Semesterstart in Tübingen
: Das sollten angehende Studis vor ihrem Unistart wissen

Viele Erstsemester fürchten sich vor Fehltritten. Ein bisschen Blödsinn kann aber nicht schaden, findet unser Autor.
Kommentar von
Constantin Zeyer
Tübingen
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Psycho-Erstis

Diese Gruppe von Psychologie-Erstis macht auf ihrer Stadtrallye halt im Botanischen Garten. Solche Kennenlern-Veranstaltungen können spaßig sein.

Constantin Zeyer

Während meines Studiums an der Uni Tübingen habe ich phasenweise ziemlichen Blödsinn angestellt. Einmal musste ich mit einem Kumpel einen Vortrag über den Umgang mit dem Klimawandel halten. Um die Präsentation aufzulockern (und weil wir uns gerade ziemlich lustig fühlten), ließen wir von einer Künstlichen Intelligenz Bilder erstellen, auf denen die Tübinger Altstadt in einer Sintflut versank. Auch den Bierkönig auf Mallorca setzten wir unter Wasser – in der Hoffnung, den trinkfreudigen Studis den Ernst der Lage vor Augen zu führen.

Während des Vortrags mussten wir uns das Lachen verkneifen, weil wir natürlich wussten, wie absurd das Ganze war. Das Inhaltliche ging zwischen all den apokalyptischen Bildern einfach unter. Unser Dozent aber fand die Präsentation gar nicht so dumm – er musste sogar schmunzeln. Da begriff ich, dass man im Studium den Mut braucht, Dinge völlig anders anzugehen – und darauf zu vertrauen, dass Kreativität Eindruck hinterlässt.

Semesterferien härter als die Vorlesungszeit

Noch ein paar andere Dinge hätte ich gerne vor dem Studieren gewusst. Gerade jetzt, wo wieder tausende Erstis in die Stadt strömen, sehe ich viele der Fehler, die ich damals gemacht habe. Etwa zu glauben, man müsse bei jeder Ersti-Veranstaltung dabei sein, um Anschluss zu finden. In Wahrheit sind diese Events überbewertet: Die meisten Bekanntschaften bleiben oberflächlich und lösen sich nach ein paar Tagen in Luft auf. Die Menschen, die wirklich bleiben, habe ich später kennengelernt – in Gruppenarbeiten oder einfach, weil ich ihnen ständig über den Weg gelaufen bin.

Auch die Erkenntnis, dass die Semesterferien härter sind als die Vorlesungszeit, kam mir erst im Studium. Zumindest gilt das für alle, die wie ich Medienwissenschaften studieren – ich war während der Vorlesungszeit oft im Urlaub, weil es zum Ende hin nie mehr als eine Prüfung gab. Der wahre Stress beginnt danach mit den Hausarbeiten. Die haben mir so manchen Nerv gekostet, und je länger ich sie vor mir herschob, desto gestresster fühlte ich mich.

Nicht nur einmal musste ich um eine Fristverlängerung bitten. Das ist zwar unangenehm, aber auch das habe ich gelernt: Eine freundliche Mail kann viele Probleme lösen, bevor sie überhaupt entstehen. Und selbst wenn Ihr mal krachend scheitert, liebe Erstis, ist das kein Weltuntergang. Ein bisschen Chaos gehört dazu. Vielleicht ist das sogar die wichtigste Lektion: Nehmt das Ganze nicht zu ernst und geht unkonventionell an die Dinge ran. So entstehen die Momente, an die Ihr Euch noch in zwanzig Jahren mit einem Lachen erinnert.

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