Tübingen · Tierschutz
: Dank Engagement und Drohne: 268 Kitze im Landkreis vor Maschinen gerettet

Die Kreisjägervereinigung entdeckte in diesem Frühjahr vier Mal so viele Kitze wie im Jahr zuvor. An 28 Tagen war die Drohnengruppe im Einsatz.
Von
ST
Tübingen

Mit Grasbüscheln wird das Kitz aus dem Gras gehoben, damit ihr Geruch nicht an ihm hängenbleibt.

KJV Tübingen

Kaum auf der Welt, legen Rehe ihre Kitze gut versteckt im hohen Gras ab. Damit sind sie sicher vor natürlichen Feinden. Wird die Wiese aber gemäht, hat das Kitz keine Chance. Es ist zum Tode verurteilt.

Um kurz nach 3 Uhr morgens ist die Nacht zu Ende. Jäger und Landwirte und das Kitzrettungsteam der Kreisjägervereinigung (KJV) Tübingen machen sich auf den Weg in die verabredete Feldflur außerhalb der Städte und Gemeinden. Das Ziel: Alle Kitze in den Wiesen zu finden, die kurz darauf gemäht werden müssen.

„Kitzrettung betreiben Jäger schon seit langem“, sagt Stefan Schaupp, stellvertretender Leiter des Drohnenteams der KJV Tübingen. „Aber die Natur macht es uns schwer, die Kitze zu finden.“ Bei Gefahr drücken diese sich tief auf den Boden und machen sich so fast unsichtbar. Zudem sind sie fast geruchslos. Deshalb können Hunde die Kitze eher nur zufällig finden und dem Jäger anzeigen. Daher werden oft trotz aller Mühen Kitze in der Mahd getötet.

„Drohnen erleichtern die Suche ungemein“, sagt Sandra Schäfer, Leiterin des Drohnenteams für die Kitzrettung bei der KJV Tübingen. „Mit den ausgeklügelten Wärmebildkameras können wir Kitze rasch entdecken.“ Die Kameras sind inzwischen so präzise, dass sie den Unterschied zwischen Feldmäusen oder Hasen und einem Kitz für das menschliche Auge sichtbar machen. Und trotzdem müssen die Kitzretter ein geschultes Auge haben, wenn sie das Kitz in der Wiese finden wollen.

Denn in der Morgendämmerung, im hohen Gras, der perfekten Tarnung und dem Duck-Reflex ist das Kitz oft schwer zu erkennen. Wärmebildkameras funktionieren bei der Kitzrettung besonders gut, wenn der Temperaturunterschied zwischen Kitz und Umgebung groß ist. Das ist in den frühen Morgenstunden der Fall.

Mit Hilfe der Drohnen, einer straffen Organisation und ausdauerndem Engagement der Retter, Landwirte und Revierpächter gelingen in diesem Frühjahr 268 Kitzrettungen - mehr als vier Mal so viel wie im vergangenen Jahr. An jedem der 28 Einsatztage wird immer wieder deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel und der Zusammenhalt von Jägern, Revierpächtern, Landwirten und den Rettungsteams ist. Dabei helfen sich Revierpächter immer wieder gegenseitig aus und bringen Freunde und Familie mit, damit die Rettungen gut gelingen und die Landwirte im Anschluss die Wiesen mähen können. Die Aufgaben sind klar verteilt: Der Landwirt informiert darüber, welche Fläche gemäht werden muss, der Jäger kennt die optimalen Ablagestellen für die geretteten Kitze, und das Rettungsteam beherrscht die Technik und Suche. Die Summe daraus macht den Erfolg.

Immer wieder sind selbst die Jäger und Landwirte überrascht, dass das Drohnenteam Kitze an völli g unerwarteten Stellen entdeckt. „Und wenn sie dann ein Kitz finden und vorsichtig anheben - dann sehe ich nur strahlende Gesichter“, sagt Schäfer. Vielleicht hat auch einer der hart Gesottenen schon mal ein Freudentränchen verdrückt, wenn er das Kitz dann in eine andere Wiese oder am Waldrand gut geschützt und „wie zum zweiten Mal geboren“ ablegt und gewiss sein kann, dass das Muttertier das Kitz weiter gut versorgt. ST