Mit Titan aus Tübingen
: Entertainer Thomas Gottschalk wurde in der BG-Klinik an der Sehne operiert

„Eine beeindruckende Persönlichkeit“: So beschreibt Prof. Ulrich Stöckle den prominenten Patienten, der acht Tage in der Tübinger Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik behandelt wurde. Es war Thomas Gottschalk.
Von
Ulrich Janßen
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Nicht gesetzt

Prof. Stöckle, ist so ein Riss der Quadrizeps-Sehne sehr schmerzhaft?

Das kann man wohl sagen. Es ist sehr schmerzhaft, und man kann das Bein nicht mehr belasten.

Wie war Gottschalk als Patient? Hat er die Schmerzen ertragen?

Er hat sicherlich erhebliche Schmerzen vor allem auf dem Transport von Jerusalem nach Tübingen gehabt. Bei uns war Thomas Gottschalk aber ein wirklich sehr angenehmer und zurückhaltender Patient. Er hat sich an alle Anweisungen gehalten und auch keinerlei Sonderwünsche gehabt. Er ist eine beeindruckende Persönlichkeit.

In der Bild-Zeitung behauptet der Moderator, er habe jetzt einen Titan-Dübel im Knie, bei ihm sei nicht gespart worden.

Das stimmt, er hat sogar zwei Titan-Anker in der Kniescheibe. Titan-Anker mag aufwändig klingen, ist aber normaler Standard bei dieser Diagnose. Wir bemühen uns immer um qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patienten und das gilt für alle Patienten.

Das heißt: Auch ein Kassenpatient bekommt Titan?

Auf jeden Fall. Die Behandlung ist immer die gleiche.

Was wurde bei dem Showstar überhaupt gemacht?

Wir mussten den Quadrizeps-Muskel, der über der Quadrizeps-Sehne an der Kniescheibe hängt, wieder mit der Kniescheibe verbinden. Dazu werden die Titananker in die Kniescheibe eingebracht. Mit daran befestigten Fäden wird dann die Sehne wieder an der Kniescheibe befestigt.

Thomas Gottschalk läuft also künftig mit zwei Titan-Dübeln aus Tübingen durch die Welt?

So ist es.

Gottschalk ist nicht der erste prominente Besucher in der Tübinger BG-Klinik. Auch Fußballstars wie Ribery, Draxler, Lahm oder Schweinsteiger wurden schon bei Ihnen operiert. Sind Sie stolz darauf?

Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes für die gesamte Klinik. Aber wir haben damit natürlich auch eine große Verantwortung. Um eine optimale Genesung zu ermöglichen, sind wir deshalb auch darauf bedacht, dass solche Stars in der Klinik möglichst ungestört bleiben. Was das angeht, sind wir, glaube ich, ziemlich erfahren. Alle unsere Mitarbeiter wissen, wie wichtig die Ruhe und Ungestörtheit für die Patienten gerade in der Zeit nach der Operation ist, und lassen nichts nach außen dringen. Es kommt auch niemand und fragt nach Autogrammen. Zusätzlich sorgen wir für eine gewisse Anonymität, indem wir prominente Patienten unter einem Pseudonym aufnehmen.

So wurde aus Thomas Gottschalk ein Thomas Scholz?

Woher wissen Sie das? Jedenfalls hat das Pseudonym funktioniert. Dass die Bild-Zeitung gleich nach der Entlassung des Patienten über die Verletzung berichtete, liegt vermutlich am Management des Stars, das die Information weitergeleitet hat.

Verständlich. RTL will ja auch eine gute Quote für Gottschalks Sendung. War es nicht riskant, dass der Moderator keine zwei Wochen nach der Operation schon im Fernsehen auftritt?

Es war von Anfang das Ziel, dass Gottschalk an diesem Tag auftreten kann. Deswegen haben wir jetzt auch keine Bedenken dagegen. Gottschalk muss zwar das Knie noch schonen und sitzt deswegen immer wieder im Rollstuhl. Aber er kann auch schon wieder normal laufen.

Wie lange dauert die Heilung?

Insgesamt etwa sechs Wochen. Die ersten zehn Tage muss der Patient das Bein in Streckstellung halten, dann kann er es langsam wieder beugen. Natürlich bekommt er auch noch Physiotherapie.

In Tübingen?

Das ist nicht geplant.