Gewässerschutz in Tübingen
: Neckarputzete am Samstag – alle sollen mithelfen

Privatleute rufen zum Müllsammeln an Bächen und Flüssen auf. Nicht nur, weil der Unrat hässlich aussieht.
Von
Sabine Lohr
Tübingen
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Am Ufer des Neckars östlich des Stauwehrs hat Erlijn van Genuchten jede Menge Müll entdeckt.

Am Ufer des Neckars östlich des Stauwehrs hat Erlijn van Genuchten jede Menge Müll entdeckt.

Erlijn van Genuchten
  • Samstag, 21. März: „Neckarputzete“ zum Müllsammeln an Neckar, Bächen und Seen in Tübingen
  • Privatinitiative: max. 7 Personen pro Team, Anmeldung und Treffpunkte über Website/Karte
  • Ausrüstung: Handschuhe, Müllsäcke, Greifzangen, Warnwesten; Sicherheit hat Vorrang
  • Keine Uferzonen betreten, nicht ins Wasser; Funde wie Fahrräder per Foto+Koordinaten melden
  • Bis 16 Uhr fertig; Container am Uhlanddenkmal, danach Abschlussparty mit Livemusik und Foodsharing

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ein altes Fahrrad, Metallreste, Stoff, Plastikflaschen und -tüten, Papier, Pizzaschachteln, Dosen: Die Flüsse und Bäche im Kreis Tübingen sind voller Müll. Und was an den Ufern und Böschungen liegt, landet früher oder später auch im Wasser. Dorthin gehören die Abfälle aber auf keinen Fall. „Das sieht nicht nur hässlich aus, sondern ist auch eine Gefahr für Pflanzen und Tiere“, sagt Thilo Schäfer vom Umweltzentrum und den Teachers for Future.

Erlijn von Genuchten sammelt immer wieder den Müll auf und entsorgt ihn. Sie ist eine von 110 „Sch(m)utzengeln“, die etwa dreimal in der Woche auf Müllsammeltour gehen. Doch das reicht nicht. Deshalb rufen die beiden zusammen mit anderen dazu auf, am kommenden Samstag, 21. März, Müll an und in Gewässern in Tübingen und drumherum zu sammeln. „Neckarputzete“ heißt die Aktion, umfasst aber nicht nur den Neckar, sondern alle Bäche, Flüsse und Baggerseen.

Sammelteams verabreden sich

Dazu sollen sich Sammelteams zusammentun, sich an einem Ort verabreden und, ausgestattet mit Handschuhen, Müllsäcken, Abfallgreifzangen und Warnwesten, den Müll an Neckar, Steinlach, Ammer und den anderen Flüssen sammeln.

Um das Ganze so zu organisieren, dass sich nicht zu viele Leute an derselben Stelle treffen, hat die Gruppe aus Privatpersonen eine Website erstellt. Dort sind nicht nur Treffpunkte angegeben, sondern man kann auch selbst auf einer Karte einen angeben. Auf der Site ist genau erklärt, wie das geht. Wer sich einer Gruppe anschließen möchte, sollte sich anmelden, denn mehr als sieben Personen sollte eine Gruppe nicht haben.

Jedes Sammelteam arbeitet eigenverantwortlich, doch die Organisationsgruppe gibt Tipps, worauf zu achten ist. So ist es etwa wichtig, sich nicht in Gefahr zu bringen. „Niemand sollte ins Wasser reingehen, um Müll rauszuholen“, sagt Schäfer. Wer ein Fahrrad mitten im Neckar entdeckt, sollte ein Foto  machen und es zusammen mit den Koordinaten des Fundorts an die Gruppe weitergeben. Diese leitet das an den Bauhof weiter, der sich darum kümmert, dass das Fahrrad entsorgt wird.

Auch an den Böschungen ist Vorsicht geboten, zu leicht rutscht man ab. Dazu kommt, dass einige Vögel, etwa Amseln, schon ihr Nest bauen. Auch flache Uferbereiche sollten nicht betreten werden, denn dort haben Fische gelaicht. Vorsicht ist auch bei Knospen, Blumen und jungen Trieben von Büschen und Bäumen geboten. Schließlich soll nur aufgeräumt, nichts zerstört werden.

Die Gruppe hat auch eine Neckarputzete-Signal-Gruppe eingerichtet (der Link steht auf der Homepage), über die alle miteinander kommunizieren können. Dort können auch Bilder eingestellt werden.

Abschlussparty mit Livemusik

Am Uhlanddenkmal stellt die Gruppe zwei Container auf, „einen für Metall und einen für den Rest“, so  van Genuchten. Bis 16 Uhr sollten alle Gruppen fertig sein, denn dann steigt eine Abschlussparty mit Livemusik der Gruppe Brass Busters und Essen aus dem Foodsharing. Wo genau, ist noch geheim, wird aber am Samstag allen Müllsammlern über die Signalgruppe bekannt gegeben.

Der 21. März ist nicht ganz zufällig gewählt. Es ist der bundesweite „Forest Cleanup Day“, an dem eigentlich die Wälder geputzt werden sollen. Doch die Gruppe findet, auch die Wege und Böschungen an den Gewässern müssen vom Müll befreit werden. Sie ist der Meinung, dass der Neckar ein Recht auf sauberes und gesundes Wasser hat, auf ein sauberes Flussbett und einen sauberen Uferbereich.

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern haben sich Gruppen zusammengetan, um Flüssen Rechte zu verleihen. 2017 war das in Neuseeland erfolgreich: Dort wurde dem  Whanganui River der Status einer Rechtspersönlichkeit zuerkannt.

Sieben Gruppen sind schon dabei

Das Ganze soll auch Bildung für Kinder sein, sagt Schäfer. Denn der ganze Müll im Wasser landet früher oder später im Meer. In Frankreich hat er Gullideckel gesehen, auf denen steht: „Hier beginnt das Meer“. Das gefällt ihm. „Das macht bewusst, was es heißt, eine Kippe in den Gulli zu werfen“, sagt er.

Bisher haben sich schon sieben Gruppen zusammengetan. Eine trifft sich beim Uhlanddenkmal, die Grüne Liste Hirschau sammelt am Bett des Arbachs beim Baggersee. Erlijn van Genuchten ruft zum Sammeln hinterm Epplehaus auf („Da liegt sehr viel Müll“), eine Gruppe des UKT sammelt auf der Platanenallee, und weitere „Sch(m)utzengel“ sind Richtung Freibad, bei der Kastanienallee und südlich des Stauwehrs unterwegs. Es dürfen aber, so van Genuchten, noch viele weitere Gruppen dazukommen. Wichtig sei eben nur, sich über die Homepage anzumelden.

Keine Haftungspflicht

Die Organisatoren weisen darauf hin, dass es sich bei der Neckarputzete um eine private Aktion handelt, nicht um eine organisierte Veranstaltung im Sinne des Vereins- oder Versammlungsrechts. Das heißt, dass jeder Teilnehmer für sich selbst haftet. Minderjährige dürfen nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten oder einer aufsichtspflichtigen Person teilnehmen.