Tübingen: Kieser-Brandbrief: Gratis-Training für Pflegeberufe bei Öffnung

Hier desinfiziert Kieser-Geschäftsführer Sven Beck die Geräte seines Studios.
Ulrich MetzIn dem Schreiben, das neben Beck auch von Dr. Frank-O. Steeb, dem beratenden Arzt von Kieser Training unterschrieben ist, werden zwei Fragen in den Vordergrund gestellt: Wie bleibt ein Mensch gesund, mobil und leistungsfähig? Und: Warum sollten die Studios von Kieser Training wieder öffnen?
Die Muskulatur sei „das Kraftwerk unseres Körpers, der Motor unseres Lebens“, heißt es in dem Schreiben. Sie sei „ein essenzielles Stoffwechselorgan“, durch das Rückenschmerzen, Osteoporose oder Gelenkschmerzen bekämpft und Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Krankheiten vorgebeugt werden könnten. Außerdem würden die Muskeln die Abwehrkräfte stärken. „Zwischen den Motoren unseres Lebens und einem funktionierenden Immunsystem besteht ein physiologischer Zusammenhang“, schreiben die Beteiligten. Und fragen: „Ist dies nicht wichtiger denn je?“
Beck und Steeb führen aus, dass es bei Kieser Training keine Bar, keine Sauna und kein Gruppentraining gebe. Das stationäre und selbstständige Training an Maschinen stehe im Vordergrund: „Somit können Abstandsregelungen bestens eingehalten werden.“ Man habe bereits im April deutschlandweit „ein mehrfach geprüftes und funktionierendes Hygienekonzept eingeführt“ und dieses auch „stetig verbessert“. Rückmeldungen von Kunden hätten dies bestätigt, argumentieren die Schreiber.
Bei Kieser gehöre die Kundschaft „größtenteils aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankung“ zu jenem Menschenkreis, der in Sachen Coronavirus zur Risikogruppe zähle. Die Verfasser berufen sich dabei auch auf Zahlen: Man habe insgesamt 1600 Mitglieder einiger Studios nach der ersten Schließung nach ihrem persönlichen Wohlbefinden befragt. 47 Prozent hätten „von einer subjektiven Verschlimmerung ihrer Leiden“ berichtet: „Hals- und Lendenwirbelsäule, Beckenboden, vorgeschädigte Gelenke können nicht wirksam im Homeoffice trainiert werden“, wird argumentiert. Zudem nage die Schließung an der Psyche der Kunden.
Statt Umsätzen und Neukunden habe es „Kündigungen aus Angst und persönlicher Unsicherheit“ gegeben. „Nein, wir wollen nicht jammern“, schreiben Beck und Steeb. Sie wollen mit den Teams die Ärmel hochkrempeln und an der Gesundheit der Kunden arbeiten, sagen sie. Und argumentieren: „Kieser Training ist weder eine beliebige Freizeiteinrichtung noch ein klassisches Fitnessstudio, sondern ein erfolgreicher Gesundheitsdienstleister.“
Mit einem Versprechen an die „Helden des Alltags“ endet der offene Brief: Pflegekräfte in Heimen, Krankenhäusern und im mobilen Einsatz seien hinsichtlich des Stütz- und Bewegungsapparates belastet, der Krankenstand in dieser Berufsgruppe sei hoch. „Genau dies zu verhindern, ist unsere Profession“, schreiben die Verfasser. Deshalb werde Kieser den Pflegeberufen in Baden-Württemberg kostenfreie Trainingspakete im Wert von über 100.000 Euro zur Verfügung stellen, sobald man wieder öffnen dürfe. Denn: „Beifall allein reicht nicht aus.“ Jetzt müssen nur noch die Lockerungen her - denn die Fitnessstudios sind seit Anfang November wieder geschlossen.
Über Kieser Training
Das Tübinger Kieser-Studio befindet sich in der Hügelstraße im Depot-Areal, im Oktober 2017 feierte das Studio sein Zehnjähriges. Insgesamt betreibt Kieser 18 Studios in Baden-Württemberg und hat dort nach eigenen Angaben über 30.000 Kundinnen und Kunden. Weltweit sind es über 150 Studios. Die Franchise-Kette mit Sitz in Zürich wurde 1967 gegründet und ist nach ihrem Gründer Werner Kieser benannt, der das Unternehmen mit seiner Frau 2017 verkauft hatte.