Tradition in Tübingen: Am Heiligen Morgen kamen Tausende in die Altstadt – mit Bildergalerie

Der "Heilige Morgen" auf dem Tübinger Marktplatz. Bild : Erich Sommer 24.12.2025
Erich Sommer- Der „Heilige Morgen“ lockte am 24. Dezember zahlreiche Menschen auf den Tübinger Marktplatz.
- Glühwein, Bratwürste und alkoholfreier Punsch prägten das vorweihnachtliche Treffen.
- Prominent: Boris Palmer mischte sich unter die Besucher, Auswärtige baten um Selfies mit ihm.
- Um 12 Uhr lud der Musikverein Lustnau zum Mitsingen von Weihnachtsliedern ein.
- Müll und Toiletteninfrastruktur waren eine Herausforderung bei dem großen Andrang.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Tübingen hat ein Problem: Das städtische Freiluft-Wohnzimmer vor dem Rathaus ist einfach zu klein, wenn so viele Menschen wie am 24. Dezember dort zum weihnachtlichen Vorglühen zusammenkommen. Gegen 11 Uhr war es so voll, dass man es kaum noch auf den Marktplatz schaffte, und erst recht nicht quer über den Platz, etwa von der Ecke Hirschgasse bis zur Ecke Haaggasse. Etliche kleinere Feiergruppen wichen vor dem Gedränge in die Kirchgasse, in die Haaggasse oder in die Kronenstraße aus. Auch dort war es so kalt und zugig, dass eine Frau ihre Freunde anflehte, sich doch zwischendurch mit ein paar Glühwein in der „Tangente“ aufzuwärmen.
Auswärtige wollen ein Selfie mit Boris Palmer
Auch Oberbürgermeister Boris Palmer hatte sich in das Treiben gemischt. „Man trifft viele nette Leute“, sagte er. Den Tübinger Brauch, sich über Mittag vor Heiligabend auf dem Marktplatz zu treffen, habe er erst vor sieben oder acht Jahren mitbekommen und zunächst gedacht: „Was für eine seltsame Idee.“ Doch er staunte, wie viele Expats dort anzutreffen waren, also längst woanders ansässige Tübingerinnen und Tübinger, die über Weihnachten in den Herkunftsort zurückkommen. Solche Begegnungen freuen ihn. Der Oberbürgermeister kann auch glasklar unterscheiden, wer dauerhaft in Tübingen wohnt, und wer nur über die Feiertage zu Besuch ist: „Die Auswärtigen wollen immer ein Selfie mit mir. Die Einheimischen nicht.“
Punsch ohne Alk gegen Spende
Vor dem evangelischen Gemeindehaus Lamm schenkte die Kirche am Markt Punsch ohne Alkohol aus, auf Spendenbasis. Die Aktion begleitete das weihnachtliche Vorglühen 2025 zum zweiten Mal. Den Anstoß gab: „Weil es zu viel Alkohol gibt“, sagte Thomas Erne von der Kirche am Markt. „Man kann gut ohne Alkohol zusammen feiern. Wir versuchen, mit allen darüber zu reden: Dass es gut ist, am Vormittag von Heiligabend ohne Alkohol fröhlich zu sein.“ Dass es wichtig sei, Streuobstwiesen zu unterstützen, die die Äpfel für den alkoholfreien Punsch liefern, und über die Nichtregierungsorganisation Brot für die Welt (siehe Infobox) auch etwas für andere zu tun.
Das Heißgetränk aus Tübinger Apfelsaft war kostenfrei gegen eine Spende für Brot für die Welt erhältlich. „Es ist erstaunlich, was wir an Spenden bekommen“, sagte Beatrix Rippmann-Kölbel von der Kirche am Markt. „Fast alle kommen mit einem Schein.“
Um 12 Uhr wird gesungen
Für Punkt 12 Uhr hatte der Musikverein Lustnau Weihnachtslieder zum Mitsingen vorbereitet. Rainer Brettel vom Verein hatte die Musiker zusammengeholt. Die Idee zu dem Ganzen hatte Brettels Sportkamerad Jürgen Kress. „Wir trinken seit 40 Jahren am 24. Dezember unser Bier auf dem Marktplatz“, sagte Kress, während er weihnachtlich geschmückte Flyer mit den Texten von „Stille Nacht“, „O du fröhliche“ und „O Tannenbaum“ verteilte. Den Umstehenden rief er zu: „Um Zwölfe wird gsunge.“
Der Tübinger Jan Skaletzka wohnt seit sieben Jahren in Berlin, kommt aber jedes Jahr zum Tübinger Weihnachts-Einstand auf dem Marktplatz: „Meine Familie ist auch da, und Kumpel von der Schule, die Leute von damals halt.“
Caroline Kozma aus dem Französischen Viertel genießt es, die ganze Zeitplanung am 24. Dezember nicht mehr wie früher, als ihre Kinder noch klein waren, auf das Krippenspiel am Nachmittag ausrichten zu müssen. „Es ist ein entspannter Vormittag. Man sieht die ganzen Freunde der Kinder, die jetzt erwachsen sind.“ Das Marktplatz-Treffen sei eher etwas für Jüngere. Ältere gingen in die italienische Kaffeebar „Il Dolce“, die sie im Anschluss ebenfalls ansteuern wollte.
„Es ist immer wieder schön. Absolut!“, sagte der Tübinger Sportmanagement-Student Aaron Hess. Er kommt jedes Jahr wieder. Sein Kumpel Solo Martinet hält es genauso. Die beiden kennen sich von der Schule und vom Basketball. Martinet wohnt mittlerweile in München, arbeitet für ein Musiklabel, das Musik für Film und Fernsehen produziert, und ist für die Feiertage in der Gegend.
Lange Schlangen vor den Klos
Mülltechnisch ist das Event noch verbesserungsfähig: Die städtischen Abfallbehälter und die Rathaus-Arkaden waren mit leeren Sektflaschen, Pfandgut und Weingläsern vollgestellt. Etliche leere Bierflaschen schepperten über das Marktplatz-Kopfsteinpflaster. Auch die Tübinger Toiletteninfrastruktur ist auf einen Andrang wie am Mittwoch noch nicht ideal vorbereitet: Vor den öffentlichen WCs am Rathaus bildeten sich lange Schlangen.
Gegen Hunger und Armut, für globale Gerechtigkeit
Als Nichtregierungsorganisation (NGO) und Werk der evangelischen Kirchen setzt sich Brot für die Welt für globale Gerechtigkeit, Frieden und Bildung sowie gegen Hunger und Armut ein. Im Jahr 2024 unterstützte Brot für die Welt fast 3000 Projekte in 81 Ländern, finanziell oder durch Fachkräfte, den zivilen Friedensdienst, Stipendien oder Beratung. Seit mehr als 60 Jahren unterstützt die NGO gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen weltweit Kleinbauern im Kampf gegen den Hunger und freut sich über Spenden auf das Konto DE10 1006 1006 0500 5005 00 bei der Bank für Kirche und Diakonie (BIC: GENODED1KDB).











