FAQ zu den Kürzungen beim Tübus: Fahrradbrücke bauen, aber beim Tübinger ÖPNV sparen?

Tübingen muss sparen, auch beim ÖPNV. Eine Entwicklung, die auf viel Kritik gestoßen ist.
Carolin Albers/Ulrich Metz/Archiv- Tübingen kürzt den ÖPNV um zwei Millionen Euro ab 2026 wegen Haushaltskrise.
- Stadtwerke finanzieren ÖPNV, Bäder und Parkhäuser, Defizit stieg von 8,4 Mio. auf 12,6 Mio. Euro.
- Ann-Arbor-Brücke kostet die Stadt 200.000 Euro jährlich, finanziert überwiegend von Bund und Land.
- Kostenloser Samstag erhöht Fahrgastzahlen um 10.000 pro Samstag, keine zusätzlichen Kosten.
- Öffentliche Sondersitzung des Aufsichtsrats am 7. April zur Angebotsreduzierung ab 2026.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wieso muss das Angebot des Tübus eingekürzt werden?
Stadtwerke Tübingen (SWT): „Die SWT haben bis vor wenigen Jahren den ÖPNV in Tübingen trotz stetig ausgebautem Angebot vollständig eigenständig finanziert. Im Zusammenhang mit der Umsetzung des Klimaschutzkonzepts hat sich die Stadt Tübingen verpflichtet, einen jährlichen Zuschuss für Angebotsverbesserungen im Umfang von einer Million Euro zu zahlen. Trotz dieses Zuschusses kann das Defizit des Tübus aber insbesondere in der Vorausschau für die kommenden Jahre nicht mehr von den SWT kompensiert werden. Der Zuschuss müsste also erhöht werden, um das Angebot des Tübus unverändert aufrechtzuerhalten. Der Gemeinderat Tübingen hat diesen Zuschuss aber ab 2026 aufgrund der Haushaltseinsparungen gestrichen. Um die fehlenden Zuschüsse kompensieren und die entstandenen Mehrkosten rückführen zu können, mussten bereits und werden noch weitere Angebotskürzungen beim Fahrplanangebot 2025 sowie beim Fahrplanwechsel 2025/26 umgesetzt werden müssen.“
Kamen keine anderen Bereiche innerhalb der Stadtwerke für Kürzungen infrage?
Stadtwerke: „Die SWT übernehmen in der Form des sogenannten steuerlichen Querverbundes bereits die Defizite aus den Sparten ÖPNV, Bäder und Parkhäuser. Diese betrugen 2019 insgesamt 8,4 Millionen Euro, in 2023 aber bereits 12,6 Millionen Euro. Diese Verlustübernahmen müssen die SWT in erster Linie über den Energieverkauf, also Strom, Erdgas und Wärme erwirtschaften. Eine „Querverrechnung“ innerhalb des Konzerns in der Größenordnung ist wirtschaftlich nicht machbar.“
Wem gehört der Tübus?
Die Tübus GmbH ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke Tübingen GmbH, die wiederum 100-prozentige Tochter der Universitätsstadt Tübingen sind. Die Entscheidungen über das Angebot der Tübus GmbH liegen in der Zuständigkeit ihres Aufsichtsrats. Dieser setzt sich aus Mitgliedern des Tübinger Gemeinderats und Arbeitnehmenden der SWT zusammen.
Wie viel Prozent machen die Kürzungen beim Tübus bei den Sparmaßnahmen im städtischen Haushalt insgesamt aus?
Boris Palmer: „Die Einsparung beim Tübus beträgt zwei Millionen Euro. Das sind etwa 10 Prozent der bislang vorgesehenen Kürzungen.“
Die Ticketpreise können die Kosten nicht auffangen. Offenbar haben manche Nutzerinnen und Nutzer jedoch den Eindruck, dass es kaum Kontrolleure und funktionierende Automaten gibt. Wie passt das zusammen?
Stadtwerke: „Dem Eindruck, dass man kaum noch funktionierende Ticketautomaten in den Bussen vorfindet, müssen wir widersprechen. Durch Reparaturen an den Fahrscheinautomaten kann es natürlich vorkommen, dass diese zeitweise ausgebaut und zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingebaut werden müssen. Mit Ausnahme der Kleinbusse sind jedoch fast alle unsere Busse mit Fahrscheinautomaten ausgestattet. Grundsätzlich ist es auch so, dass die Bedeutung der Fahrscheinautomaten in den Bussen in den letzten Jahren insbesondere durch das Deutschlandticket sehr stark nachgelassen hat. Die digitalen Vertriebswege werden landesweit und in den Verbünden kontinuierlich ausgebaut. Zudem hat der Tübus nach wie vor einen externen Dienstleister mit Fahrscheinkontrollen beauftragt, der regelmäßige Kontrollen durchführt.“
Wie passt die Erschließung neuer Haltestellen wie im Aischbach II mit den Kürzungen zusammen?
Stadtwerke: „Die neuen Haltestellen im Zuge des Gewerbegebiets Aischbach II sind aus busbetrieblichen Gründen sinnvoll und notwendig und wurden bereits langfristig geplant und mit der Stadtverwaltung im Zuge des Genehmigungsverfahrens abgestimmt. Die Haltestellen-Infrastruktur wird über den städtischen Haushalt direkt finanziert und hat keinen direkten Zusammenhang mit Einsparungsmaßnahmen. Vielmehr ist aus Sicht von Tübus eine gute Infrastruktur, die gepflegt und sinnvoll ausgebaut wird, eine wichtige Voraussetzung für einen guten ÖPNV und auch dessen Akzeptanz und Nutzung.“
Welche Rolle spielt der Bau der Ann-Arbor-Brücke in der aktuellen Haushaltslage?
Palmer: „Dreiviertel der Kosten haben Bund und Land bezahlt. Nur vier Millionen Euro die Stadt. Und die werden abgeschrieben. Das heißt auf 30 Jahre verteilt. Im Ergebnis kostet die Brücke im Haushalt etwa 200.000 Euro im Jahr, ist also für unsere Haushaltskrise überhaupt nicht verantwortlich.“
Die Kosten der Fahrradbrücke West
Die Gesamtkosten des Brückenbaus liegen bei rund 16 Millionen Euro. Der Bau wurde durch die Nationale Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des „Superradwegenetzes Tübingen“ mit 7,3 Millionen Euro und vom Regierungspräsidium Tübingen durch das Programm „Rad und Fußverkehr“ gefördert.
Wieso wird am kostenlosen Samstag festgehalten?
Palmer: „Der kostenlose Samstag kostet die Stadt nichts. Wir fahren deswegen keinen einzigen Bus zusätzlich. Es wird nur auf Einnahmen von Gelegenheitskunden verzichtet, die aber meistens lieber das Auto nehmen, wenn das Ticket drei Euro kostet. Auf der anderen Seite haben wir aber 10.000 mehr Fahrgäste an jedem Samstag und entsprechend auch mehr Besucher in der Innenstadt.“
Öffentliche Sondersitzung des Aufsichtsrats
Am Montag, 7. April, kommt der Aufsichtsrat der Tübinger Stadtwerke zu einer öffentlichen Sondersitzung zusammen, um über die Angebotsreduzierungen im Tübus ab dem Jahresfahrplan 2026 zu entscheiden. Die Ergebnisse gibt es ab Dienstag hier zu lesen.
Wie rechtfertigen Sie in einer Klimakrise Kürzungen im ÖPNV?
Stadtwerke: „Das Tübus-Angebot ist auch nach den Angebotskürzungen immer noch sehr gut. In der ersten Stufe der Angebotskürzungen werden lediglich 5 Prozent der Betriebsleistungen eingespart. Betroffen sind auch nur Linien, bei denen die Zahl der betroffenen Fahrgäste eher niedrig ist. Auf den allermeisten Linien gibt es keine oder nur geringfügige Einschränkungen in Randzeiten, sodass der Stadtbusverkehr immer noch seinen Beitrag für den Klimaschutz leistet.“
Palmer: „Kürzungen bei Schulsozialarbeit, Integrationsprojekten, Flüchtlingsbetreuung oder Investitionen in Schwimmbäder sind ebenfalls schlecht und nur durch eine Tatsache zu rechtfertigen: Die Stadt hat wesentlich weniger Geld zur Verfügung und es reicht nicht mehr aus, um alles zu finanzieren, was wir uns bisher geleistet haben.“


