Kurioser Diebstahl: Wer hat den Tübinger Eiffelturm geklaut?

Etwas über ein Jahr stand der Eiffelturm in Tübingen: Sophie Eenhuis (rechts) und ihr Mann Stefan vom Verein „Güterhalle für alle“ hatten die Stahlkonstruktion auf dem Areal an der Eisenbahnstraße aufgestellt. Anfang der Woche wurde er geklaut.
Verein Güterhalle für alle- In Tübingen wurde eine 4,20 Meter hohe Eiffelturm-Skulptur aus Stahl gestohlen.
- Der Diebstahl geschah zwischen Montagnachmittag, 13. April, und Mittwochnachmittag, 15. April.
- Der Verein „Güterhalle für alle“ und die Polizei suchen Zeugen – ein Anhänger könnte genutzt worden sein.
- Eine Frau hatte die Skulptur dem Verein geschenkt, sie stand im Gemeinschaftsgarten an der Alten Güterhalle.
- Bei Rückgabe will der Verein die Anzeige zurückziehen. Spenden für Ersatz laufen über gofundme.com.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Gesuchte ist 4,20 Meter groß, wiegt etwa 40 Kilogramm, ist zwar etwas eingerostet, hat aber eine schlanke Gestalt von zeitloser Eleganz und einen sehr viel größeren Bruder in Paris: In Tübingen klauten Unbekannte eine Nachbildung des Eiffelturms. Die Skulptur stand seit März 2025 auf dem Gelände des Gemeinschaftsgartens vor der Alten Güterhalle an der Tübinger Eisenbahnstraße. Der Platz ist das lebendige Zentrum des recht neuen Viertels rund um den ehemaligen Güterbahnhof. Hier gibt es Flohmärkte, Viertelfeste und private Treffen. Der Eiffelturm ist auch ein Symbol dafür, dass sich im neuen Tübinger Quartier eine starke und engagierte Nachbarschaft entwickelt. Nachts tauchten ihn Lichterketten in trautes Schummerlicht, ein Leuchtturm des Güterhallenvorplatzes ganz eigener Art. „Die Leute haben sich über den Turm super gefreut“, sagt Sophie Eenhuis vom Verein „Güterhalle für alle“, „viele haben dort angehalten und Selfies mit ihm gemacht.“
Der Turm hat eine rührende Vorgeschichte
Das aber ist vorbei. Denn Unbekannte klauten den Turm in der Zeit zwischen Montagnachmittag, 13. April, und Mittwochnachmittag, 15. April. Die Enttäuschung, dass irgendjemand das Mini-Wahrzeichen einfach von seinem Sockel abgeschraubt und mitgehen hat lassen, ist Eenhuis am Telefon deutlich anzuhören. Denn der Turm hat eine Vorgeschichte: Er ist eine Schenkung einer Frau, deren verstorbener Vater viele solcher Skulpturen in seinem Garten aufgestellt hatte. Sie spendete nach dessen Tod den Eiffelturm an den Verein: „Sie war sich sicher, dass ihr Vater sich sehr darüber gefreut hätte, dass ihn nun so viele Menschen sehen konnten.“
Stefan Eenhuis hat eine Vermutung, wann der Diebstahl begangen wurde: In der Nacht auf Mittwoch wurde er nachts wach und bemerkte, dass gegen 4 Uhr ein heller Audi-Kombi längere Zeit in der Nähe des Eiffelturms stand. Die Scheinwerfer waren an. Da dachte sich Eenhuis noch nicht viel dabei. Da die Boulderwand vor der Halle ihm die Sicht auf den Turm verdeckte, kam er nicht auf die Idee, dass da vielleicht gerade jemand den Eiffelturm stahl. Die Polizei berichtet außerdem, dass am Mittwochnachmittag zwischen 14 und 15 Uhr ein silberner oder grauer Sprinter beobachtet wurde, der mit dem Diebstahl in Verbindung stehen könnte.
Verein und Polizei suchen Zeugen des Turm-Klaus
Am Freitag erstattete Eenhuis Anzeige bei der Tübinger Polizei. Die Vereinsaktiven hoffen nun auf Zeugen; möglicherweise wurde zum Abtransport ein Anhänger benutzt. Und auch ein in zwei Hälften geteilter Eiffelturm – er lässt sich in der Mitte auseinanderschrauben – könnte im Straßenverkehr ja aufgefallen sein. Die Täter müssten mindestens zu zweit gewesen sein, glaubt Stefan Eenhuis. Wer etwas gesehen hat, kann sich direkt unter 01633004720 an Sophie Eenhuis wenden, oder an die Polizei unter der Nummer (07071) 91620.
Eenhuis und ihr Mann recherchierten selbst bei E-Bay-Kleinanzeigen, ob der Turm zum Verkauf angeboten wurde. Und sie informierten die Entsorgungsbetriebe der Region, falls jemand ihn als Alteisen abgeben wollte. Wobei der Preis für den Stahl nicht besonders hoch wäre, weil das Gewicht insgesamt doch eher gering ist.
Immer wieder Diebstahl und Vandalismus im Garten
Es ist nicht der erste Fall von Diebstahl oder Vandalismus, der den Gemeinschaftsgarten getroffen hat. Im März 2024 zerstörte ein Mann dort Hochbeete und Sitzmöbel, er entkam unerkannt. Immer wieder verschwinden Hüpfpferde aus Gummi, die dort stehen, damit Kinder mit ihnen herumtollen können. Menschen luden Schrott und Müll auf dem frei zugänglichen Gelände. Und als das Gemüse auf den Hochbeeten erntereif war, ernteten Leute es einfach schamlos ab. Und Ende März zündeten Unbekannte Heuballen an, die dort vor einem großen Plastikpferd als Deko herumstanden: Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Entmutigen lassen wollen sich Eenhuis und ihre Mitstreiter trotzdem nicht: „Tübingen gibt einem so viel zurück“, sagt sie, „es gibt so viele engagierte Leute.“
2016 wurde in Tübingen eine Hai-Attrappe entwendet
Der Fall des Eiffelturms erinnert ans Verschwinden einer anderen auffälligen Skulptur in Tübingen vor einigen Jahren. Damals stahlen Diebe Anfang November 2016 eine drei Meter lange Hai-Attrappe vom Dach des Grillrestaurants „El Pecado“ am Stadtgraben. Dafür kletterten sie eigens mit einer Leiter auf eine Garage und rissen die lebensgroße Raubfisch-Attrappe aus ihren Verankerungen. Dabei gingen sie so rabiat vor, dass ein Teil des Rumpfes und eine Flosse zurückblieben. Den Schaden bezifferte die Polizei damals auf 500 Euro. Obwohl Leute, die einen drei Meter langen Plastikfisch durch die Innenstadt davontrugen, eigentlich hätten auffallen müssen, meldeten sich damals keine Zeugen.

Der Hai warb 2016 für das Grillrestaurant „El Pecado“ - bis ihn Unbekannte einfach abrissen.
El PecadoDas lag vermutlich daran, dass die Hai-Diebe es nicht weit hatten. Denn Mitte Dezember 2016 wurde der angeschlagene Fisch nicht weit vom Tatort entfernt wiedergefunden. Er war im Hausflur eines Mehrfamilienhauses gestrandet. Die Polizei war wegen einer anderen Ermittlung dort und stieß dabei auf den geklauten Hai. Die Hausbewohner hatten sich offenbar wochenlang nicht an dem ungewöhnlichen Mitbewohner gestört. Am Ende bekam ihn der Besitzer zurück. Über so ein Happy-End für den Turm würden sich auch die Aktiven des Vereins „Güterhalle für alle“ freuen.
Bei Rückgabe keine Anzeige – Spenden für neuen Eiffelturm
Der Verein appelliert an Eiffelturm-Dieb: „Er soll den Turm zurückbringen, die Tübinger Stadtgesellschaft hat ihn sehr lieb gewonnen.“ In diesem Fall würde man die Anzeige zurückziehen. Parallel haben sich die Aktiven nach einem Ersatz-Turm umgesehen. Ein ähnliches Modell würde 4500 Euro kosten. Da der Verein diese Summe nicht einfach so stemmen kann, hat er einen Spendenaufruf auf der Internetplattform gofundme.com veröffentlicht. Unter dem Titel „Eiffelturm entwendet: Wir sammeln für Ersatz“ schreibt er: „Wir wollen den Eiffelturm ersetzen und damit ein Zeichen setzen: für Zusammenhalt, für Engagement und dafür, dass man gute Ideen nicht einfach verschwinden lassen kann.“

