Ehemaliger TAGBLATT-Geschäftsführer gestorben
: Trauer um Verleger Alexander Frate

Zusammen mit seiner Frau Elisabeth Frate prägte Alexander Frate über Jahrzehnte das SCHWÄBISCHE TAGBLATT und bis zuletzt die Neckar-Chronik in Horb. Am Montagabend ist der frühere Geschäftsführer überraschend im Alter von 66 Jahren gestorben.
Von
Moritz Siebert
Tübingen
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(ohne Überschrift): Vorsicht: Dieses Foto ist möglicherweise nur für den einstigen Verlag Schwäbisches Tagblatt verwendbar. Elisabeth und Alexander Frate im Interview im Tagblatt 12 23. Bild: Carolin Albers

Alexander Frate im Dezember 2023.

Carolin Albers (Archivbild)
  • Ex-Geschäftsführer und Verleger Alexander Frate starb am Montagabend mit 66 Jahren.
  • Er prägte über Jahrzehnte das SCHWÄBISCHE TAGBLATT und zuletzt die Neckar-Chronik in Horb.
  • Frate kam 1984 zum Verlag, wurde 1986 Geschäftsführer und verdoppelte in Horb die Auflage.
  • Zusammen mit Elisabeth Frate verkaufte er 2023 die Anteile am TAGBLATT an die Neue Pressegesellschaft.
  • Danach übernahm er erneut die Neckar-Chronik in Horb – als Eigentümer und Geschäftsführer.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Bild von Alexander Frate wird vielen in Erinnerung bleiben: wie er über die Neckarbrücke in Richtung Verlagsgebäude läuft, freundlich grüßend, Ruhe ausstrahlend – und immer ein Lächeln auf den Lippen. Seine anpackende Art und seine Leidenschaft, mit der er sich für den Verlag einsetzte, betonen frühere Mitarbeiter und Weggefährten als typisch für Alexander Frate, ebenso seine Gelassenheit und seinen Humor. Er lachte viel, für einen Spaß war er immer gut, gerne auch mit selbstironischer Note.

Alexander Frate, Verleger und langjähriger Geschäftsführer des SCHWÄBISCHEN TAGBLATTS, ist am Montagabend (27. April) überraschend gestorben. Der Schock bei Kollegen und ehemaligen Kollegen, bei Freunden und Familie sitzt tief, die Anteilnahme ist groß. Bis zum Verkauf ihrer Anteile am SCHWÄBISCHEN TAGBLATT an die Neue Pressegesellschaft in Ulm im Jahr 2023 war Alexander Frate neben seiner Frau, der Verlegerin Elisabeth Frate, über Jahrzehnte Gesicht und Herz des Tübinger Verlags.

Die Auflage in Horb mit kleinem Team verdoppelt

Geboren wurde Frate am 17. Oktober 1959 in Villach in Österreich. Aber schon in jungen Jahren, 1963 zum ersten Mal, war er regelmäßig in Tübingen. Seine Schwester und sein Schwager bewirtschafteten von 1963 bis 1974 die Gaststätte Hölderlinturm. „Da habe ich schon die Mentalität der Schwaben und vor allem die Tübinger honorigen Händler kennengelernt“, erinnerte sich Frate 2023 in einem Interview. „Also mich hat man hier nicht einführen müssen.“

Auch den Verlag SCHWÄBISCHES TAGBLATT lernte Alexander Frate in dieser Zeit kennen. In Österreich gingen die Sommerferien acht Wochen – und der Schüler Frate suchte einen Ferienjob. Vier Jahre lang jobbte er jeden Sommer sechs Wochen beim TAGBLATT. Dann zog es ihn fest in die Region. Frate lernte Verlagskaufmann beim Zollern-Alb-Kurier in Balingen, nach Stationen in Göppingen und Ulm trat er 1984 in den TAGBLATT-Verlag ein.

1986 wurde er Geschäftsführer und war zunächst für die Neckar-Chronik in Horb zuständig, die zum Verlag gehörte. Frate startete dort als Geschäftsführer, Vertriebsleiter und Anzeigenleiter in Personalunion. Mit einem kleinen Team und wenig Mitteln versuchte er, in direkter Konkurrenzsituation zum Schwarzwälder Boten zu wachsen – mit Erfolg. Das Team verdoppelte die Auflage. Als er ins Haupthaus nach Tübingen wechselte, war sein Bestreben als Geschäftsführer, die Abteilungen stärker zusammenzubringen. Auch habe er „leider auf die wirtschaftliche Vernunft achten“ müssen.

Den Aufbau der Geschäftsstellen in Rottenburg und Mössingen und den Umbau des Verlagsgebäudes in Tübingen, ohne dafür Schulden machen zu müssen, beschrieb Frate rückblickend als besonders schöne Momente in seiner Laufbahn. Stolz gemacht haben ihn immer „fremde Leute, die bei einem Besuch die tolle Atmosphäre bei uns gelobt haben“.

„Er sah das Team als sein Team“

Zusammenhalt und Teamgeist waren für Frate immer wichtig. Das betonen frühere Wegbegleiter und Mitarbeiter. „Er sah das Team als sein Team“, fasst es der frühere Chef vom Dienst, Martin Mayer, zusammen. Egon Ruf, ehemaliger Vertriebsleiter, verweist auf die Weihnachtsfeiern, die Frate jedes Jahr für Austräger ausrichtete. Das Wohl der Mitarbeiter sei ihm immer wichtig gewesen, so Ruf weiter, insbesondere die Arbeit der Zusteller habe Frate immer wertgeschätzt. Als anpackend, hilfsbereit und gelassen beschreibt Ruf seinen früheren Chef: „Hektik gab es bei ihm eigentlich nie.“

Auf die Zusammenarbeit mit seiner Frau angesprochen, sagte Frate 2023 rückblickend: „Wir haben immer einen pragmatischen Kompromiss gefunden. Dafür sind die Österreicher bekannt, für den österreichischen Kompromiss.“

Wirbel um sich selbst, um seine Person und Position, vermied Alexander Frate. Er drängte sich nicht als Verleger in den Mittelpunkt der Tübinger Stadtgesellschaft. Diese Rolle überließ er anderen, bis zu dessen Ausscheiden seinem Mitgeschäftsführer Christoph Müller. Müller verkaufte seine Anteile am Verlag 2004 und schied aus dem Verlag aus. Frate und seine Frau repräsentierten fortan das TAGBLATT (mit Rottenburger Post und Steinlach Bote) sowie die Neckar-Chronik – als Mehrheitsgesellschafter an der Seite der Neuen Pressegesellschaft (NPG).

Zum 31. Dezember 2023 verkauften Elisabeth und Alexander Frate ihre Anteile am Verlag SCHWÄBISCHES TAGBLATT an die NPG in Ulm. Und dann der wohlverdiente Ruhestand? Nicht wirklich. Alexander Frate startete nochmal ein neues Projekt. Er kaufte die Neckar-Chronik in Horb zum 1. Juli 2025 zurück und wurde ihr Geschäftsführer. Zuletzt war Frate als Eigentümer und Geschäftsführer also wieder dort, wo sein Verlagsleben vor etwas mehr als vier Jahrzehnten begonnen hatte: nah an seinem Team, engagiert um Leserinnen und Leser kämpfend, zupackend, mit einer gewissen Gelassenheit – und Humor. „Mir war immer die Ehrlichkeit wichtig“, sagte Frate 2023, als er auf seine Zeit beim SCHWÄBISCHEN TAGBLATT zurückblickte. „Auch wenn es unangenehm ist, muss man sagen, was man denkt, was los ist, was Sache ist.“