Fußball-EM
: TAGBLATT-Fotograf Markus Ulmer: 14 Corona-Tests bis Wembley

München, Amsterdam, London: Für den Hirrlinger Sportfotografen Markus Ulmer, oft auch für das TAGBLATT im Einsatz, ist das paneuropäische Turnier eine logistische Herausforderung.
Von
Moritz Hagemann
London/Tübingen

Fotograf Markus Ulmer im Wembley-Stadion.

Ulmer

Seit der Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden war Markus Ulmer bei jeder EM und WM dabei. So etwas wie in diesem Jahr hat der 47-Jährige aber auch noch nie erlebt: Seit er vor rund einem Monat im Trainingslager des deutschen Teams in Seefeld (Tirol) war, hat er 14 Tests auf das Coronavirus hinter sich – alle negativ.

Doch diese Tests sind neben der Akkreditierung der Uefa Ulmers Eintrittskarten in die EM-Arenen. Bei allen drei deutschen Spielen in München war er dabei, zweimal fuhr er für die Auftritte der Elftal nach Amsterdam. Und am Samstagabend: Wembley, Tempel des Fußballs. Die Italiener schlugen Österreich nach Verlängerung mit 2:1 (0:0, 2:0).

„Bei einem normalen Turnier sind da 150 Fotografen im Stadion“, erzählt der Hirrlinger. Am Samstag waren es 32, die Hälfte davon unten am Spielfeldrand, die andere Hälfte hinter der ersten Zuschauerreihe auf kleinen Balkonen auf der Tribüne. Überall gilt eine Maskenpflicht, erzählt Ulmer. Auch sonst sind die Regeln klar: Im Stadionaufzug gilt eine Personenbeschränkung, das werde kontrolliert. Im Presseraum wird beim Betreten und beim Verlassen immer die Akkreditierung gescannt, damit sich nie zu viele Personen darin aufhalten.

Klinsmann in den Katakomben

Und die Stimmung? „Für so ein großes Stadion waren es wenig Leute, da ist es recht ruhig gewesen“, sagt Ulmer. 18.910 Zuschauer waren offiziell da, knapp 90.000 gehen normalerweise rein. Und Jürgen Klinsmann, für das englische Fernsehen als TV-Experte im Einsatz, der Ulmer in den Katakomben über den Weg lief. Auf den Rängen waren am Samstag die Italiener in der Überzahl. Am Dienstag (18 Uhr) werden es die Engländer sein, wenn es in Wembley gegen Deutschland geht. Dann dürfen übrigens auch nur sieben deutsche Fotografen ins Stadion.

Zuletzt hatte es Diskussionen um den Rasen im Wembley-Stadion gegeben, der deutschen Mannschaft wurde etwa das Abschlusstraining versagt. Direkt nach dem Duell Italien gegen Österreich seien rund 15 Greenkeeper auf den Platz gekommen, die das heilige Grün umgehend gemäht und gestutzt hätten. „So was sieht man auch nur in England“, sagt Ulmer.

Das 1:0, der Moment der Erlösung für die Italiener (von links): Andrea Belotti, Torschütze Federico Chiesa, Matteo Pessina, Lorenzo Insigne und Giovanni Di Lorenzo.

Ulmer

Der Hirrlinger machte sich bereits am Freitagmorgen auf den Weg nach London. Im Flugzeug von Frankfurt nach Heathrow sei wenig los gewesen. Zuvor hatte er sich in Rottenburg schnelltesten lassen. Bei der Einreise musste er zudem ein Einreiseformular sowie ein Schreiben des englischen Fußballverbandes FA vorlegen, das an der EM beteiligte Journalisten von der Quarantäne befreit. Für die Rückkehr gibt es einen ganz ähnlichen Schrieb des DFB.

Doch zunächst möchte Ulmer noch den deutschen Auftritt in Wembley mitnehmen. Weil jedoch am zweiten (und auch am achten Tag) in England wieder ein PCR-Test notwendig ist, bringt er das am Sonntag in der Nähe des Flughafens hinter sich. Buchen und bezahlen musste Ulmer den Test in London schon vorab, dafür bekam er einen Code, der wiederum im Einreiseformular vermerkt werden musste – sonst wäre er gar nicht ins Land gekommen. Auch im Stadion wird ein negativer Test verlangt.

München, Rom und wieder London?

Läuft alles optimal, führt Ulmers weiterer EM-Weg nach dem Achtelfinale der Deutschen nach München zum Viertelfinale der Italiener, dann nach Rom, wo die DFB-Elf ihr Viertelfinale austragen würde, und dann wieder nach London, wo die Finalspiele anstehen. Eine Tortur, die erneut mit etlichen Corona-Tests garniert werden würde. Dass es Akkreditierungen derzeit oft nur sehr kurzfristig gibt, teils erst am Spieltag, erschwert die Planungen.

In London versucht sich der 47-Jährige ohne U-Bahn und fernab von Menschenmassen zu bewegen, Großbritannien ist aufgrund der Delta-Mutation als Virusvariantengebiet eingestuft. Sein Taxifahrer, der ihn am Samstagabend vom Hotel zum Wembley-Stadion brachte, geht jedenfalls davon aus, dass Deutschland die Engländer mit 3:1 besiegen wird. „Ich denke es wird spannender“, sagt Ulmer. „Ein 2:1 für Deutschland vielleicht.“ Doch selbst, wenn die deutsche Mannschaft am Dienstag ausscheiden sollte. Markus Ulmer bleibt im Turnier.