Internationaler Sommerkurs in Tübingen: Von Sonnenuntergängen, Müllsäcken und fahrradfreundlichen Autofahrern

Studierende des internationalen Sommerkurses (von links oben nach rechts unten): Davide Molinari, Patrizia Cattozo, Ottilie Brown, Luca Owen-Jones, Catalina Lozano, Adam Kalisiak, Evelyne-Chris Istrate, Bomi Choi, Stine Buhl Hansen, Yang Ding.
Universität Tübingen- 130 Akademiker aus 30 Ländern lernen vier Wochen Deutsch an der Uni Tübingen.
- Zehn Studierende schildern Eindrücke: Stadt, Kurs, Menschen und Alltagsdetails.
- Themen reichen von Edeka-Entdeckung und Müllsäcken bis zu fahrradfreundlichem Verkehr.
- Erlebnisse: Sonnenuntergang im 11. Stock – Streit an der Rutsche hilft beim Deutsch.
- Weitere Beobachtungen: Schlüsselpannen, Stiftskirchentreppen, geplante Zufälle in der Stadt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Vier Wochen lang lernten 130 überwiegend junge Akademiker aus 30 Ländern an der Tübinger Universität die deutsche Sprache. Zum internationalen Sommerkurs vom International Office der Uni Tübingen gehört nicht nur Sprache, sondern auch Land und Leute. Chorsingen, Theaterspielen, Exkursionen: Es gab viel zu erleben. Zehn der Teilnehmer fassen hier ihre ganz eigenen Eindrücke von Tübingen zusammen.
Edeka-Trip in Tübingen
(Ein Text von Ottilie Brown aus Großbritannien)
Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, hatte ich noch nie von Edeka gehört. Jetzt bin ich seit drei Wochen hier in Tübingen und war noch nie so glücklich! Edeka ist mein Lieblingsort geworden. Während der ersten Woche habe ich diesen Supermarkt zufällig mit einer Freundin entdeckt, und das war der beste Tag meines kurzen Lebens. Es gab eine komfortable Rolltreppe über zwei Stockwerke. Außerdem gab es tolle Produkte wie Mini-Schokokekse, Bio-Milch und so viele verschiedene Joghurts! Was ich noch erstaunlicher fand, war die Selbstbedienungskasse. Sie war effizient und ich hatte absolut keine Probleme damit. Ich war noch begeisterter, als ich herausgefunden habe, dass es in Tübingen sogar mehrere Edekas gibt! Bisher habe ich wahrscheinlich fast alle Edekas besucht und sogar ein paar in Stuttgart. Man könnte das als einen Edeka-Trip bezeichnen. Wenn ich schließlich nach England zurückmuss, bin ich sicher furchtbar verstört. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass Edeka auch nach England kommt! Aber bis dahin muss ich wieder in normale Supermärkte gehen.
Erster und zweiter Eindruck
(Ein Text von Patrizia Cattozzo aus Italien)
Der erste Eindruck von Tübingen war nicht besonders positiv: Hitze, trockene Wiesen, gelbe Abfallsäcke überall auf der Straße, im Müll wühlende Obdachlose, und eine sehr schmutzige Wohnung. Wo bin ich gelandet, war mein erster, verzweifelter Gedanke, wo ist das Deutschland, das ich kenne und schätze? Aber dann, in den darauffolgenden Tagen, konnte ich meine Haltung komplett ändern. Zuerst dank des Deutschkurses an der Uni, der so gut organisiert ist und uns allen geholfen hat, die ersten Hürden zu überwinden. Dadurch habe ich nicht nur ausländische Studierende, sondern auch viele nette Deutsche kennengelernt. Bei eingehender Betrachtung habe ich dann die Schönheit der Stadt entdeckt. Ich meine nicht nur, dass die Altstadt prächtig aussieht und zahlreiche malerische Stellen birgt, sondern auch die vielen Möglichkeiten für die Einwohner: umweltfreundliche Fahrradwege, ein regelmäßiger Busverkehr mit hilfsbereiten Busfahrern (nirgendwo anders gesehen!), viele Orte, an denen sich die Leute treffen und entspannen können, also eine menschengerechte Stadt!
Ein anderer Sonnenuntergang
(Ein Text von Davide Molinari aus der Schweiz)
Ich komme aus der Schweiz und habe erwartet, dass Tübingen ähnlich wie meine Heimat sein wird. Kleine Stadt, ein Fluss, viele Fahrräder und Busse. Aber eine Sache war ganz anders. Die Landschaft. Ich hatte das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich wusste zuerst nicht was, aber dann habe ich es verstanden: die Berge! Es war sehr komisch für mich, aber am Abend habe ich etwas Unglaubliches gesehen. Meine Wohnung ist im 11. Stock, und während ich meine Hausaufgaben gemacht habe, konnte ich aus meinem Fenster den Sonnenuntergang sehen. Zuerst war der Himmel gelb, dann orange und am Ende feuerrot. Ich konnte die Hausaufgaben nicht mehr weitermachen, weil ich so überrascht war. In meiner Region in der Schweiz ist der Sonnenuntergang ganz anders. Ich kann die Farben dort wegen der Berge nicht sehen. Da habe ich etwas Wichtiges verstanden. Vielfalt kann uns neue Dinge zeigen. Wenn wir immer nur unsere eigene Perspektive und unsere eigene Welt kennen, können wir viele schöne Dinge nicht entdecken. Manchmal müssen wir etwas Neues erleben, um die Welt anders zu sehen.
Deutsch üben im Schwimmbad
(Ein Text von Luca Owen-Jones aus Großbritannien)
Endlich habe ich eine perfekte Methode gefunden, um Deutsch zu üben. Bis jetzt hat mich mein englischer Akzent verfolgt. Anders als in Paris sprechen die Deutschen zumindest dann ihre Sprache mit mir, wenn ich perfekt verstehe und antworte. Sie wechseln jedoch schnell zu Englisch, sobald ich einen kleinen Fehler mache. Mein größtes Problem ist mein schlechtes Gehör, oft würde ich eine Wiederholung auf Englisch brauchen! Aber in einer Fremdsprache bekomme ich keine zweite Chance. Letzte Woche jedoch hatte ich eine neue Erfahrung. Ich war im Freibad, das Wasser kalt und erfrischend, alles war schön. Aber dann, eine große Überraschung: Die Kinder haben die Warteschlangen an der Rutsche nicht respektiert. Immer haben sie versucht, sich vorzudrängeln. Also, ich bin Britin; wir haben die Schlange praktisch erfunden!Ich musste hier etwas Passiv-Aggressives sagen. Zu meiner Überraschung haben sie auf Deutsch geantwortet, mit etwas, was ich verstehen konnte! Endlich!, dachte ich, hier ist eine Methode, mein Deutsch zu verbessern: Ich muss nur mit Kindern über die Rutsche streiten.
Mein Tübingen-Pferd
(Ein Text von Yang Ding aus China)
Am Morgen eilte ich von zu Hause mit meinem Fahrrad zum Sommerkurs im Brechtbau. Ich hatte das Gefühl, ich würde zu spät kommen. Stressig! Ich schloss mein Fahrrad auf und sprang darauf. Ich fing an, in die Pedale zu treten. Es gibt morgens viele Autos. Ein Auto ist natürlich schneller als mein Fahrrad. Und ich fahre direkt vor einem Auto auf der Wilhelmstraße! Ich hatte Angst! Aber die Autos fuhren langsamer als mein Fahrrad, und als ich abbiegen musste, warteten die Autos auf mich. Da habe ich das Schild gesehen – es ist Fahrradvorfahrt. Ich war so schnell wie ein Pferd! Mein Pferd sauste an der Universitätsbibliothek vorbei, an der Mensa, und jetzt bin ich schon hier an der Wilhelmstraße 50! Ich bin fünf Minuten früher da, als der Deutschunterricht beginnt. Gibt es einen Parkplatz für mein Pferd? Oh, es gibt viele Parkplätze für mein Tübingen-Pferd, direkt vor den Gebäuden. Mein Pferd ist glücklich. Ich fühle mich sehr sicher, wenn ich mit meinem Fahrrad in Tübingen fahre, ohne Angst zu haben, dass es keinen Radweg gibt oder dass die Autos gefährlich für mich sind. Und es ist sehr schnell!
Ein unvergesslicher Mittwoch
(Ein Text von Evelyne Istrate aus Rumänien)
Trotz meines sehr straffen Kursprogramms nahm ich mir die Zeit und ging mit einem Freund an einen Ort, der uns von einer KI für die Sonnenfinsternis empfohlen worden war. Wir mussten nicht nur einen sehr steilen Pfad mit vielen Stufen durch den Wald hinaufsteigen, sondern befürchteten unterwegs auch, es nicht rechtzeitig zu schaffen. Als wir schließlich atemlos oben ankamen, konnten wir von unserer Position aus gar nichts sehen, weil uns die Bäume die Sicht versperrten. Ein nettes Paar, das hinter uns ging, bemerkte, wie wir suchten und enttäuscht waren, die Sonnenfinsternis womöglich zu verpassen; sie boten uns an, uns zum eigentlichen Aussichtspunkt zu führen. Dort angekommen, waren wir völlig verblüfft und überwältigt, als wir eine Live-Band spielen sahen. Wir sahen uns an und sagten: „Es hat sich gelohnt.“ Nachdem wir uns auf dem Gras niedergelassen und unsere Sonnenfinsternis-Brillen hervorgeholt hatten, haben wir bemerkt, dass das nette Paar, das uns geholfen hatte, keine Brille besaß. Da ich eine zusätzliche Brille dabei hatte, überließ ich sie ihnen als Dankeschön für ihre Hilfe. Denn dank ihnen konnten wir nicht nur die wunderschöne Sonnenfinsternis erleben, sondern auch einen sehr angenehmen Sonnenuntergang genießen. Alles in allem sind die „Tübinger“ sehr herzliche Menschen, und ich kann bestätigen, dass das Klischee, die Deutschen würden nicht lachen und seien sehr ernst, nicht auf ganz Deutschland zutrifft.
Hast du den Schlüssel dabei?
(Ein Text von Bomi Choi aus Südkorea)
Seit elf Monaten wohne ich schon in Deutschland. Ich werde nie vergessen, wie ich hier zum ersten Mal meinen Schlüssel verloren habe. In Korea, meinem Heimatland, benutzen wir normalerweise elektronische Türschlösser. Das heißt, ich muss nicht an jedem hektischen Morgen ständig überprüfen, ob ich meinen Schlüssel dabei habe. Damals musste ich ein paar hundert Euro bezahlen und zusätzlich lange draußen warten. Ich konnte noch nicht so gut Deutsch, deswegen war es sehr schwer, jemanden zu finden, der mir helfen konnte. Außerdem war ich total schockiert über den hohen Preis. Seitdem habe ich mich daran gewöhnt, meinen Schlüssel immer mitzunehmen. Aber unglücklicherweise ist meiner Freundin wieder eine ähnliche schlimme Situation passiert: Schlüssel vergessen! Sie wohnt erst seit kurzer Zeit in Deutschland. Wir haben vor der Wohnung auf ihre Mitbewohner gewartet, aber bis 23.00 Uhr ist niemand gekommen. Zum Glück wohnt sie im zweiten Stock, deswegen konnte ich auf die Schultern meines großen Freundes steigen, durch ein Fenster klettern und den Schlüssel retten. Seit diesem Vorfall frage ich sie immer: „Hast du den Schlüssel dabei?“
Die Stiftskirchentreppen
(Ein Text von Catalina Lozano aus Spanien)
Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich in Tübingen angekommen bin. Nach einer langen Fahrt von Frankfurt und mit den tollen Verspätungen der Deutschen Bahn bin ich gegen ein Uhr nachts angekommen. „So, und jetzt muss ich meine WG finden, krass“, dachte ich. Mein 23 Kilogramm schwerer Rollkoffer war echt laut, wie peinlich! Zum Glück war es nicht Sonntag! Stattdessen war es ein belebter Samstagabend. Es waren so viele Leute mit Freunden unterwegs. Überall waren Lichter an und die Leute lächelten. Und ich musste meinen Koffer die steilen Straßen hochziehen. Boah! Und dann habe ich die Leute gesehen, die alle auf den Kirchentreppen saßen, wie in einem römischen Kolosseum. Ich musste an ihnen vorbeilaufen. Ich habe mich wie ein Zirkustier gefühlt. „Was glaubst du, wie lange kann dieses Mädchen ihren Koffer ziehen, ohne dass sie stolpert?“ Ich war völlig verschwitzt, aber ich habe es geschafft! Dabei hätte ich fast meinen Koffer verloren! Endlich habe ich die Haustür erreicht. Zu meiner Überraschung warteten viele kleine, schmale, steile Treppen auf mich. Oh nein!
Müllsäcke!
(Ein Text von Stine Buhl Hansen aus Dänemark)
Ich war sehr begeistert von der konsequenten Mülltrennung der Tübinger. Genau wie in Dänemark gilt es als Tugend, den Müll zu trennen und auf diese Weise hoffentlich sich selbst und der Welt zu helfen. Eine Sache ist mir jedoch aufgefallen, die ich ziemlich merkwürdig finde. Jeden Abend, wenn ich zu meiner WG nach Hause gehe, stoße ich auf dem Bürgersteig auf Berge von Müll. Der Bürgersteig wird nicht nur zu einer Hindernisbahn, sondern ist auch vom Gestank nach verdorbenem Essen eingehüllt. Da kommt meine tiefe Angst vor Ratten in mir hoch. Dann muss ich an die Straßen von New York zurückdenken, wo die Ratten einen Spaziergang zu einem Schlittschuhlauf machten. Trotz alledem muss ich aber zugeben, dass ich hier lediglich eine Ratte gesehen habe … die vielleicht sogar ein Igel war. Allerdings wundere ich mich immer noch darüber, dass man nicht Mülltonnen auf den Bürgersteig stellt, anstatt die Müllsäcke lose herumliegen zu lassen. Aber vielleicht ist das System in Tübingen anders? Ist es für die Müllmänner einfacher? Oder haben sie vielleicht einfach nicht den richtigen Müllwagen, um schwere Mülltonnen anzuheben? Wie dem auch sei, es wirkt wie eine etwas seltsame Praxis in einer ansonsten schönen und sauberen Stadt.
Die geplanten, zufälligen Treffen
(Ein Text von Adam Kalisiak aus Polen)
Ein Treffen kann entweder geplant oder zufällig sein, zumindest scheint es so auf den ersten Blick. Die geplanten Treffen sind selbstverständlich, vorhersehbar, eingeschrieben in den Plan des Tages, man weiß mit wem, wo, um welche Uhrzeit. Die zufälligen Treffen sind das Gegenteil davon. Man hat sie nicht erwartet, nicht geplant, man ist oft selbst überrascht von ihnen. Tübingen scheint mir aus diesem Gegensatz herauszutreten. Das Leben hier bietet etwas in der Mitte. Wenn man zur Bushaltestelle geht, trifft man (fast) immer jemanden. Wen man trifft, ändert sich abhängig von der Uhrzeit oder vom Tag, aber ein Bekannter ist fast immer da. Nach der Fahrt mit dem Bus läuft man im Stadtzentrum herum und dort spaziert ein Freund. Besucht man die Mensa, sieht man noch eine Gruppe von Bekannten. Geht man in die Stadt, um etwas zu essen, sitzt da beim Tisch eine Freundin. Dank seiner Kleinheit, des bunten Studentenlebens und der Struktur des Stadtzentrums macht Tübingen den Eindruck, diese unerwarteten, aber nicht wirklich überraschenden Treffen selbst anzubieten. Durch ihren Charakter schlägt die Stadt sie vor, regt zu ihnen an. Das zufällige Treffen ist hier nicht so zufällig, eher geplant, aber nicht durch uns selbst.