Tübinger Forschungsteam: Wie menschliche Zellen das Ebolavirus ausbremsen

Die Ebola-Infektionen in der Demokratischen Republik Kongo nehmen weiter zu. Seit Mai starben mehr als 5.000 Menschen - mehr als 10.000 gelten als infiziert.
Moses Sawasawa/AP/dpa- Tübinger Team identifiziert CD81 als zellulären Hemmfaktor gegen Ebolavirus.
- Zwei Virusproteine neutralisieren CD81 – ein deutliches Hindernis für das Virus.
- Untersuchung analysierte 332 Oberflächenproteine und fand CD81 als relevant.
- Ergebnisse im EMBO Journal veröffentlicht, klinischer Nutzen bleibt offen.
- Ebola-Fälle in DR Kongo steigen weiter, viele Infizierte und Todesfälle seit Mai.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Wie wehren sich menschliche Zellen gegen das Ebolavirus – und wie gelingt es dem Virus, diese Abwehr zu umgehen? Ein Forschungsteam des Universitätsklinikums Tübingen hat gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Hamburg und Greifswald einen bislang unbekannten Abwehrmechanismus identifiziert: Das Zellprotein CD81 kann bestimmte Schritte einer Ebola-Infektion hemmen. Das gab das Uniklinikum nun in einer Pressemitteilung bekannt. Gleichzeitig nutze das Virus zwei seiner eigenen Proteine, um CD81 entgegenzuwirken. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal The EMBO Journal veröffentlicht und könnten langfristig neue Perspektiven für die Bekämpfung der Ebolavirusinfektion eröffnen, heißt es.
Ein „ernstzunehmendes Hindernis“ für das Virus
Das Ebolavirus kann beim Menschen eine schwere, häufig lebensbedrohliche Erkrankung auslösen. Um sich zu vermehren, muss es in menschliche Zellen eindringen und deren zelluläre Prozesse für sich nutzen. Dabei trifft es auf körpereigene Mechanismen, die eine Infektion erschweren können. Ein Forschungsteam um Prof. Michael Schindler vom Institut für Medizinische Virologie und Epidemiologie der Viruskrankheiten am Universitätsklinikum Tübingen hat nun eine solche Schutzfunktion näher untersucht.
Ausgangspunkt der Untersuchung war die Frage, wie das Ebolavirus die Oberfläche menschlicher Zellen verändert. Dazu analysierte das Team 332 Oberflächenproteine. Dabei fiel ihnen unter anderem CD81 auf. In weiteren Experimenten zeigte sich, dass CD81 die Vermehrung des Ebolavirus beeinträchtigen kann.
„Besonders spannend war für uns, dass nicht nur ein, sondern gleich zwei Virusproteine gegen CD81 wirken. Und das, obwohl das Ebolavirus mit nur sieben Proteinen auskommen muss. Das spricht dafür, dass dieser zelluläre Abwehrmechanismus für das Virus ein ernstzunehmendes Hindernis darstellt“, sagt Elena Hagelauer, die gemeinsam mit Dan Hu die Erstautorenschaft der Studie innehat.
Die Ergebnisse liefern erste Hinweise darauf, dass CD81 auch bei der Infektion mit authentischen Ebolaviren eine hemmende Rolle spielt. Die genauen Zusammenhänge müssen allerdings noch weiter untersucht werden. Ob sich daraus eine Behandlung entwickeln lässt, ist bislang offen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass menschliche Zellen über einen CD81-gesteuerten Schutzmechanismus verfügen, den das Ebolavirus überwinden muss. Wenn wir besser verstehen, wie dieser Mechanismus funktioniert, könnte sich daraus ein neuer Ansatzpunkt für die Behandlung von Ebola-Infektionen ergeben“, sagt Studienleiter Schindler.
