Millionenangebot für Werk in Tübingen
: 500 Mitarbeiter von Curevac sollten übernommen werden

Vor rund zwei Wochen gab Biontech die Schließung von drei deutschen Werken bekannt, darunter auch die des übernommenen Curevac-Werks in Tübingen. Dabei lag den Mainzern einem Bericht zufolge ein Kaufangebot vor – das zweifelhaft war.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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Biontech will deutschen Konkurrenten Curevac übernehmen: Das Logo des Pharmaunternehmens Curevac ist vor dem Eingang der Firmenzentrale zu sehen. Das Mainzer Pharmaunternehmen Biontech will den Rivalen Curevac aus Tübingen übernehmen. Es gebe ein öffentliches Umtauschangebot für alle Aktien von Curevac, teilte Biontech mit. (zu dpa: «Keine Käufer gefunden - drei Biontech-Werke machen dicht»)

Einst war Curevac ein hoffnungsvolles Unternehmen im Bereich Biotechnologie. Ende 2027 sind die Gebäude nur noch ein Hülle. Den Mitarbeitern ist allen gekündigt worden.

Christoph Schmidt/dpa
  • Biontech will den Standort Tübingen am früheren Curevac-Sitz Ende 2027 schließen.
  • Laut Bericht gab es ein Angebot: Werkkauf bis 20 Mio. Euro – bei 200 Mio. Euro Cash-Reserve.
  • Das Konsortium forderte zusätzlich rund 100 Mio. Euro vom Land, was als nicht ernst galt.
  • 500 Mitarbeiter sollten übernommen werden, doch viele bewarben sich bereits anderswo.
  • Forschung sollte zunächst Tiermedizin sein, etwa mRNA-Impfstoffe für Rennkamele und Jagdvögel.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Erst vor zweieinhalb Wochen war bekannt geworden, dass der Biontech-Standort am ehemaligen Curevac-Firmensitz in Tübingen Ende 2027 geschlossen wird. Am Mittwochmorgen (15. Oktober) berichtete nun das Handelsblatt, dass es wohl ein millionenschweres Angebot für den Standort samt Übernahme von 500 Mitarbeitern gegeben habe.

Die Zeitung beruft sich in ihrem gestern veröffentlichten Bericht auf Dokumente zu den monatelangen Verhandlungen. Die Verhandlungen mit einem Investorenkonsortium um den Münchner Investor und Multimillionär Peter Löw hatten demnach im Mai begonnen. Dem Konsortium gehörten dem Bericht zufolge neben Löw eine deutsche Immobiliengruppe, eine Investmentgesellschaft und das US-Biotech-Unternehmen Alloy Therapeutics an. Das Konsortium gründete demnach die Human Health Technologies AG, die das frühere Curevac-Werk übernehmen sollte.

Für 20 Millionen Euro kaufen und 200 Millionen Euro bekommen

Die Verhandlungen hat es auch gegeben, wie der Curevac-Betriebsratsvorsitzende Heiko Kleve auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt. „Wir wurden seitens der Geschäftsleitung informiert, dass es Gespräche mit einem Investor gibt.“ Wie nun aber öffentlich wurde, habe das Investorenkonsortium gefordert, dass eine Cash-Reserve von über 200 Millionen Euro im Unternehmen verbleibt. Diese Cash-Reserve ist ein Bargeldbestand aus den Verkäufen der Lizenzrechte. Das finale Angebot belief sich hingegen auf bis zu 20 Millionen Euro. „Insidern zufolge hätte Biontech für den Verkauf des Werks also draufzahlen müssen“, heißt es im Handelsblatt. Darüber hinaus habe das Konsortium von der Landesregierung einen Nachschuss von rund 100 Millionen Euro gefordert, heißt es weiter.

Es sei also kein ernst zu nehmendes Angebot, resümiert auch Kleve, der die Details aber auch nur über die Zeitung erfahren habe. Zumal sich etliche von den 767 Mitarbeitern am Standort Tübingen (Stand August) bereits anderweitig beworben hätten. Geforscht werden sollte in Tübingen wohl auch nicht mehr an der Behandlung von Krebserkrankungen, sondern zunächst im Bereich Tiermedizin, konkret an mRNA‑Impfstoffen für Rennkamele und Jagdvögel im Nahen Osten. Nach diesem Überbrückungsjahr sollte, laut Handelsblatt, mit der Produktion von „humanmedizinischen Erzeugnissen“ begonnen werden.

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Das wäre für die Curevac-Mitarbeiter ein neues Forschungsfeld gewesen, in das man sich erst hätte einarbeiten müssen, sagt Kleve. „Aber mit wem, wenn viele schon andere Stellen gefunden haben?“ Ab Ende Februar werden Dreiviertel der Mitarbeiter ausscheiden, Ende 2027 alle.