Stromausfall in Tübingen: Kabelschaden löst Kettenreaktion aus – auch Banken betroffen

Ziemlich finster war's am Freitag, dem Dreizehnten, zur Mittagszeit im Fahrradtunnel durch den Tübinger Schlossberg: Mehr als eine Stunde lang war in Teilen Tübingens der Strom weg.
Vincent Meissner- Stromausfall in der Tübinger Altstadt am Freitag seit 12 Uhr.
- Zeitpunkt der Behebung noch unbekannt.
- Weitere betroffene Stadtteile noch unklar.
- Stadtwerke Tübingen informieren über die aktuelle Lage.
- Ursache und Dauer des Ausfalls werden untersucht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Am Freitagmittag um 11.40 Uhr war in großen Teilen Tübingens der Strom weg. Für mehr als eine Stunde. Nach Informationen der Tübinger Stadtwerke (SWT) waren die gesamte Innen- und Altstadt Tübingens, außerdem die Weststadt, Teile der Südstadt und Teile von Waldhäuser Ost betroffen. Außerdem gab es auch in Derendingen, Hirschau, Bühl, Weilheim, Kilchberg und Unterjesingen keinen Strom. Im benachbarten Ammerbuch waren Pfäffingen, Reusten und Teile von Poltringen von dem Ausfall betroffen. Erst um 12.46 Uhr war die Vollversorgung wieder hergestellt.
Grund für den Stromausfall war nach Auskunft der Stadtwerke ein Kabelschaden im Netz, der eine unerwartete Kettenreaktion ausgelöst hatte, in deren Folge es um 11.40 Uhr zur Störung im 20-Kilovolt-Netz kam. Eine Stunde später konnte die Strom-Vollversorgung durch Umschaltungen wiederhergestellt werden. Die Analyse der genauen technischen Hintergründe dauern nach Angaben der SWT noch an. Die Techniker arbeiten an einer vollständigen Fehlerbehebung.
Polizei regelt Verkehr bei Stromausfall
Die Polizei war mit einer Vielzahl an Einsatzkräften in Tübingen unterwegs, sagte ein Polizei-Sprecher dem TAGBLATT. Am Westbahnhof und am Schlossbergtunnel etwa, um dort den Verkehr zu regeln. Denn auch Ampel-Anlagen waren ausgefallen.
Die Tübinger Feuerwehr war am Freitagmittag selbst an vielen ihrer Tübinger Standorte ohne Strom. Allerdings sind die Leitstellen von Feuerwehr und Rettungsdiensten mit Notstromaggregaten erstmal unabhängig vom öffentlichen Netz. Zwar waren auch Internet, Telefon- und Mobilfunknetz zeitweise ausgefallen, das Funknetz von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst funktioniert aber unabhängig, sodass die Alarmierung am Freitag gut funktionierte: „Wir haben sicherheitshalber alle Feuerwehrhäuser besetzen lassen“, berichtete Leitstellendisponent Sven Grässlin am Nachmittag. Denn die Feuerwehr alarmiert im Fall größerer Stromausfälle vorsorglich mehr Leute, um vorbereitet zu sein, falls zum Beispiel jemand im Aufzug feststeckt. Am Freitag habe es dann aber keine Einsätze im Zusammenhang mit dem Stromausfall gegeben, so Grässslin.
Bereits am Montag, 9. Dezember, hatte es einen Stromausfall in Tübingen gegeben. Einen Zusammenhang mit dem Stromausfall am Freitag gibt es laut Stadtwerke-Sprecher Ulrich Schermaul nicht.
Tal-Kliniken: Die Notstromversorgung sprang an
Auch das Universitätsklinikum Tübingen war vom Stromausfall betroffen, allerdings nur in einigen Bereichen: Die Einrichtungen auf dem Schnarrenberg blieben laut erster Auskunft der Pressestelle verschont, in den Kliniken im Tal und den Einrichtungen der Universität sprang kurzfristig die Notstromversorgung ein. Die Mitarbeiter des technischen Betriebsamtes rückten aus, um die Systeme auf Folgefehler zu überprüfen – die es aber nach ersten Informationen nicht gab.

Auch das Kaufhaus Zinser war von dem Stromausfall betroffen.
Carolin AlbersGastronomie: Kundschaft musste warten, Kaltgetränke gingen noch
Weil der Stromausfall sich genau zur Mittagszeit ereignete, beeinträchtigte er auch das Mittagsgeschäft der Restaurants, Cafés und Bars in Tübingen. Petra Ott-Fischer, die den Neckarmüller leitet, sagte: „Die Leute sind hereingekommen und wir mussten sie vertrösten.“ Anstatt den Gästen Mittagessen anbieten zu können, mussten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herumstehen und konnten nicht arbeiten. „Das Essen, das die Küche für das Mittagsgeschäft vorbereitet hat, wird nicht verkommen“, so Ott-Fischer: „Das kriegen wir schon noch los.“ Größer sei die Sorge um die Technik gewesen: Würde sie Schaden nehmen? Am Freitagnachmittag gab es Entwarnung, die wichtigsten technischen Geräte hatten den Stromausfall heil überstanden und das Neckarmüller-Team konnte weiterarbeiten.
Anna Hammer, Pächterin der Marktschenke, meinte, dass ihre Kundinnen und Kunden die Situation recht locker genommen hätten: „Wir konnten keine Heißgetränke produzieren und die Küche lief nicht weiter“, sagte Hammer. „Das war schade, aber ich muss sagen: Die Leute waren entspannt.“ Zum Teil hätten sie länger gewartet, zum Teil einfach das bestellt, was noch ging: „Die haben dann einfach Kaltgetränke oder Sekt getrunken – das, was wir eben noch anbieten konnten.“ Weil die Kasse durch den Ausfall ebenfalls nicht funktionierte, musste das Team alles bar abrechnen, aufschreiben und hinterher in der Kasse nachtragen. Insgesamt resümierte Hammer: „Für uns war es nicht so schlimm.“
Dank Gas-Anschluss kamen auch die Stände auf dem Weihnachtsmarkt glimpflich davon
Ebenfalls glimpflich davongekommen sind die Vereine, die auf dem Tübinger Weihnachtsmarkt Essen, Trinken und Waren anboten. Am Stand des TSV Hirschau gab es aufgrund des Stromausfalls keine Pommes und keinen Glühwein mehr. „Wir haben Gas gegeben“, scherzt einer der Verkäufer auf die Frage, wie sie mit der Situation umgegangen seien. Denn Schupfnudeln und Rote Würste, die auf dem Gasgrill zubereitet wurden, konnten weiterhin angeboten werden.
Während beim DLRG die Waffeln ausfielen, konnte der Glühwein dank Gasanschluss weiterverkauft werden. „Davon haben wir dann profitiert“, erklärte ein Mitglied der DLRG. Die Verkäuferinnen und Verkäufer am Stand des Tübinger Schwimmvereins nahmen die Situation ebenfalls gelassen: „Wir konnten nichts ändern und haben das Beste daraus gemacht.“ Auch der Stand mit heißer Schokolade vor dem Café Chocolat hatte Glück: Dank der Restwärme im Topf blieb die Schokolade warm und flüssig und konnte weiterverkauft werden.
Banken von Stromausfall in Tübingen betroffen
Folgen hatte die Stromunterbrechung auch für Bankkunden. Beispielsweise der Kreissparkasse Tübingen. „Sechs Filialen waren betroffen“, informierte Ulrich Schall, Abteilungsdirektor Betrieb und stellvertretendes Vorstandsmitglied. Was unter anderem bedeutet habe, dass die Geldautomaten dort herunterfuhren und kein Geld mehr ausspuckten. Die Hauptfiliale am Lustnauer Tor indes blieb verschont, nicht jedoch das Sparkassen-Carré, der Sitz des Instituts. Dort konnte dennoch weitergearbeitet werden – der Notstromversorgung sei Dank. Vonseiten der Bankaufsicht sei man verpflichtet, für solche Fälle entsprechend vorzusorgen. Schall: „Unsere Notstromversorgung springt nach drei Sekunden Unterbrechung an. Uns war es also möglich, während der Dreiviertelstunde ganz normal weiterzuarbeiten.“
Ebenfalls vom Stromausfall betroffen war die Walter AG. Welche Folgen das zeitigte, ist allerdings noch nicht ganz klar. „Derzeit ist es noch zu früh, um die genauen Auswirkungen des Stromausfalls zu beurteilen, aber wir werden die Situation in den kommenden Tagen umfassend analysieren“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage schriftlich mit. Weiter: „Unsere Mitarbeiter befinden sich weiterhin in Sicherheit, und es wurden keine Zwischenfälle gemeldet.“ Glimpflich ging die Energieunterbrechung offenbar auch für Erbe Elektrotechnik und deren Mitarbeiter aus. „Mir kam nicht zu Ohren, dass es größere Probleme gegeben hat“, so Sprecher David Malecki – auch Erbe verfügt über Notstromaggregate. Lediglich die Kantine habe wegen des Stromausfalls die Arbeit später als gewohnt aufnehmen können.
Wiedereinschalten des Stroms verursacht Defekte
Auch in vielen städtischen Gebäuden war am Freitag der Strom weg. „In dieser Zeit konnte keine Arbeit am PC stattfinden, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren auch telefonisch nicht erreichbar“, berichtete Claudia Salden von der städtischen Pressestelle. Im Bürgerbüro Stadtmitte und im Ausländeramt waren für diese Zeit mehr als 20 Termine anberaumt, die mangels Elektrizität ausfielen und neu vereinbart werden müssen. Städtische Mitarbeiter, die außerhalb des betroffenen Gebiets arbeiteten – im Technischen Rathaus oder im Homeoffice – bemerkten den Stromausfall teils gar nicht. In der Verwaltungsstelle Bühl gab es beim Wiedereinschalten des Stroms einen Defekt in einem Verteilerkasten der Telekom, der zu einem Ausfall der Datenanbindung führte. In der Ludwig-Krapf-Schule und im Kinderhaus Mühlenviertel gab es Defekte in zwei Netzteilen, die nun am Montag ausgetauscht werden sollen.