Tübingen: Beauftragt für Chancengleichheit: Damit queere Menschen sichtbarer werden

Lou Schumm.
Ulrich Metz„Am Anfang habe ich erstmal erkundet, was es in der Verwaltung und der Tübinger Gesellschaft schon für Ansätze gibt“, berichtet Lou Schumm über die letzten Monate. Gemeint sind queerpolitische Bestrebungen. „Es geht schließlich nicht nur um meine Idee. Ich möchte auch schauen, wie andere zu dem Thema arbeiten.“ Im September 2022 wurde die Stabsstelle Gleichstellung und Integration durch das Sachgebiet queere Chancengleichheit ergänzt. Die Idee hinter dieser Stelle ist es, queeren Menschen in Tübingen interessens- und bedarfsbezogen Präsenz zu ermöglichen.
Die Stelle trat Lou Schumm an. Die Gleichstellungsbeauftragte Luzia Köberlein und Schumm stellten am Montag Arbeit und Person im Rathaus vor. Köberlein beschreibt die Besetzung als „optimal, um das, was wir uns vorgenommen haben, zu verfolgen“. Die Stelle geht zurück auf einen interfraktionellem Antrag der AL/Grüne-Fraktion aus dem Jahr 2021. Damit startete die Entwicklung einer städtischen Zuständigkeit für queere Menschen. Es wurde eine 50-Prozent-Stelle geschaffen, um die Position eines Queerbeauftragten zu etablieren.
Schwerpunkte der Aufgabenbereiche sind unter anderem die zentrale Koordination von Angeboten und Anlaufstellen in der Stadtverwaltung sowie der Stadtgesellschaft.
Lou Schumm erzählt, seit dem Beginn der Tätigkeit in der Stabsstelle sei das Thema queer- und transbezogene Beratung gestiegen. Oft stehe hierfür aber nicht ausreichend Fachpersonal zur Verfügung. Das gelte für queere und transsexuelle Personen gleichermaßen. Unzureichend stelle sich auch die Beratung von Angehörigen dar, die Rat und Hilfe suchen.
Grundsätzlich werden mit der neuen Stelle verschiedene Ziele verfolgt. Einerseits geht es verwaltungsintern um die Schaffung einer Ansprechperson, die zentral für themenbezogene Fragen zuständig ist. Andererseits solle so die Möglichkeit für die Stadtgesellschaft geschaffen werden, Begegnungsstätten zu arrangieren, die eine höhere Sichtbarkeit der queeren Community mit sich bringt. Ein Beispiel dafür ist die Queere Nacht 2023 (siehe Infobox).
Lou Schumm lebt seit 2015 in Tübingen und hat im Großraum Stuttgart schon verschiedene Projekte unterstützt. So konnten Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung angeführt werden, bei der Weiterbildungsangebote im Zentrum standen. Schumms persönliche Bildungsvergangenheit brachte verschiedene Untersuchungsperspektiven mit, die nach eigenen Angaben in der Arbeit eine wichtige Erkenntnis gelehrt hätten: Dass es wichtig ist, mit unterschiedlicher Perspektive an Dinge heranzugehen. Die Stabsstellenarbeit bestand bisher vor allem aus Koordination und Zusammenführung bestehender Initiativen. Nachdem dieser erste Schritt der Verknüpfung und Netzwerkbildung weit vorangeschritten ist, könne man nun „verstärkt eigene Initiativen und Ideen umsetzen“. Mit Aktionen wie der „Queeren Nacht 2023“ werde das Ziel verfolgt, „die Hürden für die Stadtgesellschaft zu senken, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, erzählt Schumm. Wesentliche inhaltliche und kreative Einflüsse seien aus der Tübinger „Community“ gekommen. Diese wolle man insgesamt besser vernetzen.
Queere Nacht 2023
Die „Queere Nacht 2023“ findet vom 24. auf den 25. Juni statt. Gesellschaftliche Akteure haben sich in dem Bündnis „Queere Nacht“ zusammengeschlossen. Ein Bestandteil der Veranstaltung ist die „Stempelkarte“. Sie kann im Voraus in der Stadtbücherei, dem Zimmertheater oder der Aidshilfe Tübingen erworben werden.
Es gibt drei Preisstufen mit gleichen Leistungen (5 bis 15 Euro).