Hausbesetzung in Tübingen
: Aktivisten besetzen leerstehendes Gebäude in der Kronenstraße

Mit einer Demonstration und rund 100 Unterstützern haben Aktivisten am Freitagabend ein leerstehendes Haus in der Tübinger Kronenstraße besetzt. Das Projekt „Krone für alle“ läuft unabhängig vom auslaufenden Wohnprojekt „Siggi 11“, aber mit dessen Unterstützung.
Von
Iris Simon
Tübingen
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Die Hausbesetzung wurde am Freitagabend von einem Demozug durch die Münzgasse begleitet.

Die Hausbesetzung wurde am Freitagabend von einem Demozug durch die Münzgasse begleitet.

Iris Simon
  • Aktivisten besetzen ein leerstehendes Haus in der Kronenstraße 3 in Tübingen.
  • Rund 100 Unterstützer begleiten eine spontane Demonstration durch die Münzgasse.
  • Ziel ist selbstverwalteter, bezahlbarer Wohnraum und ein offener Kulturraum im Erdgeschoss.
  • Polizei meldet friedlichen Ablauf; die Versammlung endete gegen 23 Uhr – Stadt ist nun am Zug.
  • „Krone für alle“ ist eigenständig, erhält aber Unterstützung von „Siggi 11“ und sucht Dialog.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Begleitet von einer Demonstration mit rund 100 Unterstützerinnen und Unterstützern haben Aktivisten am Freitagabend ein leerstehendes Gebäude in der Kronenstraße 3 in Tübingen besetzt. Unter dem Namen „Krone für alle“ wollen sie das Haus dauerhaft in Selbstverwaltung nutzen und dort bezahlbaren Wohnraum sowie einen Kulturraum schaffen.

In einer Erklärung beschreibt sich die Gruppe als Zusammenschluss von Menschen, die ihre Wohnung verloren haben, keine neue Bleibe finden oder sich solidarisch mit der Wohn- und Kulturraumkrise zeigen wollen. Aus Wut über steigende Mieten, Leerstand und die zunehmende Profitorientierung habe man sich entschlossen, leerstehende Räume zurückzuholen. Geplant sei, Wohnungen für bezahlbares Wohnen zu schaffen und die Ladenfläche im Erdgeschoss als offenen Kulturraum zu nutzen. Das Haus solle ein Ort werden, an dem unterschiedliche Perspektiven willkommen seien und gemeinschaftliches Leben abseits wirtschaftlicher Interessen möglich werde.

Die Polizei erklärte auf Nachfrage, ihr sei gegen 20.30 Uhr eine unangemeldete Versammlung gemeldet worden. Vor Ort sei alles friedlich verlaufen, die Versammlung sei gegen 23 Uhr vom Veranstalter selbst aufgelöst worden. Die polizeilichen Maßnahmen seien damit abgeschlossen. Das weitere Vorgehen obliege nun der Stadt Tübingen.

Aktivistischer Druck notwendig, um Leerstand zu bekämpfen

Mit der Besetzung beginnt zeitgleich ein neues Kapitel in der Tübinger Wohnraumdebatte. Denn Anfang August endet nach fast zwei Jahren die Ära des besetzten Hauses „Siggi 11“ in der Sigwartstraße. Die Bewohnerinnen und Bewohner hatten gehofft, das Gebäude dauerhaft als selbstverwaltetes Wohnprojekt erhalten zu können. Das Grundstück blieb jedoch im Besitz des Amts für Vermögen und Bau des Landes.

Bei der „Krone für alle“ soll es sich allerding explizit nicht um eine Fortsetzung der „Siggi 11“ handeln. Das neue Projekt sei eigenständig und verfolge eigene Konzepte, hieß es von Seiten der „Siggi“. Der Verein erklärte, man stehe in engem Austausch und wolle die Besetzer in den kommenden Tagen und Wochen unterstützen. Man sehe weiterhin Handlungsbedarf in der Wohnungspolitik: Auch nach dem Ende der „Siggi 11“ sei aktivistischer Druck notwendig, um Leerstand zu bekämpfen und bürokratische Verfahren zu beschleunigen. Bei den Hausbesetzern handle es sich nicht um eine militante Gruppe. Stattdessen wünsche man sich einen konstruktiven Dialog mit der Stadtverwaltung und rufe Interessierte dazu auf, das Projekt kennenzulernen und mitzugestalten.

Tubingens Baubürgermeister Cord Soehlke sagte am Samstagvormittag auf Nachfrage der SÜDWEST PRESSE, die Stadtverwaltung wolle sich Anfang der Woche mit den Hausbesetzern sowie mit den Eigentümern des Gebäudes in Verbindung setzen.