Parkraumbewirtschaftung beendet Tradition: Der Schiebeparkplatz in Tübingen ist Geschichte

Seit kurzem kostenpflichtig: Der legendäre Schiebeparkplatz zwischen Naukler- und Wilhelmstraße.
Ulrich Janßen- Der Schiebeparkplatz an der Wilhelmstraße ist seit gestern kostenpflichtig.
- Neuer Preis: 1,80 Euro pro Stunde, 10 Euro pro Tag, Semestertickets für 125 Euro.
- Viele Parkplätze bleiben leer, Bauprojekte auf dem Gelände sind vorerst gestoppt.
- Nutzer wie Sebastian König und Achim äußern Unzufriedenheit über die neuen Regelungen.
- Seit über 20 Jahren wurde der Parkplatz für "freies Schieben" genutzt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eines der letzten Refugien für freies, wildes Parken in Deutschland ist Geschichte: Der legendäre Schiebeparkplatz in der Wilhelmstraße ist jetzt kostenpflichtig. Das Besondere an dem Parkplatz war nicht nur, dass man hier innenstadtnah kostenlos parken konnte, sondern vor allem, dass dies auf einer stillen Übereinkunft beruhte: Wer parkte, legte keinen Gang ein und zog nicht die Handbremse. Jeder konnte dann die Autos so verschieben, dass er selbst Platz fand und hinterher wieder herauskam. Das funktionierte gut und sorgte über Jahrzehnte für eine effektive Auslastung des Parkraums.
Man packt halt an
Am Freitag, 20. Dezember, wurden die neuen modernen Parkautomaten und Schranken in Betrieb genommen. Parkscheine müssen bei dem System nicht mehr gezogen werden, stattdessen scannen Kameras die Kennzeichen. 1,80 Euro kostet die angefangene Stunde, ein ganzer Tag schlägt mit 10 Euro zu Buche. Die meisten der insgesamt 270 Plätze sind für Uniangehörige und Studierende reserviert. Sie können Semestertickets zum Preis von 125 Euro buchen.
„Ich weiß gar nicht, wie ich mich damit fühlen soll“, meinte Sebastian König, der am Freitag zu den ersten zahlenden Parkern zählte. Der Amerikanistik-Student aus Dettingen nutzt den Schiebeparkplatz seit über drei Jahren und bedauert den Verlust dieses "ikonischen Parkplatzes". Er habe hier viele Autos geschoben und zwar gern: "Da fühlt man sich so ein bisschen wie die schwäbische Hausfrau, man packt halt an."
Mit den neuen Regeln fremdelte er noch ein wenig. Zwar hob sich die rot-weiß-gestrichene Schranke ohne Probleme, als er vorfuhr. Doch auf dem Bildschirm wurde er als "Kurzparker" ausgewiesen. Dabei hatte er sich extra für 125 Euro ein Semesterticket gekauft und sein Kennzeichen ins Online-Formular eingegeben. "Etwas verwirrt" stand er nun vor dem Parkautomaten und fragte sich, ob er jetzt als Kurzparker zusätzlich Geld zahlen müsse. Insgesamt findet er die 125 Euro für ein halbes Jahr Parken aber okay. Er könne zwar auch mit Bus und Bahn von Dettingen zur Tübinger Uni pendeln. "Aber dann bin ich pro Tag eine Dreiviertelstunde länger unterwegs."
Achim (seinen Nachnamen möchte er nicht nennen) zählt zu den Nutzern, die kein Semesterticket mehr bekamen, obwohl er sofort eines beantragt habe. Er wird jetzt täglich zur Kasse gebeten und hat eine klare Meinung zu der Umstellung: "Ich find's kacke." Man habe jetzt die "wohl letzten freien Parkplätze in Tübingen gekillt". Achim wohnt nicht weit entfernt und nutzte den Schiebeparkplatz mangels anderer Möglichkeiten, um hier dauerhaft sein Auto abzustellen. Ihn ärgert nicht nur der aus seiner Sicht hohe Preis ("das Semesterticket ist ja teurer als das Anwohnerparken"), sondern auch, dass sich am Freitag auf der ansonsten immer ordentlich gefüllten Fläche viele leere Plätze auftaten.
Erstmal keine Bauprojekte
Eigentlich sollten auf dem Schiebeparkplatz längst Gebäude statt Autos stehen. Geplant ist seit längerem, auf dem unbebauten Gelände das Leibniz-Kolleg und die Institute des Hegelbaus anzusiedeln. Vor allem aber soll hier ein (dringend benötigtes) Studentenwohnheim entstehen. Daraus wird nun offenbar vorerst nichts. "Man weiß ja, wie das mit öffentlichen Bauten so ist", habe der Betreiber, die landeseigene Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg mbH" (PBW) auf Nachfrage der Universität erklärt, so die Antwort der universitären Pressestelle auf eine TAGBLATT-Anfrage. Notfalls könne man die Schranken und Kassenautomaten auch schnell wieder abbauen, der Parkplatzbetrieb werde "kein Hindernis" sein für Bauprojekte. Derzeit gehe man in Stuttgart aber davon aus, dass auf dem großen Gelände "nicht gleich die Bagger anrollen". Die PBW setze deshalb um, was 2018 beschlossen worden war, nämlich dass alle landeseigenen Parkplätze bewirtschaftet werden sollen. Auf Nachfrage des TAGBLATTS bestätigte auch das Studierendenwerk, dass man aktuell keine konkreten Planungen für ein Wohnheim auf dem Areal habe. Der Bau eines solchen Heims war von der Universität und der Stadt immer wieder angemahnt worden.
An der Hochschule ist man über das Ende der Schieberei nicht nur erfreut, verriet der Pressesprecher. Das habe auch, aber nicht nur mit den auf Eis gelegten Bauplänen zu tun: "Der Parkplatz hat es ja in alle möglichen Medien geschafft." Dass es jetzt vorbei sei mit dem Alleinstellungsmerkmal sei schade. "Aber die Universität hatte darauf leider keinen Einfluss."
Seit über 20 Jahren werden auf dem Platz zwischen Naukler- und Wilhelmstraße Autos geschoben. Die Regel ist, dass Fahrzeuge, die auf einem der mittleren Wege stehen, beweglich sein müssen. Das konnte mitunter anstrengend sein, wenn die Autos dicht an dicht in langen Reihen standen, aber es funktionierte gut, was auch in diversen Medien gewürdigt wurde. Im Jahr 2022 fand auf dem Platz, der im Besitz des Landes ist, das Ract-Festival statt.
Der berühmteste Parkplatz der Stadt
Seit über 20 Jahren werden auf dem Platz zwischen Naukler- und Wilhelmstraße Autos geschoben. Die Regel ist, dass Fahrzeuge, die auf einem der mittleren Wege stehen, beweglich sein müssen: Gang raus, Handbremse nicht gezogen. Das konnte mitunter anstrengend sein, wenn die Autos dicht an dicht in langen Reihen standen, aber es funktionierte gut, was auch in diversen Medien gewürdigt wurde. Im Jahr 2022 fand auf dem Platz, der im Besitz des Landes ist, das Ract-Festival statt.

