Tübingen · Flora
: Agave: Aufblühen vor dem Absterben

Im Garten eines Tübinger Pflanzensammlers blüht derzeit eine in Deutschland seltene Königliche Agave.
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Tübingen

Seit 40 Jahren hegt Dieter Jendrossek seine Agave.

Andreas Straub

Gut 40 Jahre hat sie ihre Energie gespeichert, um dann alles in eine vierwöchige Blüte zu investieren – und danach zu sterben: Im Garten von Dieter Jendrossek (61) blüht gerade eine vier Meter große Königliche Agave. Der aus Göttingen stammende Professor lebt schon seit über 20 Jahren in Tübingen. An der Uni Stuttgart lehrt er Mikrobiologie und Biochemie. Die Agave victoria reginae, wie die Pflanze fachlich genau heißt, hat er selbst noch als Student aus Samen gezogen.

Rohstoff für Tequila

„ Trotz des regnerischen Wetters in den vergangenen Wochen ist die Agave in diesen Tagen aufgeblüht“, freut sich Jendrossek. In Ländern wie Mexiko ist die Pflanze verbreitet (unter anderem Tequila wird aus Agaven hergestellt, allerdings aus einer anderen Art), in Deutschland sehr selten. „Es gibt nur alle paar Jahre Berichte über eine solche Pflanze bei uns“, sagt Jendrossek. „Der ährige Blütenstamm in seiner Gesamtheit ist bemerkenswert.“

Als Biologe interessiere er sich nicht nur für Mikroorganismen, sondern auch für Tiere und Pflanzen. Als Student begann Jendrossek eine Orchideensammlung, das Interesse für Kakteen und lebende Steine wuchs ebenfalls. Die Samen für die Agave hat er im Katalog bestellt. „Bei jedem Umzug habe ich die Pflanze mitgenommen“, erzählt Jendrossek. Seit etwa fünf Jahren beobachtet er die Pflanze jedes Frühjahr sehr genau. „Wenn es losgeht, wird sie gewissermaßen zum Tier“, so Jendrossek. Im März dieses Jahr habe er bereits bemerkt, dass sich etwas tut. Als sich der Blütentrieb durchschob, sei die Agave um 5 Zentimeter am Tag gewachsen. „Da konnte man fast zuschauen“, sagt Jendrossek.

Als es vor vier Wochen kräftig hagelte war er verreist. Glücklicherweise stand die Agave etwas geschützt unter dem Balkon und überlebte mit nur kleinen Schäden an der Spitze. Die meisten Knospen blühen inzwischen und locken viele Bienen an – besonders morgens, wenn die Sonne auf die Pflanze scheint. „Ich hoffe auf einen Ableger unten am Stamm“, sagt Jendrossek. Denn wenn die Mutterpflanze in ein, zwei Wochen abstirbt, werde dieser häufig noch ausgebildet.