Kubanisches Lebensgefühl: Conexión Cubana stellen ihr neues Album vor

Conexion Cubana stellen ihr neues Album unter dem Titel „La Maravilla“ am Freitag, 17. Mai, um 20 Uhr, im Reutlinger franz.K vor.
Nicht gesetztAuf Kuba genießen sie längst den Ruf, die derzeit besten Vertreter des kubanischen Son und Bolero zu sein. Denn die siebenköpfige Band Conexión Cubana versteht die Tradition nicht im Sinne von bewahrender Reproduktion, sondern versucht ihr innovative Impulse mitzugeben. Auf dem neuen Album „La Maravilla“ („Das Wunder“) präsentieren Bandleader, Bassist und Komponist Nicolás Sirgado, der Sänger William Borrego Rodriguez, die beiden Gastsänger Mayito Rivera und Pedrito Calvo sowie sechs weitere Instrumentalisten einen Mix aus Eigenkompositionen und einige der bekanntesten Son- und Bolero-Evergreens, unter anderen von Maria Teresa Vera und Manuel Corona.
Der Titel des Albums geht auf ein altes Wohnhaus namens „La Maravilla“ in der Altstadt Havannas zurück, in dem die große kubanische Komponistin Maria Teresa Vera zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte und das durch Zufall auch als Kulisse für Fotoshootings und Aufnahmen für ein Promovideo zu dieser Produktion diente. Im Innenhof dieses Hauses gingen damals fast täglich musikalische Schwergewichte wie Sindo Garay, Manuel Corona, Villalón und Compay Segundo ein und aus und suchten gemeinsam mit Maria Vera nach neuen musikalischen Horizonten. Zudem hatte hier der unvergängliche und weltweit bekannte Klassiker „Longina“ seinen Ursprung. Das Lied wurde von Manuel Corona komponiert, der sich in das ebenfalls im Haus „La Maravilla“ lebende wunderschöne Mädchen Longina unsterblich verliebte und ihr diesen später um die Welt gehenden Son-Hit widmete. Beide Titel sind auch auf dem Album vertreten.
Die Altstadt Havannas gilt als Ursprungsort des kubanischen Son, der sich durch seine geraden Taktarten und der mitreißenden Rhythmik auszeichnet. Wichtig ist der vielstimmige Gesang, der das Album ebenfalls prägt. Er treibt die Salsa- und Son-Figuren vorwärts und schafft diese unvergleichliche Atmosphäre, für die die kubanische Musik so geliebt wird. Sehr eingängig ist auch die Akzentuierung, die die Gasttrompeterin Diana Osuny mit ihren hinreißenden Soli setzt. Dazu brilliert Leadsänger William Borrego Rodriguez mit seiner voluminösen Stimme. Auf die klebrig-süßen Bolero-Varianten, die sich vor allem in den exilkubanischen Kreisen Floridas großer Beliebtheit erfreuen, hat das Ensemble bewusst verzichtet.
Stattdessen beschreiten die insgesamt zehn Musiker zielsicher den Weg zurück zu den Wurzeln und lassen dabei das Instrumentarium der klassischen Septeto-Formation in neuem Glanz erstrahlen: Gitarre, Tres, Congas, Piano, Timbales, dazu Bass und Trompete. Vom Auftreten her sind Conexión Cubana auf eine durchaus einnehmende Weise der Tradition verpflichtet. Die Musiker gebärden sich nicht als überdrehte Entertainer, animatorische Rituale setzen sie nur sehr sparsam ein. Dies hat das Ensemble auch gar nicht nötig. Ihr Son, das Lebenselixier Kubas, ist so bezwingend, dass ohnehin jeder wippt oder tanzt bei dieser Musik.
Mit viel Groove und sentimentalem Tremolo zelebrieren Bandleader und Bassist Nicolás Sirgado und seine Mitmusiker ihre leidenschaftlichen Bekenntnisse und sorgen für die typisch fließende Rhythmik, die auf diesem Album nicht nur die Tradition des Son wiederbelebt, sondern mitreißender Beweis dafür ist, dass dieser kubanische Musikstil aktueller ist denn je. Jürgen Spieß
