Tübingen
: Tübinger Kripo hat eine Betrüger-Bande zerschlagen · Kopf der Bande saß in Kiel

Die Kriminalpolizei Tübingen hat einer bundesweit agierenden Betrügerbande das Handwerk gelegt.
Von
ik
Tübingen.

Blaulicht auf einem Polizeifahrzeug.

Rolf Vennenbernd/Archiv dpa/lsw

Sie fälschten Pässe, bestellten im Internet unter falschem Namen Waren und schlossen Mobilfunkverträge ab, um die Handys zu kassieren: Jetzt hat die Tübinger Kripo einer siebenköpfigen Betrügerbande das Handwerk gelegt. Die Männer stammen alle aus Benin oder der Elfenbeinküste.

Seit April waren die Tübinger Ermittler der Bande auf der Spur, am Dienstag vergangener Woche nahmen sie in Kiel einen 23-Jährigen fest. Er gilt als Drahtzieher der bundesweit agierenden Bande von Warenkreditbetrügern. Mit deren Zerschlagung konnten laut Polizei und Staatsanwaltschaft bundesweit mehr als 200 Straftaten aufgeklärt werden. Die Betrüger hatten einen Schaden in Höhe von mehr als 100000 Euro verursacht. Alle sieben Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft.

Die Männer gingen immer nach dem gleichen Muster vor: Sie dachten sich Namen aus und stellten sich gefälschte Dokumente auf diesen aus. Dann suchten sie sich eine reale Adresse und ließen sich an diese Waren liefern. Mittels der elektronischen Sendungsverfolgung wussten die Betrüger genau, wann mit der Zustellung zu rechnen sein würde und welcher Lieferdienst das Paket bringt. Wenn möglich, fingen die Männer den Paketboten vor dem Haus ab und nahmen die Lieferung sofort an. Gelang das nicht, holten sie die Pakete später mithilfe der gefälschten Pässe auf der nächstgelegenen Postfiliale ab. Die Waren wurden anschließend gewinnbringend weiterverkauft.

Im April wurde ein Betrüger

in Reutlingen festgenommen

Nach einer ganzen Serie von Vorfällen in den Kreisen Reutlingen und Tübingen kamen die Fahnder den sieben Männer im Alter von 17 bis 38 Jahren im Frühjahr auf die Spur. Im April war einer der Männer beim Abholen einer Bestellung in Reutlingen festgenommen worden. In seiner Wohnung in Markgröningen und der seiner Freundin in Hülben fanden die Ermittler zahlreiche Beweise wie originalverpackte Uhren, Mobiltelefone, Parfüm und Sonnenbrillen im Gesamtwert von mehreren 10000 Euro.

Die Ermittlungen waren

aufwändig und zeitintensiv

D ie Ermittlungen, berichtet Polizeisprecher Christian Wörner, seien aufwändig und zeitintensiv gewesen. Eine eigens gebildete Ermittlungsgruppe war den Tätern aber dicht auf den Fersen – auch als diese ihren Tätigkeitsschwerpunkt nach der Festnahme in Reutlingen nach Nordrhein-Westfalen verlagerten. Weitere Bandenmitglieder wurden im September und Oktober mit Unterstützung der örtlichen Kriminalpolizei identifiziert und in Eschweiler, Köln und Bernburg festgenommen.

Zuletzt wurde der 23-Jährige in Kiel festgenommen. Der Zugriff, so Wörner, erfolgte mithilfe eines Einsatzkommandos. Der Mann leistete keinen Widerstand. Er steht im dringenden Verdacht, der Hauptdrahtzieher der Bande zu sein, und soll ein bundesweites Netz parallel agierender Tätergruppierungen unterhalten und gesteuert haben. Zudem soll er die durch den Weiterverkauf erzielten Gewinne über verschiedene Finanzdienstleister ins Ausland transferiert haben.

Die Wohnung des 23-Jährigen wurde durchsucht. Die Polizei beschlagnahmte zahlreiche Beweismittel: gefälschte Pässe, hochwertige Schmuckstücke und Markenartikel im Wert von mehr als 30000 Euro.

Der 23-Jährige wurde noch am Tag seiner Festnahme dem Haftrichter beim Amtsgericht Kiel vorgeführt. Dieser erließ den von der Staatsanwaltschaft in Tübingen beantragten Haftbefehl und setzte ihn in Vollzug. Der Mann wurde in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.