Neues Zeitalter in der Archäologie
: Tübinger Forscher bergen bislang größtes altsteinzeitliches Werkzeug

Tübinger Archäologen haben das bislang größte altsteinzeitliches Werkzeug im Unesco-Welterbegebiet geborgen und sprechen nun vom „Zeitalter des Mammutelfenbeins“.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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Ein über 40.000 Jahre alter Meißel aus Mammutelfenbein ist der "Fund des Jahres": Nicholas Conard und Sibylle Wolf stellen das einmalige Stück aus den archäologischen Grabungen im Hohlen Fels vor.

Nicholas Conard und Sibylle Wolf stellen im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) einen über 40.000 Jahre alten Meißel aus Mammutelfenbein vor.

Thomas Spanhel
  • Tübinger Forscher entdecken größten altsteinzeitlichen Meißel aus Mammutelfenbein im Hohle Fels.
  • Artefakt ist 39.000 Jahre alt, 24,7 cm lang, 168 g schwer und wird im Urmu bis November 2025 ausgestellt.
  • Mammutelfenbein war vor 40.000 Jahren zentrales Material für Kunst, Werkzeuge und Musikinstrumente.
  • Schwäbische Alb gilt als Fundstätte bedeutender Elfenbeinkunst, z. B. Venus vom Hohle Fels, Flöten, Figuren.
  • Forscher sprechen vom „Zeitalter des Mammutelfenbeins“ – Menschen nutzten Elfenbein hier intensiv.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In den verschiedenen Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb sind bereits zahlreiche, rund 40.000 Jahre alte Figuren und andere Gegenstände aus Mammutelfenbein entdeckt worden. Berühmt sind etwa die Venus vom Hohle Fels bei Schelklingen, die kleine Mammutfigur aus der Vogelherdhöhle im Lonetal oder eine Flöte aus Elfenbein, gefunden in der Halbhöhle Geißenklösterle bei Blaubeuren. Nun präsentierte das Team um Prof. Nicholas Conard vom Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen ein weiteres einzigartiges Stück, eine kleine Sensation: einen 39.000 Jahre alten Meißel, ein Gerät aus Elfenbein, das einst offenbar dem Zweck diente, Kunst aus Elfenbein herzustellen.

Werkzeuge, Waffen, Kunst und Musikinstrumente

Schon 2019 fanden Archäologen in der Höhle Hohle Fels drei Elfenbeinmeißel mit Längen zwischen 14 und 22 Zentimetern. Der Meißel, der noch bis zum 9. November 2025 als „Fund des Jahres“ im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren (urmu) ausgestellt ist, kam im Juli 2024 zum Vorschein. Der neue Meißel ist älter, lag tiefer in der Erde und ist größer und massiver als die anderen. Mit einer Länge von 24,7 Zentimetern, einem Umfang von bis zu 10,4 Zentimetern und 168 Gramm Gewicht ist er das größte rundum bearbeitete Artefakt aus Elfenbein, das in der Höhle nahe Schelklingen jemals gefunden worden ist.

Große Epochen der Menschheitsgeschichte tragen ihre Namen aufgrund in dieser Zeit vorherrschender Materialien: Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit. Jetzt sprechen Tübinger Archäologinnen und Archäologen vom „Zeitalter des Mammutelfenbeins“ und meinen damit jene Zeit, als vor 40.000 Jahren die ersten anatomisch modernen Menschen auf der Schwäbischen Alb ankamen. „Die Frauenfigurine vom Hohle Fels, die Mammutelfenbeinflöte aus dem Geißenklösterle, die kleine Mammutfigur aus dem Vogelherd – sie sind berühmt, weil sie zu den ältesten Kunstwerken und Musikinstrumenten zählen. Am Anfang der Jüngeren Altsteinzeit war Mammutelfenbein das bevorzugte Material für praktische Werkzeuge und Kunst“, sagt Prof. Conard.

Die damaligen Menschen auf der Schwäbischen Alb waren offensichtlich Experten in Sachen Mammutelfenbein, sagt auch Sibylle Wolf, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am SHEP: „Sie verfügten hier über eine immense Menge an Elfenbein, hatten eine klare Vorstellung davon, was sie daraus herstellen wollten, hatten die manuellen Fähigkeiten dazu − und sie haben das geradezu exzessiv genutzt für Werkzeuge und Waffen, für figurative Kunst und Musikinstrumente sowie für persönliche Schmuckstücke.“