Tübinger Studie zu „Pain of Paying“
: Schmerzen beim Bezahlen mit Bargeld

Mehr als die Hälfte der Einkäufe werden in Deutschland mittlerweile bargeldlos gezahlt. Immerhin kann Bezahlen mit Bargeld wehtun – zu dem Ergebnis kommt eine Studie unter Beteiligung des Universitätsklinikums Tübingen.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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ARCHIV - 04.12.2018, Sachsen, Dresden: Eine Frau hält eine Geldbörse mit Banknoten in der Hand. In einer Umfrage für das Vergleichsportal Verivox antworteten gut 53 Prozent der 1017 Befragten, sie würden einen Einkauf im Wert von 20 Euro an der Ladenkasse außerhalb Deutschlands gewöhnlich mit Schein und Münze bezahlen. In der Heimat hingegen nutzt demnach mittlerweile die Mehrheit auch bei solchen kleineren Beträgen eine Karte (rund 52 Prozent), gut 43 Prozent bevorzugen Bargeld. (ZU dpa: «Umfrage: Mehrheit bezahlt kleinere Beträge im Ausland bar») Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Wer mit Bargeld zahlt, kauft meist bewusster ein.

Monika Skolimowska/dpa
  • Studie mit Uniklinik Tübingen: Bezahlen löst emotionalen Schmerz aus und beeinflusst Kaufentscheidungen.
  • MRT zeigte beim Bargeldzahlen Aktivität in Arealen für emotionalen Schmerz, bei Karte nicht.
  • Forschende: Wie sich Bezahlen anfühlt, zählt – nicht nur Preis, Budget oder Kosten-Nutzen.
  • Digitale Zahlungen dämpfen das Warnsignal, was Ausgaben erleichtern und Hemmschwellen senken kann.
  • Weitere Forschung ist nötig, doch der „Schmerz des Bezahlens“ gilt als realer Bestandteil von Entscheidungen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Unser Gehirn mag es nicht, Dinge zu verlieren. Auch wenn wir Geld ausgeben, empfinden wir das als Verlust. Dieser sogenannte „Pain of Paying“ scheint mehr als eine sprachliche Redewendung zu sein. Zu dem Ergebnis jedenfalls kommt eine internationale Studie unter Beteiligung der Uniklinik Tübingen. Die Ergebnisse, die im Journal of Economic Behavior and Organization erschienen sind, deuten darauf hin, dass Bezahlen tatsächlich schmerzt – allerdings nicht wie ein körperlicher Schmerz, sondern eher wie ein unangenehmes emotionales Erlebnis. Und das kann finanzielle Entscheidungen beeinflussen.

Warnsignale im Gehirn

Die Forschenden untersuchten mittels MRT, was im Gehirn und im Entscheidungsverhalten passiert, wenn Menschen Geld ausgeben. Und tatsächlich reagierte das Gehirn beim Bezahlen mit Bargeld in Regionen, die mit der Verarbeitung von Schmerz zusammenhängen. Dabei handelt es sich um sogenannten emotionalen Schmerz, vergleichbar mit einem Schmerz beispielsweise, wenn etwas peinlich ist oder man sich schämt. Beim Bezahlen mit Karte hingegen traten keine vergleichbaren Warnsignale im Gehirn auf.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass finanzielle Entscheidungen nicht allein von Preisen, Budgets oder rationalen Kosten-Nutzen-Abwägungen abhängen. Entscheidend ist auch, wie sich das Bezahlen anfühlt“, sagt Axel Lindner von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen. „Der unangenehme Moment des Bezahlens könnte ein emotionales Warnsignal sein, das Menschen dabei hilft, Ausgaben bewusster zu tätigen“, ergänzt Prof. Nina Mazar von der Boston University, USA.

Gerade bei digitalen Zahlungsformen könne dieses Signal abgeschwächt werden. Wer mit Smartphone, Kreditkarte oder über ein Abo bezahlt, erlebt den Verlust des Geldes oft weniger unmittelbar als bei einer Barzahlung. Das kann den Bezahlvorgang angenehmer machen, aber möglicherweise auch die Hemmschwelle zum Geldausgeben senken. Immerhin wurden laut aktuellen Zahlen der Deutschen Bundesbank im Jahr 2025 in Deutschland erstmals mehr Einkäufe bargeldlos als mit Bargeld bezahlt.

Die Forschenden betonen, dass weitere Studien notwendig sind, um die emotionalen Mechanismen des Bezahlens noch genauer zu verstehen. Schon jetzt zeigen die Ergebnisse jedoch: Der „Schmerz des Bezahlens“ ist offenbar ein realer Bestandteil finanzieller Entscheidungen und könnte helfen zu erklären, warum manche Zahlungsarten stärker zum Konsum verleiten als andere.