Ramadan
: Eine Reinigung für die Seele

Der afrikanisch-muslimische Verein lud zum gemeinsamen Iftar in die Eisenbahnstraße. Der Fastenmonat ist auch eine Zeit der Solidarität.
Von
Miri Watson
Tübingen

Fastenbrechen mit Hirsebrei und süßem Joghurt: Der afrikanisch-islamische Verein hat zum Iftar in die Eisenbahnstraße eingeladen.

Franke

Die Datteln standen schon vor Sonnenuntergang bereit: Beim gemeinsamen Fastenbrechen in der Eisenbahnstraße 8, zu dem der afrikanisch-muslimische Verein am Samstag eingeladen hatte, aßen etwa 40 Muslime und interessierte Nichtmuslime gemeinsam und tauschten sich über den Fastenmonat Ramadan aus.

„In diesem Monat lassen wir nicht nur das Essen und Trinken“, sagte Saidn Sangara, Vorstandsmitglied des Vereins. „Es ist immer auch Solidarität mit dabei“. Der Ivorer betonte in seiner Begrüßungsrede, dass der Islam eine Religion des Friedens sei und dass niemand ein Muslim sei, der sich nicht friedlich verhalte. „Wenn ich bete und meinen Kopf von rechts nach links drehe und ‚Friede sei über Euch‘ sage, dann grüße ich nicht nur meine muslimischen Brüder und Schwestern, sondern alle Leute, alle Völker“, so Sangara.

Am 16. Mai hat der Fastenmonat Ramadan, der sich jährlich um zehn oder elf Tage nach vorne verschiebt, in diesem Jahr begonnen. Am Abend des 14. Juni wird er enden. In dieser Zeit fasten viele gläubige Muslime, sie dürfen dann von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder essen noch trinken.

„Wenn wir den ganzen Tag fasten, dann haben wir Hunger. Und wenn wir Hunger haben, dann denken wir an die armen Leute, die auch sonst nichts zu essen haben“, sagte Mama Aicha, die in den vergangenen Jahren den Iftar, also das Fastenbrechen, auf dem Tübinger Marktplatz organisiert hatte.

Feiern mit Nichtmuslimen

„Ob arm oder reich: Im Ramadan fasten alle Leute und alle Leute essen“. Für die anwesenden Muslime war es selbstverständlich, dass auch Nichtmuslime zu der Veranstaltung gekommen waren: „In unserem Land haben wir keine Probleme zwischen Christen und Muslimen, in unserem Land sind alle gleich“, sagte Yasmin Turay aus Gambia.

Traditionell wird das Fasten am Samstag mit Datteln gebrochen. Danach gab es in der Eisenbahnstraße Hirsebrei mit Joghurt, Melone, frittiertes Hefegebäck, Reis mit Gemüse und Fleisch und süße Backwaren. Zum Abendgebet konnten die Gläubigen sich in die Räume des afrikanisch-muslimischen Vereins zurückziehen, danach feierten und aßen sie weiter. „Der Ramadan ist auch eine Reinigung für die Seele“, sagte Mapendo Cizungu, „Man darf auch nicht sündigen und muss sich der schlechten Gedanken und Lästereien entledigen“.

Auch Gäste aus anderen Städten waren gekommen, etwa Abdullahi Shariff aus Stuttgart, der dort einen ähnlichen Abend veranstalten möchte. Er lobte die Initiative des Tübingers Safiong Touray, der den Iftar organisiert hatte: „Es ist eine tolle Sache, dass ein Mensch wie mein Bruder Safiong die Idee hatte, so ein Treffen für uns zu veranstalten. Bisher gibt es solche Treffen vor allem für Menschen aus Nordafrika oder aus den arabischen Ländern, aber auch wir aus Westafrika brauchen das“. Zum Fastenmonat sagte er: „Der Ramadan ist mein Leben“.

Der afrikanisch-muslimische Verein Tübingen

Seit zehn Jahren gibt es den afrikanisch-muslimischen Verein Tübingen. Aktuell hat er 19 aktive Mitglieder aus Tübingen, Reutlingen, Nagold und Filderstadt. In den Räumlichkeiten in der Eisenbahnstraße 8 gibt es zwar einen Gebetsraum, dennoch möchte der Verein diese Räume ausdrücklich nicht als Moschee sehen: „Bei uns treffen sich auch Christen aus afrikanischen Ländern. Sie sind zwar keine Mitglieder, aber auch für sie soll der Raum offen sein“, sagte Safiong Touray, der Pressebeauftragte des Vereins. Frauen gebe es bis jetzt nicht als Mitglieder im Verein. Sie gestalteten das Vereinsleben aber aktiv mit. Aktuell sucht der Verein nach neuen Räumen, da er nur noch eine begrenzte Zeit in der Eisenbahnstraße bleiben kann. Die Suche gestaltet sich als schwierig, noch wissen die Mitglieder nicht, wo sie im kommenden Jahr gemeinsam den Ramadan feiern werden.