall in die Klinik musste. Da ist sie dann gleich hingefahren. Es ging alles gut. Ebendiese Händlerin auf dem Marktplatz ist eine der Ersten, die am Donnerstagmorgen von Süss und Segebrecht herzlich mit Seitenküsschen und Umarmung begrüßt wird. Man kennt sich nach all den Jahren, hat auch Freundschaften geschlossen. Im Vorbeigehen wird den beiden Übersetzerinnen unentwegt zugewinkt.

Zu tun gibt es trotzdem noch viel für Süss und Segebrecht. Schon Anfang Mai kommen immer die ersten Anfragen von Händlern, wo sie schlafen können, ob nicht dabei geholfen werden könne, Mitarbeiter zu besorgen. Als die Umstellung auf Recup kam, konnten die Italiener überhaupt nicht verstehen, warum sie ihre Plastikteller nicht mehr benutzen durften. Und das Thema Parken ist jedes Jahr neu. Früher durften die Autos hinter die Stiftskirche gestellt werden, mittlerweile stehen dort nur noch die Kühltransporter. Und da, sagt der Inhaber des italienischen Käsestands in der Neckargasse, habe sich ein Anwohner beschwert, dass seine Kühlung zu laut sei. „Das war tatsächlich laut“, sagt Segebrecht, die hingegangen ist, um das zu prüfen. „Er hat sie jetzt niedriger eingestellt.“

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Manchmal gebe es auch einiges anzupassen, meint Süss. Weil sich bei dem Porchetta-Stand in der Neuen Straße immer lange Schlangen bilden, klagten die angrenzenden Händler, dass Kunden nicht mehr zu ihren Ständen kämen. Jetzt gibt es das Brötchen mit Porchetta an der Ecke Hafengasse. „Dort stören die Wartenden niemanden“, sagt Segebrecht.

All das sind Dinge, die den italienischen und französischen Gästen jemand erklären muss. Aber dafür gibt es ja Barbara Süss und Johanna Segebrecht.

Kein Empfang, keine Beschmückung, dafür erstmals Standgebühren

In diesem Jahr müssen die italienischen und französischen Marktbeschicker nach über zwei Jahrzehnten Standgebühren bezahlen. Bisher zahlten ausschließlich die Tübinger, allerdings auch nur fünf Euro pro Meter für die fünf Markttage. Jetzt gibt es gestaffelte Standmieten – und zwar für alle gleich. Diejenigen, die Essen verkaufen, zahlen am meisten, weil sie auch am meisten einnehmen. Diejenigen, die verpackte Speisen anbieten, zahlen etwas weniger, und die Kunsthandwerker zahlen pro Meter für die fünf Tage jetzt 25 Euro. Ohnehin muss gespart werden, deshalb hat die Stadt in diesem Jahr auch keine Wimpel in den landeseigenen Farben der Gastländer aufhängen lassen. Das hätte einen hohen vierstelligen Betrag gekostet. Auch auf den Empfang, den die Stadt sonst immer den Gästen aus Italien und Frankreich bereitet hatte, fiel in diesem Jahr aus.