30 Tage Openair-Kino: Das Tübinger Sommernachtskino beginnt am Donnerstag

So war es letztes Jahr bei Karoline Herfurts "Wunderschöner". Dieses Jahr bildet der neue Film über Dieter Thomas Kuhn den Auftakt.
Carolin Albers- Sommernachtskino in der Brunnenstraße: Vom 16. Juli bis 15. August laufen Openair-Filme.
- Start mit „Und es war Sommer“ über Dieter Thomas Kuhn – beide Auftaktabende ausverkauft.
- Neu sind größere Überdachung, helleres Bild und zielgerichteterer Sound für Anwohner.
- Sprachfassung via Airpods abrufbar; OVs parallel mit deutscher bzw. englischer Tonspur.
- Mischung aus Blockbustern, Literatur, Dokus und Eberhoferkrimi; Konzerte und Lesung geplant.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Zu warme Nächte? Da gibt es Abhilfe, und das auch noch in einer Straße, die Abkühlung im Namen führt: Der Brunnenstraße. Dort, beim Technischen Rathaus, ist seit wenigen Jahren das Tübinger Sommernachtskino beheimatet. Und so glücklich damit, dass Kinomacher Carsten Schuffert nur wenig ändern will in der auch dieses Jahr wieder angebotenen, 30-tägigen XXL-Version. Ein paar Neuerungen gibt es doch, am wichtigsten: Die Überdachung der Zuschauerplätze ist jetzt größer und bietet zwei Dritteln des Publikums Regenschutz. „Weshalb es vermutlich gar nicht erst regnen wird“, scherzt Schuffert, auch mit leichtem Blick auf die günstigen Wetterprognosen – wobei die jetzt nicht verlässlich vier Woche nach vorn schauen können.
Auch eine neue Soundanlage gibt es, die den Schall zielgerichteter, mit weniger Streuung hinausschickt – das ist vor allem für die Anwohner wichtig. Außerdem wird das Filmbild auf der Leinwand heller sein, auch hier Dank verbesserter Technik. Nicht neu, aber immer stärker nachgefragt: Die Sprachfassung wird direkt auf mitgebrachte Airpods übertragen, egal ob Iphone oder Android Handy. Bei Filmen, die in Originalversion gezeigt werden, kommt die deutsche Fassung via Airpods. Und alle Filme werden parallel auch in ihrer englischen Originalfassung angeboten.
Kuhn-Film ausverkauft

Veranstalter Carsten Schuffert wartet in seinem Sommernachtsdomizil auf die Gäste.
privatDer Großteil der Vorbereitung, mit der das Team des Sommernachtskinos derzeit beschäftigt ist, gilt indes dem Auftakt, zwei Terminen, für die es keine Karten mehr gibt: Die Premiere des Dieter-Thomas Kuhn-Films „Und es war Sommer“, zu der viele Menschen aus der Filmszene, Promis und ehemalige Bandmitglieder kommen. Der erste Termin war so schnell ausverkauft, dass ein zweiter angesetzt wurde. Der war auch schnell voll. Vielleicht hätte man doch noch einen dritten und vierten Abend ansetzen sollen?
Das Filmprogramm bietet einerseits die bekannte Mixtur aus Blockbustern und Tübinger Kinogeschmack, bildet andererseits aber auch sacht den Wandel des Publikumsinteresses ab. Denn neben großen Kinoerfolgen wie „One Battle After Another“ (24. Juli, 21.30 Uhr), „Hamnet“ (23. Juli, 21.30 Uhr), „22 Bahnen“ (28. Juli, 21.15 Uhr), „Marty Supreme“ (8. August, 21 Uhr) oder dem furchtbaren Schinken „Wuthering Heights“ (3. August, 21 Uhr) stößt man da auch auf einen Film wie „Steckerlfischfiasko“ (14. August, 21 Uhr), den neuen Eberhoferkrimi, ein Genre, das es, wie Schuffert einräumt, „früher im Sommernachtskino nicht gegeben hätte“. Heute aber läuft so was wie geschmiert. Und so kommt dieser Eberhofer gleich zum Bundesstart ins Sommernachtskino.
Ein Film wird sogar Tübinger Vorpremiere feiern. Und zwar „Cheri, ich komme“ (19. Juli, 21.30 Uhr), eine Reise durch Liebe, Lust und Selbstbestimmung: Fanny hatte noch nie einen Orgasmus. Tom, ein Ingenieur, beschließt, ein Gerät zu entwickeln, das die weibliche Lust revolutionieren wird.
Von Kaminer bis Messner
Freuen darf man sich auf einige der besten animierten Komik-Helden unserer Zeit, „Minions&Monster“ (31. Juli, 21.15 Uhr), auf eher stille Literaturverfilmungen wie Max Frischs irgendwie nicht tot zu kriegenden „Stiller“, mit der wunderbaren Paula Beer (2. August, 21.15 Uhr). Und die obligarorische Abenteuer-Doku, in dem Fall „Same Sun – Mit dem Fahrrad durch Afrika“ (4. August, 21 Uhr). Afrika-Radlerin Wiebke Lühmann ist anwesend.
Apropos anwesend: Wladimir Kaminer liest ganz ohen Russendisko aus seinem neuen Buch „Anleitung für Nachbarn“ (21. Juli, 20.30 Uhr), die Kölner Band Fortuna Ehrenfeld kommt nach einem Auftritt in der ausverkauften Kölner Philharmonie mit „schamloser Melancholie und gepflegter Eskalation“ nach Tübingen (30. Juli, 20.30 Uhr), The Jakob Manz Project bringt den in Dettingen aufgewachsenen Ausnahmejazzer mitsamt seiner Band zurück in die Region (12. August, 20.30 Uhr) und Reinhold Messner hält seinen erfolgreichen Multivisionsvortrag „Über Leben“ (13. August, 21 Uhr). Möglicherweise wird da auch der Klimawandel gestreift, der unter anderem die Zahl der warmen Nächte erhöht, was die Menschen noch etwas dankbarer macht, nachts rausgehen zu können. Mit dem Hund. Oder ins Sommernachtskino.
Kosten, Preise
Die Preise liegen bei den Filmen bei 13 Euro (Liegestühle 19, plus Flaschengetränk, Sofalounge mit Cocktail 26,50), bei den live-Acts so zwischen 30 und 40 Euro – was Letzteres jetzt nicht ausgesprochen billig ist. Aber das ist der Trend: Bands zum Beispiel sind aufgrund der zurückgegangenen Verkäufe von Tonträgern auf Konzert-Einnahmen so angewiesen, dass viele von ihnen Honorare verlangen, bei denen der Kinomacher gar nicht mitgehen kann, weil er solche Kosten nicht ans Publikum weitergeben könnte. Insofern gibt es dieses Jahr wieder viel Kerngeschäft: Film eben. Einen ganzen Monat lang. „Die WM ist dann ja auch vorbei“, sagt Carsten Schuffert. Stimmt.
Info
Vom 16. Juli bis 15. August hinterm Technischen Rathaus, Brunnenstraße. Programm und Karten unter www.sommernachtskino.de, keine Abendkasse. Der Biergarten öffnet eineinhalb Stunden vor Veranstaltungsbeginn
