Digitale Gewalt gegen Frauen
: Weißer Ring Tübingen warnt: „Passwörter sind kein Liebesbeweis“

Frauen sind von digitaler Gewalt am stärksten betroffen, häufig durch Nachstellungen ihrer Ex-Partner. Darauf weist die Opferschutzorganisation „Der Weiße Ring“ hin – und gibt Tipps zum eigenen Schutz.
Von
swp
Tübingen
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Frau mit Smartphone

Drohungen per WhatsApp, Verleumdung auf Facebook oder Instagram: Diese Formen digitaler Gewalt treffen nicht nur, aber vor allem Frauen.

Christin Klose/dpa/Symbolbild
  • „Der Weiße Ring“ warnt: Frauen sind oft Opfer digitaler Gewalt wie Cyberstalking und Cybergrooming.
  • Ex-Partner missbrauchen dabei Passwörter und intime Fotos; das Teilen solcher ist kein Liebesbeweis.
  • 62,3 % der Opfer digitaler Gewalt sind Frauen, 68 % erfahren Sexismus, viele ändern ihre Kommunikation.
  • Politisch engagierte Frauen sind besonders betroffen; das Internet ist kein rechtsfreier Raum.
  • Mehr Infos gibt es auf weisser-ring.de/digitalegewalt oder telefonisch unter 0173/9899503.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Sie stalken mit digitalen Überwachungstechniken, greifen auf elektronische Kalender zu, stellen intime Fotos ins Netz. Oder sie missbrauchen die Identität der Frau in den sozialen Medien, kapern ihre Accounts, um ein negatives Bild von ihr zu schaffen – vor allem Ex-Partner üben digitale Formen von Gewalt gegen Frauen aus. Darauf macht die Opferschutzorganisation aus Anlass des „Tags der Kriminalitätsopfer“ am 22. März aufmerksam.

„Partnerschaftsgewalt betrifft nicht nur den analogen Raum. Und wie wir alle wissen, vergisst das Internet nie. Wir wollen aufklären und ansetzen, bevor etwas passiert“, sagt Ute Kleiber, die neue Leiterin der Außenstelle Tübingen. Es seien schon kleine Dinge, mit denen man sich schützen kann: „Wir wollen zum Beispiel dafür sensibilisieren, dass es kein Liebesbeweis ist, Passwörter mit seinem Partner oder seiner Partnerin zu teilen. Auch mit intimen Fotos sollte man vorsichtig sein, wenn man nicht möchte, dass sie vielleicht irgendwann doch online missbraucht werden.“

Dass Frauen online häufiger zum Angriffsziel werden, zeigt das Bundeslagebild „Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2023“ des Bundeskriminalamtes. 62,3 Prozent der Opfer digitaler Gewalt sind demnach weiblich. Erfasst sind Delikte wie Cyberstalking, also digitale Nachstellung, oder Cybergrooming, das gezielte Erschleichen von Vertrauen, um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen vorzubereiten. Auch das Verschicken von Penisbildern gehört dazu: „Auch hier sind Frauen meistens die Betroffenen“, so Kleiber. „Wer ein solches Foto erhält, muss das nicht einfach hinnehmen. Das ungefragte Versenden von intimen Bildern ist strafbar und sollte angezeigt werden.“

Eine neue Studie der Organisation „HateAid“ und der TU München zeigt: Frauen, die sich politisch engagieren, sind von digitaler Gewalt öfter betroffen (63 Prozent) als Männer (53 Prozent). 68 Prozent der betroffenen Frauen berichten von Sexismus oder Frauenhass. Fast ein Viertel der weiblichen Betroffenen hat Drohungen mit sexueller Gewalt erhalten, zum Beispiel Vergewaltigungsdrohungen. Deshalb ändert mehr als die Hälfte der Betroffenen ihre Kommunikation. Vor allem Frauen denken ans Aufhören. „Das ist demokratiegefährdend und zeigt, wie wichtig es ist, auf das Thema aufmerksam zu machen und dafür zu sensibilisieren. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, das muss in unserer Gesellschaft endlich ankommen“, sagt Kleiber.

Mehr Informationen gibt es online auf der Seite weisser-ring.de/digitalegewalt. Die Außenstelle Tübingen ist unter der Telefonnummer 0173/9899503 erreichbar.

Hintergrund-Info zum „Tag der Kriminalitätsopfer“

Seit 1991 macht der WEISSE RING mit dem „Tag der Kriminalitätsopfer“ alljährlich am 22. März auf Menschen aufmerksam, die durch Kriminalität und Gewalt geschädigt wurden. Er soll das Bewusstsein für Opferbelange in Deutschland stärken und Informationen zu Prävention, Schutz und praktischen Hilfen geben. Inzwischen ist der Aktionstag fester Bestandteil im Kalender von Institutionen aus den Bereichen Politik, Justiz und Verwaltung, aber auch Vereinen und Schulen geworden.