Erbgut aus Nahost: Einwanderer vermischten sich mit Europäern

Schwäbisches Tagblatt
.Vielmehr muss es am Ende der Eiszeit, also vor etwa 14500 Jahren, nach den Erkenntnissen der Forscher eine größere Wanderungsbewegung von Menschen aus dem Nahen Osten nach Europa gegeben haben. Spuren dieser Einwanderer konnten die Wissenschaftler jetzt im Erbgut des modernen europäischen Menschen nachweisen.
Für Cosimo Posth von der Universität Tübingen ist das „ein Befund, der die Urgeschichte revolutioniert: In der Warmzeit vor 14500 Jahren erscheint eine neue genetische Komponente in Europa, deren Spur in den Nahen Osten führt“. Die Einwanderer, von denen man bislang überhaupt nichts wusste, haben sich ganz offensichtlich mit den Alteingesessenen gepaart und Kinder bekommen. Deren Spuren sind im Genpool deutlich erkennbar.
Nachgewiesen hat den genetischen Sprung eine Arbeitsgruppe der Tübinger Universität unter Krauses Leitung. Die Studie wurde in der renommierten Zeitschrift „Nature“ veröffentlicht. Der Nachweis solcher genetischen Einflüsse ist schwierig und erfordert, da das Erbgut oft stark zerfallen ist, viel Erfahrung und modernste Technik. Für die Studie analysierte die Gruppe um Johannes Krause das Erbgut von 51 prähistorischen Menschen. „Solche umfassenden genomweiten Daten lagen bisher nur für einige wenige Menschen aus der Zeit von der ersten Besiedlung Europas bis zum Einsetzen der Landwirtschaft vor rund 8.500 Jahren vor“, erklärt Johannes Krause, der mittlerweile in Jena am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte arbeitet.