Tübingen · Kinder-Uni: Online-Vorlesung: Schön sein für die Weibchen

„Da wächst manchmal den Männchen, wie ein Hahn ein schönes Kämmchen“: Helge Thun beendet die Kinder-Uni-Vorlesung stets mit einem Gedicht.Bild: Bewegte Bilder
Nicht gesetztAuch Darwin sei schon aufgefallen, dass Schönheit und scheinbar eitle Merkmale nicht in seine erste Evolutionstheorie passen, erklärte Nüsslein-Volhard den Kindern. Deshalb schrieb er sein zweites großes Werk „Die Abstammung des Menschen und Selektion bei der Partnerwahl“. Dort ist beschrieben, wie wichtig es ist, schön zu sein, um Partner zu finden und sich zu vermehren.
Die Kinder holte Nüsslein-Volhard ganz am Anfang ab und begann mit einer Vorstellung: Schon als Kind habe sie sich sehr für die Natur und Tiere - Biologie eben - interessiert. In der Schule seien ihre Noten nicht die besten gewesen. Nur bei Themen, die sie auch interessierten, habe sie Erfolg gehabt. So natürlich in der Biologie, das sie später auch studierte.
Berühmt wurde Nüsslein-Volhard, weil sie 1995 einen Nobelpreis gewann. Damals für die Forschung an Drosophila Fruchtfliegen und die Entdeckung von Genen, die bei der Fliege wie auch homolog beim Menschen für die Entwicklung zuständig sind. Heute leitet die 79-Jährige eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut. Sie forscht aber nicht mehr mit Drosophila, sondern mit Zebrafischen. Genauer gesagt, erforscht sie die Streifenfärbung der Tiere.
Menschen seien im Vergleich zu den Zebrafischen in ihrem Labor langweilig: Während wir nur einen Zelltyp, Melanozyten, haben, um Haut und Haare braun oder schwarz zu färben, gebe es bei Fischen drei Zellen mit unterschiedlichen Farben. Übereinander gelagert ergeben sie eine große Farbpalette.
Wem das in der Vorlesung zu schnell ging, der konnte später fragen. Nüsslein-Volhard stand im Nachhinein noch rund 15 Minuten zur Verfügung. Und die Fragen kamen. Gleich so viele, dass die Zeit gar nicht für alle reichte. Neben sehr sachlichen auf den Vortrag bezogenen Nachfragen, rollten die Kinder das Thema auch nochmal von ganz neuen Seiten auf. So wollten sie wissen, welches Tier das interessanteste sei, wieso sich Weibchen immer den Schönsten aussuchen, ob Tiere ihre Farbe auch mal wechseln oder ob auch mal mehrere Weibchen um einen Mann kämpfen.
Die Veranstaltung endete, wie sie begonnen hatte: Locker und komödiantisch. Helge Thun fasste das Thema mit einem Gedicht über die Unterschiede von Mensch und Tier zusammen: „Wir brauchen Spiegel, Kamm und Föhn. Ein Tier ist von Natur aus schön.“