Neues Kunstmuseum Tübingen: Ausstellung mit Werken von Stones-Legende Ron Wood eröffnet

Faible für Schiffswracks und Seestürme: Ron Wood beschäftigt sich in seiner Malerei viel mit berühmten Künstlern.
Carolin Albers- Neues Kunstmuseum Tübingen zeigt „Ronnie Wood – The Artist“ mit Werken aus 60 Jahren.
- Fokus: Auseinandersetzung mit Alten Meistern von der Renaissance bis zur klassischen Moderne.
- Wood integriert Stones und Musikerfreunde in Stilzitaten von Rembrandt bis Picasso – oft als Bühne.
- Zu sehen sind Skulpturen, frühe Zeichnungen, Drucke, Gemälde sowie Einblicke ins Atelier in Barcelona.
- Laufzeit bis 14. Februar, geöffnet Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr, Sonderführung am 24. Oktober.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
„Thank you for coming everyone“: Der Künstler grüßt vom Bildschirm. Dabei sein kann er nicht bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Tübingen, weil er derzeit mitten in Proben für eine Südamerika-Tour steckt. Ron (Ronnie) Wood, seit 1975 Gitarrist der Rolling Stones, ist als Musiker weltbekannt. Bevor er die Gitarre entdeckte, lag sein künstlerischer Fokus aber auf der bildenden Kunst.
Von Donnerstag, 22. Oktober, an zeigt das Neue Kunstmuseum Tübingen (NKT) mit der Ausstellung „Ronnie Wood – The Artist“ einen umfangreichen Überblick über das künstlerische Schaffen der Stones-Legende. Nach der Auftakt-Ausstellung mit Udo Lindenberg im Frühjahr 2025 und James Rizzi im vergangenen Herbst folgt im NKT mit Ron Wood wieder eine publikumsträchtige Schau mit einem prominenten Protagonisten. Am Mittwochabend war Eröffnung.
Die Brüder brachten ihm das Zeichnen bei
Es handle sich um seine größte Ausstellung bis jetzt, erzählt Ron Wood. Er hoffe, dass es der Anfang von vielen weiteren sein wird. Zu sehen sind im NKT Skulpturen, frühe Federzeichnungen, Drucke und Gemälde aus 60 Jahren. Schon als kleiner Junge malte Wood und eiferte seinen acht und zehn Jahre älteren Brüdern nach. Wenn sie zeichneten, machte er es ihnen nach, und wenn sie Musik machten, spielte auch der kleine Ronnie. Die Brüder seien es gewesen, die ihm die grundlegenden künstlerischen Fähigkeiten beibrachten, so Wood.
„Ronnie ist so viel mehr als nur der Rolling Stone“, sagt Bianca Eckle-Lövesz, Kuratorin der Ausstellung, bei der Eröffnung. „Es gibt auch eine andere Seite von ihm.“ Wood sei mit beidem aufgewachsen, der Musik und der bildenden Kunst.
Schwerpunkt der Ausstellung in Tübingen liegt auf Ron Woods Beschäftigung mit Alten Meistern und zentralen Positionen der Kunstgeschichte, durch die er sich kenntnisreich bewegt: Er übernimmt Stile und Eigenheiten aus Epochen von der Renaissance bis in die klassische Moderne. Mit der Kunstgeschichte setzte sich Wood schon früh auseinander. Eines seiner frühesten erhaltenen Werke ist ein Selbstporträt nach Rembrandt aus dem Jahr 1959. Der Kunsthistoriker Wolfgang Ulrich verwendet für Woods Praxis den Begriff des „Paintbombing“ und verweist auf das Prinzip „imitatio et aemulatio“, die Nachahmung von Vorbildern und deren Übersetzung in die eigene Welt und Gegenwart.
Die Stones räkeln sich im Lustgarten
Die Stilzitate erfolgen oft subtil. In einigen Werken ist aber auch zu erkennen, dass eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Kunstwelt vergangener Epochen, ihren Stilelementen und Inhalten, nicht immer Woods Ziel ist. Vielmehr nutzt er sie als Bühne und Hintergrund, in die er Musiker aus seinem Umfeld – oder gerne auch Gitarren – transferiert. Bevorzugt sind es er selbst und die Bandkollegen von den Stones, die etwa in einem Caravaggio-typischen, nur von Fackellicht beleuchteten Kellerraum auftauchen oder sich in einem Lustgarten nach Delacroix räkeln. Er huldigt aber auch anderen Musikern – ob Elvis, Pete Townshend von The Who oder Mitglieder seiner früheren Bands The Faces und The Birds.
In „Destruction of a Civilised Riff“ setzt Wood sich mit Picassos „Guernica“ auseinander, indem er – man muss etwas suchen – Keith Richards und Mick Jagger in das Werk malt und, wie er selbst sagt, mit einer anderen künstlerischen Lesart interpretiert. Nichts Persönliches oder Politisches – er zolle dem Kunstwerk und dem Pinselstrich des Vorbilds Picasso Tribut.
Offensichtlich hat Wood auch ein Faible für Darstellungen von Schiffswracks und Seestürmen, die er aus verschiedenen Epochen von verschiedenen Künstlern, etwa Delacroix und Turner, nimmt und teils neu ausstattet. Für sein Triptychon „The Eleventh Floor“ holt er sich von Max Beckmann Inspiration, indem er alle möglichen Elemente aus Beckmanns Schaffen versammelt. Er verwandelt eine Landschaft im Stil van Goghs in eine „Guitarscape“ oder imitiert kubistische Techniken von Picasso und Braque, um Räume zu erzeugen, in die er Musiker in allen denkbaren Posen stellt. Und die Rockband bleibt eben das Lieblingsmotiv.
Die Besucherinnen und Besucher bekommen in der Ausstellung auch einen Blick in Woods Atelier in Barcelona. Und abseits der „Alten Meister“ gibt es auch viele kleinere Werke zu entdecken. Frühe Aktzeichnungen etwa, die schon großes Talent erkennen lassen, oder die Reihe „A Variety of Annoyances“: Zeichnungen, die in der Tradition der Karikatur stehen und, nun ja, eben unangenehme Situationen zeigen, etwa Menschen, die aneinander vorbei grüßen.
In Tübingen war Wood bereits im März, um sich das Neue Kunstmuseum und die Stadt anzuschauen. Entstanden ist damals auch eine Skizze von der Neckarfront, die er auf dem Balkon seines Hotels anfertigte. Und kommen werde er auch wieder nach Tübingen, um sich seine Ausstellung anzuschauen, verspricht Wood. Geplant ist das für Anfang Dezember.
Infos zur Ausstellung
Die Ausstellung „Ronnie Wood – The Artist“ ist bis zum 14. Februar im Neuen Kunstmuseum Tübingen zu sehen. Weitere Informationen auf www.n-k-t.de. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr. Am 24. Oktober ist eine Sonderführung vor der Öffnung des Museums zum Thema „Nach den Alten Meistern“.










Des Weiteren: Warum die Fotos weder Selbstporträts der Ausstellungsbesucher, noch Ausdruck einer mitschwingenden Todessehnsucht sind – sondern einfach: Handy-Fotokunst.