E-Carsharing der Stadtwerke Tübingen: Coono wird eingestellt

Die Stadtwerke stellen Coono, ihr Sharing-Angebot mit Elektro-Fahrzeugen, aus wirtschaftlichen Gründen ein. Die E-Roller waren schon länger aus dem Programm genommen worden.
Stadtwerke Tübingen/Archiv- Stadtwerke Tübingen beenden E-Carsharing Coono Ende November nach fünf Jahren.
- Projekt scheiterte an fehlender Wirtschaftlichkeit trotz Nachfrage und Anpassungen.
- Höhere Betriebskosten für reine E-Auto-Flotten machten rentable Umsetzung unmöglich.
- Teilauto Neckar-Alb übernimmt einen Teil der Flotte – Wechsel für Kunden kostenlos.
- Free-Floating-Ansatz 2022/2023 brachte Verbesserungen, reduzierte Defizit aber nicht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Nach etwas mehr als fünf Jahren steht Coono, das Sharing-Angebot mit Elektro-Fahrzeugen der Stadtwerke Tübingen (SWT), vor dem Aus – Ende November ist Schluss für „das Modellprojekt, die Elektromobilität in der Universitätsstadt mit einem reinen E-Carsharing voranzubringen“, teilen die SWT mit. Das E-Carsharing voranzubringen sei der kommunalen Gesellschaft zwar im Grundsatz gelungen, finanziell auskömmlich sei das Projekt allerdings „zu keiner Zeit“ gewesen. Trotz „umfangreicher Anpassungen und Optimierungen“ seien die wirtschaftlichen Ergebnisse defizitär geblieben.
„Tragfähige Wirtschaftlichkeit unerreichbar“
Konkrete Zahlen liefern die SWT nicht. Nur so viel: „Insgesamt hat sich herausgestellt, dass die Nachfrage deutlich zu gering war, um die tatsächlichen Kosten des Angebots zu tragen“, informiert SWT-Sprecher Ulrich Schermaul auf TAGBLATT-Nachfrage. Es seien „dauerhaft Verluste in der Größenordnung von mehreren hunderttausend Euro zu erwarten gewesen. Dies erschien auch im Zusammenhang mit den hohen Verlusten der Verkehrssparte dauerhaft nicht tragbar.“ Die beiden Festangestellten, die für Coono tätig sind, würden in frei werdenden Positionen an anderer Stelle bei den SWT weiterbeschäftigt.
Dass sich ein wirtschaftlicher Betrieb des E-Carsharings in den vergangenen fünf Jahren nicht eingestellt habe, liege unter anderem daran, dass die Kosten für eine Flotte mit reinen E-Autos „derzeit noch deutlich über den Flottenkosten von Anbietern mit kleineren Verbrenner-Fahrzeugen liegen“. Zusammengenommen habe das Verhältnis von Aufwand und Ertrag eine „tragfähige Wirtschaftlichkeit unerreichbar“ gemacht.
Wenngleich es sich bei Coono „von Vornherein nicht um ein primär profitorientiertes Geschäftsmodell“ gehandelt habe, sondern „um eine Maßnahme, die im Zuge des Tübinger Klimaschutzprogramms in Abstimmung mit der Stadt aufgelegt worden war“. Der Plan sei gewesen, zumindest kostendeckend zusätzlich zum Tübus-Angebot ein weiteres klimaschonendes Mobilitätsangebot für die Tübinger Bevölkerung anzustoßen, „das die Anschaffung eines eigenen PKW verzichtbar machen kann“.
Dazu habe eine größere Flotte von E-Fahrzeugen aufgebaut werden sollen, „um im Zusammenspiel mit dem Tübinger ÖPNV eine Entlastung der Umwelt, des Parkdrucks und der Verkehrsbelastung in der Stadt zu erreichen“. Die Stadtwerke hätten dafür nach und nach Fahrzeuge angeschafft, dabei habe sich aber herausgestellt, dass bereits ein Angebot von 40 E-Fahrzeugen „am Markt nicht zu wirtschaftlich vertretbaren Konditionen aufgenommen wird“, sondern nicht ausgelastet sei und dauerhafte Verluste verursache.
Aktuell noch 30 Fahrzeuge in Betrieb
Aktuell besteht die Coono-Flotte aus 30 Fahrzeugen, „zeitweise waren es 45. Die SWT haben aber bereits im Laufe dieses Jahres 15 Fahrzeuge verkauft“, informiert Schermaul weiter. Die Tübinger Genossenschaft Teilauto übernimmt nach eigener Auskunft diese Rest-Flotte – eine „operative Zusammenarbeit“ zwischen den beiden Mobilitäts-Anbietern bestehe ohnehin bereits, so Martin Heer, der dem dreiköpfigen Teilauto-Vorstand angehört: „Die Coono-Flotte wird aktuell noch weitestgehend von den Teilauto-Wagenwarten betreut. Auch die eigene Werkstatt der Genossenschaft in der Bismarckstraße wird für deren kleinere Reparaturen in Anspruch genommen.“ Coono-Kunden, die zu Teilauto wechseln wollen, sparen sich zudem die Anmeldegebühr.
Im laufenden Jahr sei jedes der 30 Coono-Fahrzeuge im Schnitt pro Monat 40 Mal für insgesamt etwa 160 Stunden genutzt worden, also vier Stunden pro Buchung – abhängig von Autotyp und Sharing-Modell. Coono habe derzeit 2585 registrierte Nutzer, welche die Autos noch bis Ende November an 15 Standorten in der Kernstadt vorfänden. Es waren in der Vergangenheit schon mehr Standorte, aber durch den Verkauf von Fahrzeugen habe sich deren Anzahl reduziert, zudem sei ein Teil der Flotte zu Free-Floating-Fahrzeugen ohne festen Stellplatz umgewandelt worden. Letzteres habe im vergangenen Jahr zwar eine positive Resonanz gezeitigt – die Umsatzahlen hätten sich daraufhin leicht verbessert. „Es gelang den SWT aber nicht, das Defizit des E-Carsharings deutlich zu reduzieren.“
Coono startete im Jahr 2020
Mit 40 Rollern und zehn Renaults, alle elektrisch angetrieben, starteten die Stadtwerke Tübingen (SWT) im Jahr 2020 mit ihrem Mobilitäts-Angebot namens Coono – ausgesprochen wird dies wie der Vorname Kuno. Der Name des SWT-Angebots ist bewusst gewählt: Das C und die beiden folgenden O stehen für CO₂, also das klimaschädliche Kohlendioxid, das N und das letzte O für „no“, also „nein“. Die Coono-Roller waren von Anfang an Teil einer Free-Floating-Strategie, hatten also keine festen Standorte. Im Gegensatz zu den vierrädrigen Fahrzeugen.

