Tübingen · Mobilität: Landrat Walter zur Ammertalbahn: „Da braucht es schon den Zufall“

Schwäbisches Tagblatt
.Im März hatte die Deutsche Bahn dem Zweckverband ÖPNV im Ammertal (ZÖA) mitgeteilt, dass während der Sommerferien auf der Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg kein Zug fahren werde. Grund: Die durch die Streckensperrung der Neckar-Alb-Bahn zwischen Tübingen und Nürtingen notwendige Abschaltung der Oberleitung im Tübinger Hauptbahnhof, ohne deren Strom kein Betrieb mit den eingesetzten elektrischen Fahrzeugen gewährleistet werden könne. Weil zu wenige Dieselfahrzeuge vorhanden seien, sollte während der Sommerferien Schienenersatzverkehr zum Einsatz kommen, wie der ZÖA in seiner Pressemitteilung vom 15. Juli informierte.
Am Dienstag, 23. Juli teilte die DB Regio dem ZÖA mit, dass man durch einen Zufall erfahren habe, dass die Oberleitung gar nicht abgeschaltet sei: Die DB Regio hätte für Lokführer-Schulungen auf Grund des nicht zur Verfügung stehenden eigenen Stroms beim Betriebswerk nach der Möglichkeit gefragt, Fremdstrom zu nutzen. Dabei hätte sich das mit den Baumaßnahmen beauftragte DB-Tochterunternehmen DBInfraGO verwundert gezeigt. „Es sei doch Strom auf der Oberleitung“.
Somit wird während der Sommerferien nun doch ein Halbstundentakt gefahren. Darüber hatte der ZÖA in einer weiteren Pressemitteilung am Mittwoch, 24. Juli die Öffentlichkeit informiert. Landrat Joachim Walter gab seinem Unmut im Zuge der am selben Nachmittag stattfindenden konstituierenden Sitzung des neuen Kreistags Ausdruck: „Es kann doch nicht wahr sein, dass das Abhängen einer kompletten Bahnstrecke seitens der DB nicht mit dem notwendigen Ernst bearbeitet wird.“
Für Walter ist es „unfassbar, dass nur durch einen glücklichen Zufall ans Licht kommt, dass die Strecke nun doch gefahren werden kann. Das sorgt doch für maximale Verärgerung und Verwirrung bei allen Beteiligten. Ein solches Kommunikationsdesaster zeigt die Zustände bei der Deutschen Bahn mehr als deutlich“, ärgert sich Walter. Der ZÖA habe sich nach der Ankündigung der DB über das Lahmlegen der Strecke sofort darum gekümmert, die zugfreie Zeit für Wartungs- und Instandhaltungszeiten zu nutzen und Sanierungsmaßnahmen durchzuführen.
Der Schienenersatzverkehr war bereits organisiert und kommuniziert. „Nun muss alles zurückgedreht und umgeplant werden - ein riesiger Kraftakt, der nicht hätte sein müssen“, so Walter. „Bei der Bahn führt Planung offenbar nicht zum Erfolg - da braucht es schon den Zufall“, so Walter. Aber schlussendlich gehe es darum, „dass der Zug fährt“.