„Lichternebel“ in Tübingen: Wie Studierende ein Festival für alle organisieren

Amelie Rüeck und Emma Holzer sind Teil des Orgateams und verbinden mit der Shedhalle sentimentale Erinnerungen, etwa den legendären „Salatsoßen“-Pfeil.
Iris Simon- Das Unifestival „Lichternebel“ findet am Samstag, 23. Oktober, in der Shedhalle statt.
- Ein kleines Team organisiert das Festival ehrenamtlich und setzt auf Newcomer-Bühnen.
- Finanziert wird es über die Verfasste Studierendenschaft – Budget etwa 30 Cent pro Studierendem.
- Gestiegene Kosten belasten die Planung, daher stehen Spendenboxen in der Halle.
- Nächstes Jahr braucht das Team eine neue Location, die Shedhalle wird umgebaut.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Was als WG-Party begann, ist inzwischen ein fester Termin im Tübinger Veranstaltungskalender: Das Unifestival „Lichternebel“ findet in diesem Jahr zum fünften Mal statt. Aus einer zunächst größer geratenen studentischen Feier mit Band entwickelte sich vor fünf Jahren das „Emotions“ auf der Morgenstelle, aus dem schließlich das heutige Festival hervorging.
Dahinter steht ein kleines Organisationsteam, das jedes Jahr ehrenamtlich ein Musikprogramm auf die Beine stellt – mit freiem Eintritt und einem Gespür für aufstrebende Künstlerinnen und Künstler. Zu den Organisatorinnen gehören auch Emma Holzer, 27, die gerade ihren Master in Medienwissenschaften abgeschlossen hat, und Amelie Rüeck, 25, die kurz vor ihrem Masterabschluss in Computerlinguistik steht.
Eine Bühne für Newcomer
Musikalisch setzt das Lichternebel auf eine Mischung aus Techno, Neuer Neuer Deutscher Welle und Indie-Rock. Die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler finden die Organisatoren über Social Media oder direkt Kontakte. Neben lokalen Musikerinnen und Musikern stehen dabei auch Bands auf dem Programm, die gerade ihren Durchbruch erleben.
Für Rüeck ist das Festival mehr als eine Veranstaltung für das studentische Publikum. „Wir haben in den vergangenen Jahren den unterschiedlichsten Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne geboten. Und ich finde es schön, dass wir immer wieder auch das Feedback bekommen, wie toll die Gelegenheit war und welche Kontakte und Netzwerke sich daraus ergeben haben“, sagt sie. Auch für einige Mitglieder des Organisationsteams sei das Engagement bereits ein Einstieg in die Musikbranche gewesen.
30 Cent pro Studierendem
Hinter dem Festival steckt viel Arbeit. Mehr als 200 Helferinnen und Helfer engagieren sich ehrenamtlich, das Organisationsteam setzt sich aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen und Semester zusammen. Die Finanzierung erfolgt über die Verfasste Studierendenschaft. Dafür steht ein kleiner fünfstelliger Betrag zur Verfügung, der sämtliche Ausgaben decken muss – von Technik und Personal über die Miete und sanitäre Anlagen bis hin zu den Getränken.
Was beginnt was wo
Das Unifestival beginnt am 23.Oktober um 18 Uhr. Einlass ist grundsätzlich ab 18 (mit „Muttizettel“ ab 16). Auf dem diesjährigen Programm stehen Aura, Für nichts nach Bonn, Lilli Belle, Bernstein, DJ Schnotz und als Headlinerin die Newcomerin Carli.
Umgerechnet entspricht das Budget etwa 30 Cent pro Studierendem an der Universität. Was zunächst nach einer großen Summe klingt, ist angesichts der vielen Kosten schnell aufgebraucht. „Das Geld ist schnell weg, auch wenn wir auf jeden Euro schauen“, sagt Rüeck. Besonders die gestiegenen Preise für Lebensmittel und Personal machen sich bemerkbar. Bei der Planung kalkuliert das Team ohnehin vorsichtig und orientiert sich am wirtschaftlichen „Worst-Case-Szenario“. Auf die jüngsten Preissteigerungen sei man deshalb nicht völlig unvorbereitet gewesen. Dennoch bleibe die Lage angespannt. „Die Kosten sind in allen Bereichen gestiegen. Unser Budget ist allerdings seit Beginn an fix und lässt sich nicht anpassen“, ergänzt Holzer. Beim diesjährigen Festival sollen deshalb mehrere Spendenboxen in der Halle stehen. Das gespendete Geld soll nicht nur die aktuelle Finanzierung erleichtern, sondern auch als Rücklage für das kommende Jahr dienen.
Studentisch statt kommerziell
Eine stärkere Kommerzialisierung, wie sie etwas das Campusfestival in Konstanz eingeschlagen haben, kommt für das Team nicht infrage. „Wir möchten auf jeden Fall den studentischen Charme des Festivals behalten. Und das funktioniert nur in einem Studi-Kontext“, betont Holzer. Dieser Anspruch prägt auch die Arbeit vor Ort. Die Shedhalle bietet den Veranstaltern viel Freiraum, um das Gelände nach ihren Vorstellungen zu gestalten. „Wir lieben die Shedhalle! Die Lage ist super, die Anwohnerinnen und Anwohner tolerieren uns und wir haben hier wie eine weiße Leinwand, die wir nach unseren Vorstellungen gestalten können. Wir sind stolz, dass wir hier wirklich alles selbst machen“, so Holzer.
Abschied von der Shedhalle
Für die beiden Organisatorinnen hat die Location auch einen persönlichen Wert. Während ihres Studiums haben sie selbst noch in der Shedhallen-Mensa gegessen. Ein Pfeiler mit dem Schriftzug „Salatsoßen“ ist inzwischen zu einer Art Kultobjekt geworden. Umso schwerer fällt der bevorstehende Abschied. Im kommenden Jahr muss sich das Festivalteam nach einer neuen Location umsehen. Zugleich soll die Organisation zumindest teilweise an eine neue Generation engagierter Studierender übergehen. Damit steht das Lichternebel vor einem Übergang: Ein neuer Ort, neue Verantwortliche und weiterhin die Aufgabe, ein Festival mit begrenztem Budget auf die Beine zu stellen. Nur eines wird wohl niemand vermissen: „Als die Tontechniker das erste Mal die Halle gesehen haben, haben die ihre Hände über den Kopf zusammengeschlagen“, erzählt Rüeck lachend. Durch die Fenster und blechernen Ummantelungen an der Decke und den Wänden sei die Akustik in der ehemaligen Mensa nämlich „eher bescheiden“.
