Tübingen: Der SWR Tübingen war wegen einer technischen Störung von der Außenwelt abgeschnitten

Gewusst wie: Per Satellitentechnik schickte der SWR gestern die aktuelle Fernseh-Reportage von der Chocolart aus dem Übertragungswagen übers All nach Stuttgart. So konnte der Beitrag trotz technischer Probleme in der „Landesschau“ am Abend gezeigt werden.
Metz„Land unter“, bemerkte der Tübinger Studioleiter Andreas Narr am Nachmittag trocken. „Eine totale Katastrophe.“ Schuld war ein kleines Plastikkästchen, dessen komplexe Technik im Inneren den Dienst verweigerte.
Dabei hatte der Dienstagmorgen auf dem Österberg begonnen wie jeder andere. Die erste Sendung ging um 6.30 Uhr über den Äther. Die Nachrichten trudelten ein, wurden aufbereitet und den Hörern zum Frühstück serviert. Redakteure recherchierten ihre Geschichten, Reporter kamen mit ihren O-Tönen aus dem Umland ins Studio, um Beiträge für die Ausstrahlung vorzubereiten. Reporter Kay-Uwe Hennig begann, seine für das Abend-Programm geplante Fernseh-Reportage von der Eröffnung der Chocolart vorzubereiten.
Dann, gegen 10.30 Uhr, war plötzlich alles weg. Die Leitungen – blockiert. Das Netz – nicht erreichbar. Die Telefone – tot. Und der Sendemast auf dem Raichberg – ohne Empfang.
Studioleiter Andreas Narr informierte das SWR-Studio in Stuttgart mit seinem „Roten Telefon“ (der einzig verbliebenen, weil von der Resttechnik komplett abgekoppelten Verbindung) über den Ausfall. Die Kollegen dort sprangen sofort in die Bresche.
Statt der Nachrichten aus der Heimat wurden den Hörern zu Mittag nun also vor allem die Neuigkeiten aus dem Raum Stuttgart serviert. Die wichtigsten Informationen aus der hiesigen Region gaben die Tübinger Radio-Journalisten per Handy nach Stuttgart weiter.
Die Techniker suchten inzwischen fieberhaft nach dem Fehler.
„Wir sind total aufgeschmissen“, sagte Studioleiter Narr. „Da merkt man erstmal, wie abhängig man von der ganzen Technik ist.“ Die Leitungen, die vom Studio Tübingen zum Sendemast auf dem Raichberg nahe Albstadt führen, sind in den vergangenen Jahren durchweg digitalisiert worden. Zwar sendet der SWR von dort aus über die UKW-Frequenz 107,3 weiterhin terrestrisch. Gesendet wird aber nur, was dort auch ankommt. Weil der Mast ausschließlich vom Studio in Tübingen aus erreichbar ist, war das in diesem Fall: nichts.
Eine Störung, sagte Narr, gebe es natürlich immer mal wieder. „Aber einen Ausfall in dieser Intensität habe ich in meiner ganzen Zeit auf dem Österberg – und ich bin hier seit 18 Jahren – noch nie erlebt.“ Einen Hackerangriff schloss Narr sehr schnell aus. Auch mit der bundesweiten Telekom-Störung habe das SWR-Problem nichts zu tun. Zudem sei im ganzen SWR-Verbund nur das Studio in Tübingen betroffen.
Am frühen Abend dann war endlich klar, wo das Problem liegt: Eine Art Modem hatte den Geist aufgegeben. „Dieses kleine, unscheinbare Plastikkästchen hat uns komplett lahmgelegt“, sagte Narr. „Unglaublich.“
Reporter Kay-Uwe Hennigs Beitrag über die Eröffnung der Tübinger Chocolart flimmerte am Abend übrigens dann doch noch in der „Landesschau“ über die Fernsehbildschirme in die heimischen Wohnzimmer. Vom Studio-Parkplatz aus hatten die Techniker den Beitrag aus dem Übertragungswagen mit Satellitenverbindung einfach per Umweg übers All nach Stuttgart geschickt.
Im Inneren des Studios konfigurierte derweil der extra aus Augsburg angereiste Techniker das neue Modem – und Studioleiter Narr konnte erleichtert aufatmen.
Der SWR Tübingen sendet per UKW vom Raichberg
Terrestrische Übertragung heißt kurz gefasst: Ein Signal wird ausgesendet und per Antenne eingefangen. Ob Autoradio, Küchenradio, Stereoanlage oder Radiowecker – der analoge Radioempfang über Ultrakurzwelle ist noch immer weit verbreitet. Da die Frequenzen über UKW begrenzt sind, ist die Ausstrahlung immer auf eine bestimmte Region beschränkt. Die Empfangsqualität kann durch Störfrequenzen und Witterungsbedingungen schwanken. Der SWR in Tübingen sendet sein Programm über UKW 107,3.
Der Tübinger Sendemast steht seit 1971 auf dem Raichberg. Der wiederum liegt auf der südwestlichen Schwäbischen Alb nahe Onstmettingen, einem Teilort von Albstadt.
