Gäste der Woche
: Teilhabe und Teilgabe

Die TAGBLATT-Weihnachtsspendenaktion hat zum Ziel, die Existenz des „Café frieDa“ längerfristig zu sichern. Die Hoffnungen von Lebenshilfe-Geschäftsführer Ralf Kümper und der 20-jährigen Ehrenamtlichen Lara Mathilda sind groß.
Von
Holger Weyhmüller
Tübingen
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Lara (links) und Rald Kümper, Lebenshilfe, Wochengäste

Die 20-jährige Lara Mathilda (links) arbeitet seit Beginn dieses Jahres ehrenamtlich im „Café frieDa“ der Lebenshilfe Tübingen, deren Geschäftsführer Ralf Kümper ist.

Carolin Albers
  • Die TAGBLATT-Weihnachtsspendenaktion soll das „Café frieDa“ langfristig sichern.
  • Lara Mathilda, 20, arbeitet ehrenamtlich im Café, das sie sehr schätzt.
  • Das Café, 2020 eröffnet, kämpft nach dem Auslaufen der „Aktion Mensch“-Förderung um 37.000 Euro jährlich.
  • Ralf Kümper, Geschäftsführer der Lebenshilfe Tübingen, hofft auf Spenden, um das Café zu erhalten.
  • Spenden können auf das TAGBLATT-Konto bei der Kreissparkasse Tübingen überwiesen werden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wenn Lara Mathilda vom „Café frieDa“ erzählt, gerät sie ins Schwärmen: „Das passt voll gut, die Stimmung ist super“, sagt sie im Gespräch mit dem TAGBLATT. Die 20-Jährige, deren Nachname hier keine Rolle spielen soll, arbeitet ein- bis zweimal im Monat in dem inklusiven Café der Tübinger Lebenshilfe in der Weststadt. „Ich probiere einfach alles aus“, sagt sie. Mal sorgt sie sich im Service um die Gäste, mal steht sie in der Küche, mal an der Kaffeemaschine – „ich mache alles gerne“. Bis Juli kommenden Jahres besucht sie die Betty-Hirsch-Schule der Nikolauspflege in Stuttgart. Danach könnte sich Lara Mathilda gut vorstellen, fest in einem Café zu arbeiten.

Freunde im „Café frieDa“

Was das bedeutet, weiß sie nicht allein durch ihr Engagement im „Café frieDa“ ganz genau. Denn die junge Frau, die an Epilepsie und einer Sehbehinderung leidet, arbeitet zudem regelmäßig im Café der Tübinger Volkshochschule und im Kaffeehäusle der Reutlinger Lebenshilfe. Was ihr über die eigentliche Arbeit hinaus daran gefällt: dass sie Kontakte knüpfen kann. Denn Lara Mathilda muss jeden Tag nach Stuttgart in die Schule gebracht werden und lebt erst seit dem vergangenen Jahr in Tübingen. Vor diesem Hintergrund ist es kein Leichtes, neue Freunde in der neuen Heimat zu finden. Das „Café frieDa“ ist ihr hier eine gute Hilfe.

Doch die Zukunft der Einrichtung, die 2020 aus der Taufe gehoben wurde, ist unsicher: Die Anschubfinanzierung durch die Aktion Mensch lief Mitte des Jahres aus, bedauert Ralf Kümper, Geschäftsführer der Lebenshilfe Tübingen. 220.000 Euro hat die Sozialorganisation in den ersten drei Jahren gegeben. Insbesondere für Einrichtung und Sachkosten. Seither haben der Lions Club Tübingen und die Bürgerstiftung den Fortbestand des Cafés bis Ende 2024 mit Spenden gesichert.

37.000 Euro beträgt die jährliche Lücke

Nach dem Rückzug der Aktion Mensch klafft nun eine Lücke von rund 37.000 Euro jährlich. Die benötigt das inklusive Café, um die hauptamtliche Fachkraft zu bezahlen, aber auch die Kuchen zu kaufen. Denn die sind nicht selbst gemacht. Noch nicht. Überlegungen, daran etwas zu ändern, sind allerdings im Schwange. „Das Café ist ein schöner Treff für die Weststadt geworden“, sagt Kümper. „Wir sind da ganz gut unterwegs“, bestätigt Lara Mathilda. Rund 3000 Gäste kamen im Laufe dieses Jahres sonntags zwischen 14 Uhr und 17 Uhr durch die Tür und genossen Kaffee, Kuchen und Gesellschaft. „Wir würden“, so Kümper, „das natürlich gerne nachhaltiger etablieren.“

Die Einrichtung ist viel mehr als ein Anlaufpunkt für die Besucher: „Wichtig ist auch, dass wir im Gemeinwesen sichtbar sind." Und Menschen mit Beeinträchtigung oder Behinderung – das ist rund die Hälfte der rund 40 ehrenamtlich Tätigen – durch ihr Engagement die positive Erfahrung machen, „dass sie mitmachen können“. Es gehe dabei, betont Kümper, nicht allein um Teilhabe, sondern vor allem um „Teilgabe“, wie der 60-Jährige das nennt. Darum, dass die Gesellschaft etwas zurückgibt. Die öffentliche Hand dürfe an derartigen Einrichtungen nicht sparen, appelliert der Lebenshilfe-Geschäftsführer, der zusammen mit seiner Frau und einer der beiden Töchter selbst gerne im Café zur Hand geht, „solche Dinge sollten alle Menschen machen können, damit sie eigene Interessen wahrnehmen können“.

Toll fände es der studierte Maschinenbauer, wenn durch die TAGBLATT-Weihnachtsspendenaktion der Fortbestand des „Café frieDa“ mindestens für ein weiteres Jahr gesichert würde. Wie es dann weitergehen könnte? „Ich wage es angesichts der Haushaltssituation ja kaum zu sagen, aber die Stadt Tübingen wäre meine nächste Anlaufstation.“

So können Sie die Projekte unterstützen

Spenden können Sie auf das TAGBLATT-Konto bei der Kreissparkasse Tübingen (IBAN: DE94 6415 0020 0000 1711 11). Vermerken Sie, wenn Sie eine Spendenquittung benötigen, und fügen in diesem Fall Ihre vollständige Adresse hinzu. Wollen Sie ein bestimmtes Projekt unterstützen (Projekt 1 „Zauberformel“, Projekt 2 „Defibrillator“, Projekt 3 „Seniorenmobil“ oder Projekt 4 „Café Frieda“), bitten wir um einen entsprechenden Vermerk. Wir speichern Ihre personenbezogenen Daten ausschließlich zum Zweck der Durchführung der Spendenaktion und wegen möglicher Nachfragen zu Spendenquittungen für maximal sechs Monate.

Lara Mathilda

Lara Mathilda kam im Jahr 2004 in Stuttgart zur Welt. Aufgewachsen in Ebersbach an der Fils (Kreis Göppingen) zog sie mit ihrer Familie 2023 nach Tübingen. Die 20-Jährige besucht die Betty-Hirsch-Schule der Nikolauspflege Stuttgart, Praxisgruppe und Förderschule. Seit Anfang dieses Jahres arbeitet sie ehrenamtlich ein- bis zweimal im Monat im „Café frieDa“ der Lebenshilfe Tübingen in der Friedrich-Dannenmann-Straße in der Weststadt.

Ralf Kümper

1964 in Dortmund geboren und dort auch aufgewachsen, studierte Ralf Kümper in seiner Heimatstadt und in Aachen zwischen 1983 und 1996 Maschinenbau, worin er auch promovierte. Beruflich verschlug es ihn anschließend nach Kaiserslautern zur Firma Recaro, die Autositze herstellt, von dort nach Sindelfingen. In diesem Zuge zog die Familie nach Rottenburg. Im Jahr 2019 vollzog er einen beruflichen Wechsel: Kümper wurde Geschäftsführer der Tübinger Lebenshilfe.

Ralf Kümper ist verheiratet und hat zwei Töchter.