Tübingen · Landwirtschaft
: Mit den Bauern ins Gespräch kommen

Nach den Bauernprotesten zu Jahresbeginn: Eine Veranstaltungsreihe will erkunden, wie eine verantwortungsbewusste Landwirtschaft aussehen kann.
Von
Ulrich Janßen
Tübingen

Auf den Birkenhof in Bodelshausen geht es am 14. September.Archivbild: Erich Sommer

Nicht gesetzt

Mit einer Veranstaltungsreihe will das Bürgerprojekt Zukunft zusammen mit dem Amt für Landwirtschaft des Landkreises und dem Kreisbauernverband Sensibilität für die Probleme der Landwirtschaft und die Produktion von Nahrungsmitteln wecken. Im Verlauf der Reihe können Interessierte sich auf fünf Höfen in der Region über die Arbeit dort informieren. Vor Ort werden Landwirtinnen und Landwirte den Besuchern ihre Situation erläutern und ihre Wünsche vorstellen. Anschließend soll abschließend über die gewonnenen Erkenntnisse diskutiert werden.

Die Reihe ist auch eine Reaktion auf die Bauernproteste zu Jahresbeginn. „Über viele Jahre des Nichtgehörtwerdens und des Hinwegsehens über ihre Probleme“ habe sich bei den Bauern viel Frust angestaut. Die Bürger hätten damals zwar den Bauern applaudiert, es sei jedoch unklar geblieben, „welche konkreten Schritte daraus folgen müssten“, hieß es. Laut den Veranstaltern sind dafür nicht nur Politiker angefragt, sondern auch die Bürger selbst, als Konsumenten, Spaziergänger, Häuslebauer.

Ziel der Reihe ist es laut der ehemaligen Tübinger Umweltbeauftragten Sybille Hartmann, die jetzt beim Bürgerprojekt Zukunft aktiv ist, einen Ausweg aus dem Dilemma vieler Landwirte zu finden. Das Problem ist nach Hartmanns Einschätzung, dass auch im Land Baden-Württemberg immer mehr Fläche für Wohnen, Verkehr, Gewerbe und Industrie beansprucht wurde und wird und dadurch für die Landwirtschaft weniger zur Verfügung steht.

Diese Flächenverluste könnten zwar teilweise durch eine Intensivierung der Produktion mit mehr Dünger, mehr Pflanzenschutzmitteln oder einer Intensiv-Viehhaltung kompensiert werden. „Die Verluste für die Allgemeinheit sind jedoch immens“, erklärte Hartmann dem TAGBLATT. Es drohten „nicht nur die langfristige Schädigung von Boden, Grundwasser und letztendlich der menschlichen Gesundheit“. Es gehe auch die kleinteilige und vielfältige Kulturlandschaft mit ihrer hohen Biodiversität verloren, die ja erst durch die bäuerliche Nutzung entstanden ist.

Im Verlauf der Reihe sollen Auswege aus dem Dilemma gefunden werden. Möglich ist laut Hartmann, die Nahrungsmittelproduktion einfach zu reduzieren und die Landwirte in Zukunft mehr als Natur- und Artenschützer oder Energieproduzenten zu sehen. Das aber würde mehr Importe aus anderen Ländern nach sich ziehen und dazu führen, dass die Umweltprobleme in andere Länder verlagert werden.

Denkbar sei auch, den Landwirten mehr Flächen für biologische Landwirtschaft zuzugestehen, was aber nur funktioniere, wenn auch die Verbraucher bereit sind, ihre Ernährung grundlegend umzustellen. Das würde vor allem bedeuten, dass der Fleischkonsum zurückgeht und eine artgerechte und landschaftserhaltende Tierhaltung ermöglicht wird.

Besuche auf fünf Höfen in der Region

Samstag, 22. Juni, 14 bis 17 Uhr, Ackerbau und Viehhaltung Höfe Bechtle und Wizemann in Waldhausen

Samstag, 20. Juli, 15 bis 17 Uhr, Gemüse und Blumen bei der Gärtnerei Schreiner, Unterjesingen

Samstag, 14. September, 15 bis 17 Uhr, Milchvieh und Milch, Birkenhof, Bodelshausen

Samstag, 05. Oktober, 15 bis 17 Uhr, Geflügel und Eier, Hofgut Martinsberg, Rottenburg

Donnerstag, 17. Oktober, 17.15 bis 19 Uhr, Hirsch Begegnungsstätte Tübingen, Hirschgasse 9.

Wer Interesse hat, sollte sich bis spätestens eine Woche vor dem jeweiligen Termin per E-Mail anmelden. Die E-Mail-Adresse: Koordination @buergerprojekt-tuebingen.de