Tübingen: Mittags startet das 60. Tübinger Stocherkahnrennen

Eng wird es beim Stocherkahnrennen im Nadelöhr zwischen Neckarinsel und Eberhardsbrückenpfeiler.
Nicht gesetztTübingen. Wer etwas sehen will von der studentischen Wasserschalcht auf dem Neckar, sollte früh genug da sein. Die guten Plätze auf der Neckarinsel und auf den verschiedenen Brücken über den Fluss sind üblicherweise schon am späten Vormittag besetzt.
Um 12 Uhr beginnt der skurrile Auftrieb mit der Kostümparade. Von der Eberhardsbrücke flussaufwärts defilieren die aufwändig kostümierten Mannschaften in ihren teilweise dekorierten Stocherkähnen an der Jury auf dem Neckarfloß vorbei Richtung Startaufstellung. Dem Team mit der originellsten Idee winkt ein Sonderpreis.
Von der Startleine, die unter einer Fußgängerbrücke oberhalb der Neckarinsel über den Fluss gespannt ist, gehen die 46 Kähne um 13.15 Uhr auf die knapp zweieinhalb Kilometer lange Rennstrecke. Diese führt zwischen Insel und Tübinger Altstadtfront flussabwärts bis zur Eberhardsbürcke, durchs sogenannte Nadelöhr zwischen Insel und Brücke hindurch, einmal um den Brückenpfeiler herum und erneut durchs Nadelöhr. Wer seinen Kahn zweimal durch die Engstelle manövriert und im Nahkampf mit der Konkurrenz keine allzu großen Verluste erlitten hat, paddelt und stochert gegen die Strömung den „Kanal“ hinauf, unterm „Indianersteg“ hindurch bis zur Inselspitze. Dort am „Bügeleisen“ ist das Ziel.
Auf das Gewinner-Team wartet der Wanderpokal und ein großes Fass Bier, auf die Verlierer ein halber Liter Lebertran (pro Person und auf ex). Auch wer sich nicht an das Regelwerk hält, muss Lebertran trinken: Zum Beispiel dürfen nur acht Leute zum Stochern und mit Händen paddeln an Bord jedes Kahns sein. Außer der Stange sind keinerlei Hilfsmittel erlaubt.
Siegerehrung ist etwa um 14.30 Uhr auf einem Floß vor der Neckarbrücke. Sieger 2014 war die Akademisch-Musische Verbindung Stochdorphia, den Kostümpreis gewannen die „Legopiraten“ der Fachschaft Geowissenschaften. Letzte im Ziel war 2014 die Mannschaft er Akademischen Verbindung Igel, der damit die Ehre zuteil wurde, das 2015er Stocherkahnrennen auszurichten.
Das allererste Tübinger Stocherkahnrennen organisierte 1956 die Studentenverbindung Lichtenstein zur Einweihung ihres neuen Kahns. Damals waren lediglich sechs Teams dabei. Die höchste dokumentierte Teilnehmerzahl der 60-jährigen Renngeschichte gab es im Jahr 2011 mit 56 Stocherkähnen.