Immunzellen gegen Krebs
: Tübinger Forscher machen Hoffnung auf verbesserte Krebstherapie

Tübinger Forschende haben körpereigene Immunzellen mit der Genschere so verändert, dass sie gegen aggressive Tumoren wirken könnten.
Von
Lisa Maria Sporrer
Tübingen
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Blutkrebs. Ausbruch von Leukämie und Krebs im Blut und Behandlung bösartiger Zellen im menschlichen Körper, die durch Karzinogene und Genetik verursacht werden, wobei eine Krebszelle als Symbol für Immuntherapie oder Lymphom und Onkologie dient. Download am 28.1.25 für Redaktion Reutlingen. 799829583 Foto: © freshidea/adobe.stock.com

Bei Blutkrebserkrankungen zeigt die Therapie mit CAR T-Zellen bereits große Erfolge.

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  • Tübinger Forschende nutzen CRISPR-Technologie, um Immunzellen gezielt gegen Tumoren zu stärken.
  • Mit CRISPR-Base-Editing werden gezielt DNA-Bausteine verändert, um Wirksamkeit zu erhöhen.
  • Therapie mit CAR T-Zellen zeigt großen Erfolg bei Blutkrebs, bleibt bei soliden Tumoren bisher erfolglos.
  • Tests an Mäusen zeigen Erfolg bei aggressiven Tumoren, wie Neuroblastom bei Kindern.
  • Ergebnisse der Studie wurden im Fachjournal „Nature Cancer“ veröffentlicht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Für die CRISPR/Cas-Technologie, die landläufig auch „Genschere“ genannt wird, erhielten 2020 zwei Forscherinnen den Chemie-Nobelpreis. Die Französin Charpentier und die Amerikanerin Doudna konnten dank der Genschere mit hoher Präzision das Erbgut – also die DNA – von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen verändern. Diese Technologie habe die Biowissenschaften revolutioniert, sagte das Nobelpreis-Komitee seinerzeit in seiner Begründung. Und sie trage zu neuen Krebstherapien bei und könne möglicherweise dabei helfen, Erbkrankheiten zu heilen.

Wirksam auch bei soliden Tumoren

Mit einer veränderten Form der Genschere ist es Forschenden des Universitätsklinikums Tübingen und des Exzellenzclusters iFIT nun gelungen, noch präziser in die Zellinformationen einzugreifen. Durch die Anwendung von CRISPR-Base-Editing, eine abgewandelte Form der klassischen Genschere, lassen sich Immunzellen so verändern, dass sie Tumorzellen wirksamer bekämpfen – auch bei bisher schwer zu therapierenden soliden Tumoren.

Bei der Therapie mit CAR T-Zellen werden patienteneigene Immunzellen gentechnisch so verändert, dass sie Tumorzellen erkennen und zerstören können. Bei Blutkrebserkrankungen zeige diese Behandlung bereits große Erfolge. Doch bei einigen Patientinnen und Patienten sei die Wirksamkeit der Therapie nicht ausreichend, sodass es zu einem Fortschreiten oder Rückfall der Erkrankung komme, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Uni und Universitätsklinikum. „Bei soliden Tumoren, etwa bei Lungenkrebs oder Brustkrebs, blieb sie bisher weitgehend erfolglos.“ Das Team des Tübinger Universitätsklinikums arbeite nun daran, diese Hürden zu überwinden.

Tests an Mäusen sind vielversprechend

Um die Wirksamkeit der CAR T-Zellen zu erhöhen, nutzten die Forschenden die sogenannte CRISPR-Base-Editing-Technologie. Mit ihr lassen sich gezielt einzelne „Buchstaben“ im Erbgut verändern. In Tests an Mäusen hat sich gezeigt, dass die so veränderten neuen Immunzellen länger wirken und auch bei schwer zu therapierenden Tumoren helfen könnten, etwa beim Neuroblastom, einer besonders aggressiven Krebsart bei Kindern. Bei diesen schwer therapierbaren Krebsarten erwarten die Tübinger Forscher künftig eine deutlich stärkere und länger anhaltende Wirkung als bei bisherigen Ansätzen.

Die Ergebnisse einer präklinischen Studie haben die Tübinger Wissenschaftler um Erstautor Dr. Philip Bucher und den Studienleitern Prof. Judith Feucht und Jun. Prof. Josef Leibold jetzt im Fachjournal „Nature Cancer“ veröffentlicht.