Muskel nie isoliert betrachten: Der Mediziner Kurt Mosetter stellte seinen Therapie-Ansatz im Tübinger Sparkassen Carré vor

In der richtigen Dosierung kann „Wein durchaus helfen“, so Kurt Mosetter (rechts) in der Fragerunde.
SommerSein Credo: Gesundheit gebe es nicht geschenkt, man müsse etwas dafür tun. Was? Dieser Frage widmete sich der Großteil seines Vortrages.
Natürlich spiele die richtige Behandlung muskulärer Probleme eine zentrale Rolle. In dieser Hinsicht beschritt Mosetter neue Wege mit der von ihm entwickelten Myoreflextherapie. Deren therapeutischer Ansatz klingt auf den ersten Blick paradox: Behandelt wird nicht da, wo es schmerzt. „Ein Muskel darf nie isoliert betrachtet werden, sondern ist Teil eines gigantischen Netzwerkes, in dem alles ineinander greift“, so Mosetter. Da der schmerzende Muskel also nicht Ursache, sondern lediglich Symptom sei, müssten andere Gruppen zum Ausgleich gestärkt werden. Das oft beschworene Ruhigstellen sei dagegen ein Trugschluss. Nicht nichts tun, sondern das Richtige unter fachkundiger Anleitung, so lautet Mosetters Maxime.
Auch die richtige Ernährung trage einen erheblichen Teil zur persönlichen Gesundheit bei. „Viele Erkrankungen hängen mit der falschen Ernährung zusammen“, so Mosetter. Kohlenhydrate und Zucker seien insbesondere am Abend mit Vorsicht zu genießen, da sie Regeneration und Sauerstoffversorgung beeinträchtigten. Auch das Risiko, die „Zuckerkrankheit Alzheimer“ zu bekommen, ließe sich durch eine Ernährungsumstellung drastisch reduzieren, so der Mediziner.
Fußballtrainer wie Ralf Rangnick oder Thomas Tuchel hätten es vor einiger Zeit erfolgreich vorgemacht. „Und wenn die das können, können Sie das auch“, appellierte Mosetter in Richtung des Publikums. Hart könnten allenfalls die ersten vier Wochen der Umstellung sein: „Wenn Sie die durchhalten, kommen Sie in den Takt“, versprach der Mediziner den Zuhörern.
Die waren unter anderem auch von Mosetters interaktivem Vortragsstil gebannt: Mal veranschaulichte er mit Gestik oder Mimik, mal warf er Fragen in die Reihen: „Wie viele Schädigungen und Reparaturen macht eine Körperzelle pro Tag durch?“ „Zehntausend“, ruft ein Zuhörer. Mosetter: „Nicht schlecht, aber es sind doch noch ein paar mehr.“ Eine Million laut verschiedener Forscher.
Auch eine Live-Therapie erhielten die Gäste, als im Kollektiv aufgestanden und der Oberkörper gedreht wurde. Nach dem einstündigen Vortrag bestand schließlich noch die Möglichkeit zu gezielten Nachfragen. Und die wurde von den Gästen auch rege in Anspruch genommen.
Ein Weinliebhaber erkundigte sich etwa nach dem Zuckergehalt seines Lieblingsgetränks. Mosetters Antwort: „Vergorene Trauben haben tatsächlich weniger Zucker als reiner Saft. Wein kann also durchaus helfen.“ Der Gast bedankte sich, ehe Mosetter mit einem Augenzwinkern nachschob: „Die Dosierung muss natürlich stimmen.“ David Scheu
Als Jürgen Klinsmann kochte
Seit einigen Jahren ist Kurt Mosetter regelmäßig in den großen Fußballstadien unterwegs – als Arzt der US-amerikanischen Fußballnationalmannschaft. Ständig um den Globus reisen muss er deshalb nicht: „Viele US-Profis spielen ja in Europa. Daher kann ich sie meistens in meiner Praxis in Konstanz behandeln.“ Bei großen Turnieren wie der Weltmeisterschaft oder der Copa America begleitet er das Team um den deutschen Coach Jürgen Klinsmann. Den lernte er 2008 kennen, als der damalige Trainer des FC Bayern München mit einem Bandscheibenvorfall zu ihm kam. „Nach der Behandlung hat Jürgen mir was gekocht, seitdem sind wir befreundet“, sagt Mosetter, der Klinsmann als „fachlich und menschlich überragend“ bezeichnet.