SWP+SWP+Nachruf auf Holger Klotzbach
: In Tübingen war er Studentenführer – in Berlin Promi-Wirt

Holger Klotzbach war einer der Anführer der Tübinger Studentenrevolte. Später zog es ihn nach Berlin. Dort starb er am vergangenen Freitag.
Von
Michael Kuckenburg
Tübingen
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Studenten besetzen das Tübinger Rathaus, 25. Mai 1968. 
Nachdem es Oberbürgermeister Hans Gmelin abgelehnt hatte, mit einer in der Haaggasse versammelten „Corona“ zu diskutieren, drangen gegen 10.15 Uhr etwa 300 Studenten, angeführt von Mitgliedern des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS), gegen den Widerstand von drei Polizeibeamten in das Rathaus ein. Womit, wie das Schwäbische Tagblatt zu berichten wusste, das Tübinger Rathaus in seiner über 500jährigen Geschichte „sein erstes Go-in“ erlebte. Was ihnen Tags zuvor vom Amt für öffentliche Ordnung verweigert worden war, wollten sie nun vom Oberbürgermeister genehmigt bekommen: einen Lautsprecherwagen, mit dem sie darüber aufklären wollten, wie sich die geplanten Notstandsgesetze auf den einzelnen Bürger auswirken würden. Gmelin (rechts im Bild stehend) zeigte sich im Laufe der erzwungenen, nahezu dreistündigen Diskussion kompromissbereit. Er wollte die Genehmigung jedoch örtlich und zeitlich beschränken, um den Verkehr während der Hauptzeiten nicht zu behindern.
Daraufhin beschloss eine knappe Mehrheit der Studenten, den Lautsprecherwagen auch ohne Genehmigung an den drei Tagen vor der Abstimmung im Bundestag ohne zeitliche und örtliche Beschränkung einzusetzen. Der Wagen wurde durch die Stadt nicht behindert; Oberbürgermeister und Mitglieder des Gemeinderats waren sich einig, dass ein massiver Polizeieinsatz nicht zu vertreten sei. 
Versöhnlicher Schluss: Nach dem „Go-in“ war „das schöne neue Treppenhaus des Rathauses“... übersät von Kippen und Pfeifenasche. Empört wandte sich die offenbar herbeigeeilte Gattin des Oberbürgermeisters an die Studenten: „So nun gehen Sie, und den Dreck lassen Sie liegen!“ Aber siehe da: Fünf Studenten der schwäbischen Universitätsstadt „verlangten nach Besen und Kutterschaufel und halfen dem Hausmeister bei der Beseitigung ihrer Hinterlassenschaft“. 
 
Studentenbewegung
Stadtarchiv Tübingen, D 170/12479

Go-In im Rathaus am 25. Mai 1968. OB Hans Gmelin (Mitte stehend) und Holger Klotzbach (neben Gmelin, mit „stalinistischem Schnurrbart“) streiten über die Notstandsgesetze. Im Gemeinderatsprotokoll taucht Klotzbach danach mehrmals als „Kotzbach“ auf.

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