Tübingen
: Stocherkahn kentert: 17 Menschen im kalten Neckar

Viel Blaulicht und Tatütata am Samstagabend mitten in Tübingen: Feuerwehr, Rettungsdienst und DLRG rückten mit mehr als 100 Einsatzkräften an, nachdem zwischen Hölderlinturm und Eberhardsbrücke ein vollbesetzter Stocherkahn gekentert war.
Von
hz
Tübingen

Großeinsatz auf der Tübinger Eberhardsbrücke wegen eines gekenterten Stocherkahns.

Feuerwehr Tübingen

Um 21.45 Uhr war der mit 17 Personen besetzte Stocherkahn an einem Ast hängen geblieben, sodass sich einige am Kahn angebrachte Fackeln lösten und in den Kahn fielen. So berichtete es ein Augenzeuge dem TAGBLATT, der mit seiner Familie an Bord war. Laut Polizeibericht brach in der Folge Panik aus, wodurch der Kahn ins Schwanken geriet und schließlich kenterte. Alle Menschen auf dem Kahn fielen ins etwa 12 Grad kalte Wasser.

„Durch das beherzte Eingreifen eines Stocherer-Kollegen und zweier Tübinger Feuerwehrleute, die sich auf einem Kahn in der Nähe des gekenterten Kahnes befanden, konnte Schlimmeres verhindert werden“, berichtete am Sonntag der Tübinger Feuerwehrkommandant Steffen Kratzel.

Die Feuerwehr leuchtete den Fluss aus, um noch im Wasser treibende und an den Uferbereich geschwommene Personen ausfindig zu machen. Ufer und Wasseroberfläche wurden auch vom Feuerwehrboot aus abgesucht. Zur Unterstützung wurde die Drohnenstaffel des DRK Kirchentellinsfurt nachgefordert. Feuerwehrtaucher sicherten Menschen im Wasser und brachten sie an Land, wo sie vom Rettungsdienst versorgt wurden. Die Feuerwehr sicherte auch den gekenterte Kahn und barg das Boot im Nachgang.

Verletzt wurde laut Polizei niemand. Die Tübinger Feuerwehr war mit 44 Leuten und Tauchern der Feuerwehr Reutlingen, der Rettungsdienst mit 32 und die DLRG mit 10 Einsatzkräften vor Ort.

Aus Sicht eines Gekenterten

Ein Augenzeuge, der mit seiner Familie an Bord des gekenterten Stocherkahns war, berichtet, dass die Petroleum-Fackeln nur mit je zwei Gummibändern an den Rückenlehnen des Kahns befestigt gewesen seien. Schon vor dem Unfall seien Fackeln umgekippt, etwa bei einem Zusammenstoß mit einem anderen an der Lichterfahrt beteiligten Kähne. Als der Kahn ins Geäst am linken Ufer geriet, seien mindestens zwei der brennenden Fackeln auf die Sitzbretter im Kahn gefallen, was zu Unruhe unter den Passagieren geführt habe – und schließlich zum Kentern des Stocherkahns. Dies beschreibt der Zeuge folgendermaßen: „Infolgedessen geriet der Kahn in Schieflage, Wasser drang ein und innerhalb von Sekunden sank und kenterte das Boot. Eine Gruppe von acht Passagieren, darunter unsere Sechsergruppe, rettete sich an das linke Ufer, andere schwammen zum gegenüberliegenden Ufer oder weiter flussabwärts. Von dort wurden wir von einem anderen Stocherkahnfahrer, der seine Passagiere schnell an Land schickte und uns zur Hilfe kam, nach 15 bis 20 Minuten im kalten Wasser gerettet.“