Tübingen
: Abwasser-Untersuchung: Daten zeigen Pandemie-Verlauf zuverlässig

Das in Tübingen ansässige Eurofins Institut Jäger untersucht im Auftrag der Stadtverwaltung seit Mitte Dezember die Corona-Viruslast im Abwasser in der Kläranlage. Nun liegen erste Ergebnisse vor.
Von
ST
Tübingen

Corona im Kreis Tübingen.

Gerd Altmann / Pixabay / Landkreis Tübingen

Wie die Stadt Tübingen in einer Presseerklärung mitteilt, zeigen die Daten, dass die gemessenen Ct-Werte den Verlauf der Inzidenzwerte im Schnitt um zwei bis drei Wochen vorhergesagt haben. „Durch die regelmäßigen Berichte zur Entwicklung der Corona-Konzentration im Abwasser verfügte die Stadt in der Omikron-Welle über ein Frühwarninstrument, das zum Glück Entwarnung gegeben hat“, wird Oberbürgermeister Boris Palmer zitiert. „Die Datenqualität hat mich überzeugt.“

Die Verwaltung nennt ein Beispiel: Im Zeitraum von 15. Dezember bis 7. Februar stieg die Sieben-Tage-Inzidenz im Kreis Tübingen nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts von 291 auf 1725 an. Dann fiel der Wert wieder: Am 15. Februar lag der Inzidenzwert bei 1.524 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Da im Abwasser die Dynamik zwei bis drei Wochen vorher sichtbar sein sollte, waren um den 24. Januar herum Veränderungen im Abwasser-Monitoring zu erwarten.

Tatsächlich wurde im Abwasser der Tübinger Kläranlage am 20. Januar ein vorläufiger Ct-Höchstwert von 31 für dieses Jahr erreicht - je niedriger der Wert, desto höher die Viruslast. Also noch deutlich vor dem Höchststand der Sieben-Tage-Inzidenz. Das Abflachen der Kurve im Abwasser konnte also deutlich vor dem vergleichbaren Sieben-Tage-Inzidenzwert anzeigen, dass die Fallzahlen zurückgehen. Seit diesem Zeitpunkt hält sich der Ct-Wert stabil auf einem hohen Niveau. Das deckt sich weiterhin mit den Sieben-Tage-Inzidenzwerten, die sich seit dem 7. Februar stabil auf einem hohen Niveau befinden.

Neben der Gesamtmenge der Viruslast hat das Eurofins Institut Jäger auch nach Virusvarianten differenziert. Zu Beginn der Messungen Mitte Dezember war die Delta-Variante vorherrschend. Seitdem nahm diese stetig ab und ist derzeit kaum mehr nachweisbar. Die Omikron-Variante verhielt sich indirekt proportional dazu: Sie war zu Beginn nicht feststellbar, stieg bis zum 25. Januar aber kontinuierlich an und verblieb dann auf einem hohen, mittlerweile leicht sinkenden Niveau.

„Wir konnten mit unseren Analysen zudem zeigen, dass an den Weihnachtsfeiertagen nicht nur die Verwandtschaft und die Geschenke nach Tübingen kamen, sondern mit ihnen die Omikron-Variante“, wird Judith Böhringer vom Eurofins Institut Jäger zitiert. Sie untersucht zusammen mit ihrem Team das Abwasser. „Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Daten aus der Kläranlage etwa zwei Wochen vor dem Inzidenzwert Änderungen im Infektionsgeschehen aufzeigen können. Die Untersuchung des Abwassers ist damit ein aussagekräftiges Werkzeug für die Corona-Pandemiebekämpfung, das anonymisierte und frühzeitige Daten zum aktuellen Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet von Kläranlagen der Städte oder Regionen oder von Betrieben liefert.“

www.tuebingen.de/corona-abwasserdaten

Anlage für 100.000 Einwohner

An die Tübinger Kläranlage sind rund 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner des Stadtgebiets, des Abwasserzweckverbands Ammertal und der Ortsteile Mähringen und Immenhausen der Gemeinde Kusterdingen angeschlossen. Die Anlage ist eine der größeren in Baden-Württemberg und liefert entsprechend valide Daten.