Schlachthaus Tübingen: Tanzen, spenden, Leben retten: Party gegen Blutkrebs

Freuen sich auf die nächste Party im Schlachthaus: Noah Hermann, Julian Wehrle, Kevin Hartmann, Slim Ben Sassi vom Tübinger "Co.llectiv" (von links nach rechts)
Carolin Albers- Das Tübinger Kollektiv „Co.llectiv“ veranstaltet Partys für wohltätige Zwecke.
- Nächste Party am 7. November im Schlachthaus Tübingen, Einnahmen gehen an die DKMS.
- Gäste können sich vor Ort bei DKMS als Stammzellenspender registrieren.
- Bisher hat „Co.llectiv“ 10.000 Euro an regionale Organisationen gespendet.
- Gruppe plant Gründung eines Vereins, um ihre Arbeit fortzusetzen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Ihre erste Party organisierten Julian Wehrle, Elli Franz und Kevin Hartmann im Juni 2024. Die Einnahmen flossen an den Tübinger Verein Mehrrettich, der in der Innenstadt ein Food-Sharing-Café betreibt.
Das war noch, bevor die drei Studierenden einen Monat später Collectiv gründeten. „Wir hatten schon immer Lust, eigene Partys zu veranstalten“, sagt Wehrle, der auch Musik auflegt, „und das wollten wir mit einem guten Zweck verbinden.“ Damit war Collectiv geboren: Das „co“ steht für die Co-Veranstaltung von Partys mit einem Verein oder einer Organisation, erklären die drei Studis, und „co-llecten“ für das Einsammeln von Spenden. „Das ist die Geschichte dazu.“
Fünf Partys, 10.000 Euro
Und die setzt sich bis heute fort: Fünf Partys hat das Trio mittlerweile geschmissen. Die Dreiergruppe ist in den vergangenen zwei Jahren auf ein Team aus sechs Studierenden angewachsen. Bisher lief es gut: Insgesamt 10.000 Euro hat Collectiv bereits an Organisationen in Tübingen und der Region gespendet: an das Refugio Stuttgart, eine Beratungsstelle für Geflüchtete, an das Tübinger Asylzentrum, an die Kinder- und Jugendfarm in Derendingen sowie an den Förderverein für krebskranke Kinder. Etwa 150 bis 200 Leute seien jeweils zu den Partys gekommen, sagt Wehrle, der gebürtig aus Pforzheim stammt und für sein Studium der Kognitionswissenschaft und später der Psychologie nach Tübingen gezogen ist. Nur die letzte Party, die sei nicht so gut gelaufen, „da war das Stocherkahnrennen am Tag danach.“
Entmutigen lassen sich die sechs Studierenden davon jedoch nicht. Für die nächste Veranstaltung stehen sie bereits in den Startlöchern. „Hey Leute, wir freuen uns, unsere nächste Party ankündigen zu können“, heißt es auf Instagram. Und die steht unter einem besonderen Stern: „Kommt vorbei, tanzt, spendet – und vielleicht rettet ihr nebenbei noch ein Leben.“ Collectiv jedenfalls hofft, dass viele Partygäste, bevor sie sich ins Getümmel werfen, noch am Stand der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei, jetzt DKMS Donor Center gGmbH) vorbeischauen.
An drei Standorten in Tübingen
In Tübingen ist die DKMS an drei Standorten vertreten. Dort arbeitet auch Laura Jenter, die für die Spenderneugewinnung zuständig ist und die mit Julian Wehrle im Vorfeld der Party alles geplant hat. Neben der Zentrale in Tübingen-Kressbach gibt es noch zwei weitere Büros, beide in Derendingen. Jenter und ihre Kollegen werden am Abend der Veranstaltung nicht selbst vor Ort sein, „das können wir zeitlich einfach nicht leisten“. Den Stand werden Wehrle und seine Mitstreiter betreuen. Die Registrierung sei nicht kompliziert, erklärt Jenter. Wichtig jedoch: „Man braucht ein Handy.“ Denn die Registrierung erfolgt über das Scannen eines QR-Codes.
Anfangen sollte man erst, wenn man die Bedingungen der DKMS erfüllt. Dazu gehören, so Jenter, ein Mindestalter von 17 Jahren als auch ein Höchstalter von 55 Jahren, ein Wohnsitz in Deutschland sowie der Ausschluss bestimmter Krankheiten wie etwa schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch chronischer Erkrankungen, beispielsweise Diabetes oder Rheuma. „Eine Liste dazu wird auch am Stand ausgehängt sein“, ergänzt Jenter. Zusätzlich gibt es bei der DKMS ein medizinisches Team, das Beratungen zum Thema Vorerkrankungen anbietet. Zuletzt sei noch wichtig, dass man nicht bereits bei einer anderen Stammzellspenderdatei registriert ist.
Wenn alle Kriterien erfüllt sind, kann's losgehen: „Den Abstrich macht man selbst“, erklärt Jenter, „am Handy kann man sich Schritt für Schritt durch den Prozess navigieren.“ Drei Abstriche müsse man machen, Wangeninnenseite rechts und links sowie einmal durch den kompletten Mundraum – jeweils eine Minute. Das sei wichtig, betont Jenter, denn zu kurz bringe es nichts. Fälschlicherweise glaubten viele, dass es um eine Speichelprobe geht. „Das stimmt so nicht. Es geht nicht um Speichel, sondern um Zellmaterial an der Wangeninnenseite.“
Tübingen, Köln, Dresden
Wenn die Proben getrocknet sind, kommen sie in einen Umschlag, den man – wie die Stäbchen –direkt am Stand bekommt. Am Ende kommt wieder das Handy zum Einsatz, denn der Briefumschlag ist ebenfalls mit einem QR-Code versehen. „So sind die Spenderdaten und die Probe gleich miteinander verknüpft“, erklärt Jenter. Die DKMS Tübingen schickt die Proben weiter an den Standort Köln und von dort gehen sie ins Labor nach Dresden. „Dann hört man voraussichtlich erstmal gar nichts“, sagt Jenter.
Ab diesem Zeitpunkt ist man in der Spenderdatei der DKMS registriert und kommt bis zum Alter von 61 Jahren potenziell als Spender infrage, falls man als „genetischer Zwilling“ für einen Patienten identifiziert wird. Deshalb sei es auch wichtig, bei einem Umzug beispielsweise seine Daten zu aktualisieren. „Denn: Im Notfall sollte man erreichbar sein“, sagt Jenter.
Die Registrierung dauert 10 bis 15 Minuten. Für die DKMS und die betroffenen Patienten macht das einen Unterschied. „135.000 Personen scheiden jährlich aus Altersgründen aus.“ Und es kämen nicht mehr so viele Spender nach. Jenter freut es deshalb, dass Menschen wie Julian Wehrle die Initiative ergreifen und mit ihrer Party gezielt junge Leute ansprechen.
Für Wehrle und sein Team ist es möglicherweise die letzte Party in dieser Konstellation. Denn: Die Gruppe plant gerade einen Verein zu gründen. Ein paar Herausforderungen müssen sie dafür noch meistern.
Collectiv-Party gegen Blutkrebs
Am Freitag, 7. November, können Erwachsene ab 18 Jahren im Schlachthaus in Tübingen feiern und sich als Stammzellenspender registrieren lassen. Los geht's um 21.30 Uhr, Eintritt 8 bis 10 Euro. Die Einnahmen kommen der DKMS zugute. Weitere Infos gibt es bei instagram.com/co.llectiv
