Tübinger Forscher trainieren Rabenkrähen
: Wie die Krähe lernt, Werkzeug zu benutzen

Krähen gelten als Alleskönner, manchmal muss man ihnen dabei aber noch ein bisschen helfen: Ein Tübinger Forschungsteam zeigt im Experiment, wie Krähen lernen, ein Stäbchen präzise im Schnabel zu führen, um damit an Futter zu gelangen.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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Geschickt angelt eine Rabenkrähe mithilfe eines Stäbchens, das sie als Verlängerung ihres Schnabels einsetzt, ein Futterpellet aus einer Plexiglasbox.

Geschickt angelt eine Rabenkrähe mithilfe eines Stäbchens, das sie als Verlängerung ihres Schnabels einsetzt, ein Futterpellet aus einer Plexiglasbox.

Felix Moll
  • Tübinger Forscher zeigen, wie Rabenkrähen lernen, Werkzeuge präzise zu nutzen.
  • Drei Krähen lernten im Experiment, Futter mit einem Stäbchen aus einer Plexiglasbox zu holen.
  • Anfangs ungenaue Bewegungen wurden durch Versuch und Irrtum präziser.
  • Werkzeuggebrauch erfordert Motivation, Wissen, kognitive Fähigkeiten und Feinmotorik.
  • Evolutionsdruck könnte Werkzeugnutzung in freier Wildbahn fördern.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Rabenkrähen faszinieren die Wissenschaft schon ziemlich lange, sie gelten als intelligente Alleskönner: Sie erkennen sich im Spiegel, können sich Gesichter merken, scheinen sogar zu verstehen, was andere denken, können zählen und sie können zukünftige Ereignisse planen. Auch Werkzeuge bauen sie. Ein Forschungsteam der Universität Tübingen konnte nun im Experiment zeigen, wie Krähen lernen, ein Stäbchen präzise im Schnabel zu führen, um damit an Futter zu gelangen.

Nur ein bisschen Evolutionsdruck noch

„Der Gebrauch von Werkzeugen kommt im Tierreich insgesamt recht selten vor, am häufigsten ist er bei geschickten Generalisten wie Primaten, Papageien und Krähenvögeln zu beobachten“, sagt Felix Moll, der zusammen mit Julius Würzler und Prof. Andreas Nieder vom Institut für Neurobiologie der Universität Tübingen Verhaltensversuche mit zahmen Vögeln gemacht hat. Der Gebrauch von Werkzeug komme nur bei zwei von den rund 40 Krähenarten regelmäßig vor: bei der Neukaledonienkrähe und der Hawaiikrähe. Deshalb wollte das Forschungsteam erkunden, ob eine andere Krähenart den Werkzeuggebrauch prinzipiell ebenso gut erlernen kann – und wie das Lernen die nötigen Fähigkeiten formt.

In der Studie brachten die Forscher drei Rabenkrähen mithilfe von Belohnungen zunächst bei, ein Stäbchen mit dem Schnabel aufzunehmen. Im nächsten Schritt lernten diese durch Versuch und Irrtum, mit dem Stäbchen Futterpellets aus einer durchsichtigen Plexiglasbox herauszuholen, in die sie mit dem Schnabel nicht direkt hineinkamen. Wenn das Futter zu schnell herausgeschoben wurde, konnte es vom Tisch fallen und war dann für den Vogel nicht mehr erreichbar. Zunächst schoben die Vögel das Futterpellet mit weit ausholenden, ungezielten Bewegungen des Stäbchens nur hin und her. Nach etlichen Versuchen aber wurden die Bewegungsabläufe ziemlich präzise. „Die Bewegungen des Stäbchens sind in den jeweiligen Standardsituationen wenig variiert, die Krähe schiebt das Futterpellet zielstrebig an eine Seite der Box und holt es heraus“, berichtet Würzler.

„Um den Werkzeuggebrauch zu erlernen, müssen mehrere Faktoren zusammenkommen“, meint Andreas Nieder: „Die Motivation, das konzeptionelle Wissen und große kognitive Fähigkeiten sowie die feinmotorische Kontrolle.“ In der freien Wildbahn ist der Werkzeuggebrauch bei Rabenkrähen nicht bekannt. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass bereits ein geringer Evolutionsdruck ausreichen würde, dass sie solche Fähigkeiten auch ohne spezielles Training entwickelten. Ihre Studie wurde in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht.