Spendenaktion
: Aktion „Tübingen wettet“ sammelt ab sofort 91.000 Euro für Klinik im Kongo

Wenn der Betrag bis Mitte Dezember zusammenkommt, gibt der Musiker Dieter Thomas Kuhn zusammen mit seinem Kollegen Philipp Feldtkeller auf dem Rathaus-Balkon ein Ständchen.
Von
Holger Weyhmüller
Tübingen
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Tübingen wettet für 91.000 Euro für Klinik im Kongo Difäm; von links: Oberbürgermeister Boris Palmer, Dieter Thomas Kuhn, Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider

„Topp, die Wette gilt!“ Difäm-Direktorin Gisela Schneider, Musiker Dieter Thomas Kuhn und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer  (von rechts) hoffen bis Mitte Dezember auf ein Spendenaufkommen von 91.000 Euro. Mit dem Geld sollen Frauen, die an einer Fistel leiden, im Kongo medizinisch besser versorgt werden.

Holger Weyhmüller
  • Spendenaktion „Tübingen wettet“ sammelt bis Dezember 91.000 Euro für Klinik im Kongo.
  • Musiker Dieter Thomas Kuhn und Philipp Feldtkeller geben ein Konzert, wenn das Ziel erreicht wird.
  • Geld soll Frauen mit Fisteln helfen, die im Kongo stigmatisiert und ausgegrenzt werden.
  • Neubau einer Klinikabteilung in Bunia, Ost-Kongo, geplant; Fertigstellung bis 2025/2026.
  • Informationen und Spendenmöglichkeiten unter www.tuebingen-wettet.de.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Gleich zweimal warf Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer am Freitagnachmittag ein Zwei-Euro-Stück in die Spendenbüchse. Die im Rathaus versammelten Medienvertreter sollten schließlich möglichst authentische Fotos machen können, um den Start der Aktion „Tübingen wettet – eine Wette, eine Stadt, ein Ziel“ öffentlichkeitswirksam in Szene zu setzen. Fehlen also noch 90.996 Euro, die bis Mitte Dezember zusammengekommen sein müssen, um die Wette zu gewinnen. Ist dieses Ziel erreicht, wird der bekannte Tübinger Musiker Dieter Thomas Kuhn zusammen mit seinem Mitstreiter Philipp Feldtkeller vom Balkon des Rathauses herab ein Ständchen bringen. „Fünf, sechs Lieder“, verspricht DTK.

Die 91.000 Euro – umgerechnet ein Euro pro Einwohner – fließen in den Neubau einer Klinikabteilung nahe der Stadt Bunia im Osten der zentralafrikanischen Demokratischen Republik Kongo. Dort, unweit der Grenze zu Uganda, leitet der Arzt Claude Idring'i ein Krankenhaus, in dem er pro Jahr 100 bis 200 Frauen operiert, die an einer Fistel leiden. Ein Leiden mit schwerwiegenden Folgen. Nicht nur gesundheitlichen. „Die betroffenen Frauen sind stigmatisiert und ausgestoßen", informiert Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für ärztliche Mission (Difäm) mit Sitz in Tübingen. Denn eine Fistel verströmt einen unangenehmen Geruch.

Der Neubau soll dafür sorgen, die Situation der Frauen im Vorfeld und im Nachgang der OP zu verbessern – nicht, um die OP-Kapazität zu erhöhen. Obwohl dies angesichts der großen Anzahl Betroffener wünschenswert wäre. Die Vorbereitungen für das geplante Gebäude sind abgeschlossen. Sobald die 91.000 Euro auf dem Spendenkonto liegen, kann losgelegt werden. Wenn alles glattläuft, ist die neue Abteilung Ende 2025 oder Anfang 2026 einsatzbereit.

Die Tropenmedizinerin weiß, wovon sie spricht, wenn sie die Situation im Kongo schildert: Sie kennt die katastrophale Situation aus eigener Anschauung. „Dort tobt ein brutaler Krieg um Rohstoffe“, sagt Schneider. Ein Krieg, in dem Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe eingesetzt werde. Ein solcher Rohstoff: Coltan, unverzichtbar für die Produktion von modernen Handys. „Wir haben eine Verantwortung, uns zu engagieren“, betont sie. So kam sie auf die Idee mit der Wette. „Ein großartiger Vorschlag“, findet Palmer. Zumal dank Schneider, ihrem Engagement und ihrer Verbindungen garantiert sei, „dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt“.

Wer Geld spenden möchte, kann dies ab sofort in zahlreichen Geschäften und Einrichtungen tun, in denen eine entsprechende Spendenbüchse steht – oder samstags auf dem Marktplatz. Dort wird es am 9. November erstmals einen Stand geben von 10 bis 13 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.tuebingen-wettet.de