Graffiti
: Wandbild in Tübingen spielt auf Werbeclip mit Dieter Zetsche an

Der Hamburger Streetart-Künstler Lapiz hat eine Wand an der Tübinger Shedhalle gestaltet. Hier erklärt er, was er sich dabei gedacht hat.
Von
Moritz Siebert
Tübingen
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Neues Graffiti an der Tübinger Shedhalle

Das neue Wandbild an der Shedhalle spielt auf einen BMW-Werbeclip an.

Lapiz
  • Graffiti-Wandbild in Tübingen von Lapiz thematisiert BMW-Werbeclip mit Dieter Zetsche.
  • Lapiz’ Werk kritisiert Minimalrenten und geringen Lohn; Pfandflaschen-Sammeln als Nebenverdienst.
  • Der Hintergrund zeigt Symbole für soziale Hilfen und einen Luxusartikel.
  • Das Kunstwerk entstand während der Ausstellung "Zerteilt" und misst 4x5 Meter.
  • Lapiz, jetzt in Hamburg, lernte Streetart in Neuseeland. Hat auch in Afrika und Argentinien gearbeitet.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein Mann mit Schildmütze sammelt Pfandflaschen. Im Hintergrund sind rhythmisch angeordnet die Symbole der Tafel und des Arbeitsamts, dasjenige für Hartz IV und der Grüne Punkt. Darüber steht der Titel "Retirement (is about exploring your wide open future)". Im Auftrag des Shedhallen-Vereins hat der mittlerweile in Hamburg lebende Künstler Lapiz ein Kunstwerk für eine Wand der Shedhalle im Tübinger Schlachthofgelände gestaltet. Der Titel, erklärt der Künstler selbst, entstamme einer BMW-Werbung zum Abschied des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Daimler AG Dieter Zetsche. Der Clip aus dem Jahr 2019 zeigt, wie Zetsche bei Daimler verabschiedet wird, am Ende fährt er mit einem BMW aus der Garage seines Wohnhauses.

Der Titel des Clips sei purer Hohn angesichts der Minimalrenten und des geringen Lohns vieler Mitmenschen, so der Künstler Lapiz. Zahlreiche Geringverdiener besserten sich ihr Einkommen mit dem Sammeln von Pfandflaschen auf. "Ist der Mensch überhaupt noch etwas wert in dieser Konsum- und Leistungsgesellschaft?"

Der Hintergrund ist eine Interpretation des Musters einer Luxustasche. Der Grüne Punkt steht im übertragenen Sinne für das Einsammeln und Wiederverwerten von Konsummüll. Entstanden ist das Werk während der Ausstellung "Zerteilt" in der Shedhalle und befindet sich dort am Eingang. Gestaltet hat der Künstler das 4 mal 5 Meter große Wandbild mit Schablonen, Aerosol und Acrylfarbe. Lapiz lebt inzwischen in Hamburg und hat sich das Malen in den Straßen von Dunedin (Neuseeland) beigebracht. Er arbeitete auch schon in Afrika und Argentinien.