David ist weg: Die Polizei im Bodenseekreis sucht nach vermisstem Zehnjährigen aus Tübingen

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© Ssogras - Fotolia.comDie 42 und 29 Jahre alten Eltern der Buben kamen 2013 als Asylsuchende nach Deutschland, weil sie sich in Serbien Übergriffen ausgesetzt sahen. Sie haben auch zwei Mädchen von fünf und elf Jahren, die weiter bei ihnen leben. Auf Betreiben des Jugendamts, das ihnen eine Familienhelferin zur Seite gestellt hatte, entzog das Familiengericht den Eltern jedoch die Personensorge für ihre beiden Söhne und gab sie in Pflegschaft des Jugendamts. Das Oberlandesgericht Stuttgart lehnte es ab, Verfahrenskostenhilfe für ein Beschwerdeverfahren zu gewähren, weil es an nötiger Erfolgsaussicht fehle.
Das Familiengericht war aufgrund eines Sachverständigengutachtens und eigener Ermittlungen der Meinung, dass das Kindeswohl der beiden Söhne akut gefährdet sei, wenn sie weiter bei ihren Eltern lebten. Diese seien aufgrund eigner körperlicher und seelischer Probleme vor dem Hintergrund ihrer schwierigen Lebensgeschichte unverschuldet nicht in der Lage, die Buben, die erheblichen Förderungsbedarf hätten, zu erziehen.
In dem Heim im Schwarzwald werden jetzt unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreut. Die beiden Buben passen nicht mehr dazu. Deshalb ließ das Jugendamt die Kinder Anfang vergangener Woche in eine Einrichtung am Bodensee bringen.
Von dort ist der Zehnjährige am Samstag verschwunden – vermutlich weggelaufen, bestätigte uns Martina Guizetti, Pressesprecherin des Tübinger Landratsamts. Als die Kinder am Morgen geweckt werden sollten, war David nicht mehr in seinem Zimmer in einem der Häuser der Einrichtung. Gleich am Samstag wandte sich die Einrichtung an die Polizei und informierte das Tübinger Landratsamt. Die Beteiligten seien in ständigem Kontakt, sagt Guizetti – auch mit der zuständigen Mitarbeiterin des Landratsamts Tuttlingen, die Vormund des Jungen ist. Alle unternommenen Schritte würden überdies genau dokumentiert.
Bei Verwandten tauchte
der Bub nicht auf
Bisher steht nur fest, dass David fehlt. Zunächst vermutete ihn die Polizei bei seinen Eltern in Tübingen – wohl vor allem, weil das Fahrrad eines Freundes des Buben am Bahnhof in Überlingen stand und wegen einer Aussage des Vormunds. Dreimal – um 11 Uhr, um 18 Uhr und um 21 Uhr – war die Polizei nach Angaben der Familie des Jungen am Samstag bei ihr in Tübingen. Am Sonntag gab es Martina Guizetti zufolge auch auf richterlichen Beschluss eine Hausdurchsuchung. Allerdings sei niemand daheim gewesen.
„Wie sollte das Kind ohne Fahrkarte und auf eigene Faust nach Tübingen kommen?“ fragen hingegen die verstörten Eltern. Nach eigenen Angaben kennen sie den Namen der Einrichtung nicht, in der ihre Söhne untergebracht sind. Dagegen hatten sie durch Zufall die Adresse des Heims im Schwarzwald erfahren und die Kinder dort besucht. Auch bei Verwandten sei der Bub nicht aufgetaucht. Jetzt sucht die Polizei öffentlich nach dem Kind.
Das Familiengericht hatte auch festgehalten, dass bei David eine „Weglauftendenz“ bestehe. Nun ist das Kind tatsächlich verschwunden – allerdings nicht aus der Wohnung der Familie, sondern aus einer Betreuungseinrichtung. Die Eltern fragen sich, wer dafür die Verantwortung trägt.
Der Bub hat vermutlich einen Rucksack dabei
Die Polizei Konstanz veröffentlichte nun eine Meldung zur Suche nach David. Der Zehnjährige sei seit Samstag „aus einem Kinderheim in Überlingen abgängig“ und versuche vermutlich, per Zug, Bus oder als Anhalter nach Tübingen zu gelangen. Er sei zirka 140 Zentimeter groß, habe einen dunklen Teint, kurze dunkelbraune Haare, sei kontaktfreudig und aufgeschlossen.
Das Kind trage eine knielange, olivfarbene Sommerhose mit Tarnmuster und weiße Turnschuhe. Es dürfte einen schwarzen Rucksack dabei haben.
Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat Sigmaringen unter Telefon 07571/1040 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.