Tübingen: Cannabis: Steigender Konsum, mehr Abhängigkeit

Symbolbild: Christian Charisius/dpa
Nicht gesetzt4,5 Millionen Erwachsene sollen nach einer Erhebung des Gesundheitsministeriums im Jahr 2021 mindestens einmal jährlich Cannabis konsumieren: 10,7 Prozent der Männer und 6,8 Prozent der Frauen. Darauf verweist die AOK Neckar-Alb in einer Mitteilung. „Die Bundesregierung spricht von anhaltend steigendem Konsum, schon vor der Legalisierung. Damit ist Cannabis - abgesehen von Alkohol - die am meisten verbreitete Droge in Deutschland.“
Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag der AOK Baden-Württemberg zeigt die Situation im Südwesten. Sechs Prozent der Befragten gaben an, mindestens gelegentlich zum Joint zu greifen, über 15 Prozent davon täglich. Bei den Männern (8,4 Prozent) ist der Anteil
mehr als doppelt so hoch wie bei den Frauen (3,5 Prozent). Am häufigsten konsumieren junge Erwachsene zwischen 18 und
29 Jahren Cannabis (15,5 Prozent). Seit April 2024 ist der Cannabis-Konsum zu nicht-medizinischen Zwecken sowie der private Eigenanbau legal. Laut Civey-Umfrage finden das 27,4 Prozent der Baden-Württemberger richtig oder eher richtig, 59,8 Prozent lehnen die Legalisierung ab oder eher ab.
Mehr Reutlinger als Tübinger
In der Region Neckar-Alb
(Landkreise Reutlingen, Tübingen und Zollernalbkreis) verzeichnete die AOK entsprechend steigende Behandlungszahlen. Im Jahr 2018 begaben sich noch 679 Versicherte wegen einer Cannabisabhängigkeit in ärztliche Behandlung (Reutlingen 290, Tübingen 211 und Zollernalbkreis 178). Im Jahr 2022 waren es dann bereits 861 Fälle (Reutlingen 337, Tübingen 277 und Zollernalbkreis 247). Zum Vergleich: Wegen Alkoholsucht wurden 2022 in der Region insgesamt 5057 Versicherte ärztlich behandelt. Hier sind die Zahlen in allen drei Landkreisen leicht rückläufig. Landesweit stieg die Behandlungszahl der Cannabissüchtigen jährlich um 5,6 Prozent. Wie sich die Zahlen nach dem Cannabisgesetz entwickeln werden, bleibt abzuwarten.
Wo es Hilfe gibt
„Da Cannabiskonsum vor allem bei Jugendlichen zu Hirnschädigungen führen kann und hier das Suchtrisiko besonders groß ist, ist Präventionsarbeit wichtig“, betont die AOK Neckar-Alb. „Die AOK arbeitet dafür eng
mit den Suchtbeauftragtender Landkreise zusammen.“ Bei Verdacht auf Abhängigkeit helfen Hausärzte, Suchtberatungsstellen und suchtmedizinische Ambulanzen weiter. Adressen gibt es online unter www.suchthilfeverzeichnis.de