Botanischer Garten
: Auch zur Erholung der Besucher

Eine Jubiläumsschau widmet sich zum 50-jährigen Bestehen der Geschichte der wissenschaftlichen Pflanzenanlage und ihrer Pflege.
Von
Dorothee Hermann
Tübingen

Auch Gartengeräte und Erdproben zeigt die Ausstellung im Foyer der Schaugewächshäuser, hier bei der Eröffnung am Sonntag. Bilder: Anne Faden

Nicht gesetzt

W o sich am Rand der Morgenstelle seit 1969 der Botanische Garten der Uni Tübingen befindet, erstreckten sich zuvor Streuobstwiesen und Wacholderheiden, die auch als Schafweide dienten. Nun erinnert nur noch ein Teil-Areal, das als „Schwäbische Alb“ bezeichnet wird, an die vormalige Vegetation. Das sagte Barbara Proksch vom Förderkreis des Gartens bei der Ausstellungseröffnung am Sonntagnachmittag vor etwa 120 Besuchern.

Sie durchforstete drei Jahre lang Tübinger Archive nach hiesigen Gartenanlagen, die der Wissenschaft dienten: „Der erste Botanische Garten in Tübingen war der Privatgarten von Leonhart Fuchs.“ Der weltberühmte Pflanzenforscher wohnte im Nonnenhaus, damals am Stadtrand gelegen. Zwischen Nonnenhaus und Stadtmauer erstreckte sich eine Grünfläche, die Fuchs kultivierte, um Heilpflanzen anzubauen. Nach dem Tod des Mediziners und Botanikers wurde das Gelände wieder als Privatgarten genutzt.

Im 17. Jahrhundert wurde in Tübingen erneut ein Botanischer Garten angelegt, der „Hortus Medicus“ zwischen Alter Burse und Alter Aula. Von ihm hat sich nichts erhalten. An der Stelle erstreckt sich eine asphaltierte Parkplatzfläche.

Der Alte Botanische Garten zwischen Rümelinstraße, Stadtgraben und Wilhelmstraße entstand zwischen 1806 und 1809 und wird mittlerweile als Stadtpark genutzt. Einige der einstigen Bestimmungsetiketten aus Porzellan sind nun in der Ausstellung im Foyer der Schaugewächshäuser zu sehen: Auf geschwungenem ovalem Grund liest man von der Trollblume Trollius europaeus oder von Galium rotundifolium (Rundblätteriges Labkraut). Moderne Etiketten nehmen sich nüchterner aus und nennen jeweils Pflanzenart, Pflanzenfamilie und die Herkunft des Gewächses.

Schon in den 1920er Jahren sollte der Botanische Garten der Eberhard-Karls-Universität verlegt werden, um größere Anbauflächen zu erhalten. Ein Arzneipflanzengarten im Käsenbachtal war angedacht, wurde aber nie realisiert, sagte Proksch. In den 1950er Jahren waren dann zwei Ausweichgelände im Gespräch: Der Ursrainer Egert, vielfach in kleinparzelliertem Privatbesitz und durch Tonschichten im Untergrund der Gefahr von Staunässe ausgesetzt. Hingegen war das wegen seiner Steillage ebenfalls nicht ideale Gelände am Rand der Morgenstelle im Besitz der Stadt und zudem in unmittelbarer Nähe des neuen naturwissenschaftlichen Campus.

Der neue Garten sollte nicht ausschließlich der Wissenschaft dienen, sondern auch für die Öffentlichkeit besser „für Erholung und Bildung“ nutzbar sein. Das schloss die Bewohner des benachbarten Wohngebiets Wanne ein.

Der Berliner Landschaftsarchitekt Walter Rossow gliederte die Anlage, die in die bewaldeten Ausläufer des Schönbuchs übergehen sollte, unter anderem durch sieben bepflanzbare Terrassen, die vom Seerosenteich als Basis bis zum Tropicarium aufsteigen.

Die Schau zeigt auch, wie sich der Pflanzenschutz mit den Jahren verbessert hat: Statt der Giftspritze aus der Zeit, als das mittlerweile verbotene Pflanzengift E 605 auch im Botanischen Garten versprüht wurde, kommen nun eher Nützlinge und Substrate zum Einsatz. Eine verhältnismäßig neue Zukunftsaufgabe für den Botanischen Garten ist der Artenschutz. Mit der „grünen Werkstatt“ erreicht der Garten auch Schülerinnen und Schüler. Sie sollen nun endlich „ein grünes Klassenzimmer“ bekommen, so Kustodin Alexandra Kehl. Die Bodenplatte ist bereits betoniert.

Was reisende und wandernde Gärtner beitragen

Mit hartnäckiger Gärtnerarbeit wurde der Botanische Garten der Uni Tübingen dem Knollenmergel in seinem Untergrund abgerungen. „Er ist nicht nur schwer, er klebt auch schwer an den Schuhen“, sagte die Technische Leiterin Brigitte Fiebig. „Dass in fünf Jahrzehnten guter Boden entstanden ist, hat mit unserer täglichen Bodenverbesserung zu tun.“ Beispielsweise Rhododendren und Gebirgspflanzen überleben nur dann in der fremden Umgebung, wenn Gärtner ihnen den entsprechenden Boden bereiten. Das gelingt am besten, wenn sie sich vor Ort kundig machen: „Gärtner müssen reisen“, so Fiebig. Alpine Gärtner etwa sollten in den Alpen wandern.