Blind und allein
: Große Anteilnahme an Karl-Heinz-Eitels Schicksal in sozialen Medien

Wie übersteht ein blinder Mann den Winter in einem baufälligen Haus ohne Heizung? In Kirchentellinsfurt sucht man nach Lösungen für Karl-Heinz Eitels schwierige Lage.
Von
Evi Miller
Kirchentellinsfurt
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Karl-Heinz Eitel in der Küche in seinem Haus in Kirchentellinsfurt. Die Decken isolieren die Dosen, in denen er Wasser aufbewahrt.

Karl-Heinz Eitel in der Küche in seinem Haus in Kirchentellinsfurt. Die Decken isolieren die Dosen, in denen er Trinkwasser aufbewahrt.

Carolin Albers
  • Blinder Karl-Heinz Eitel (69) lebt allein in baufälligem Haus in Kirchentellinsfurt ohne Heizung.
  • Leser zeigen große Anteilnahme, bieten Spenden und Hilfe über soziale Medien an.
  • Nachbar schlägt Wärmepumpe und Solaranlage vor – Kosten: ca. 8000 Euro, Finanzierung unklar.
  • Ehrenamtliche des Generationen-Netzwerks könnten bei Haus- und Gartenarbeiten unterstützen.
  • Gemeinde prüft Hilfe, betont aber behutsames Vorgehen und Datenschutz.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das Schicksal von Karl-Heinz Eitel bewegt die Leserinnen und Leser des TAGBLATTs. Der 69-Jährige ist am Grünen Star erkrankt und fast blind. Er lebt allein im verfallenden Elternhaus in der Neue Steige 76 in Kirchentellinsfurt. Dort führte seine Mutter bis zu ihrem Unfall im Jahr 2000 ein Haushaltswarengeschäft. Eitel hat keine Heizung und kein fließendes Wasser. Er sagt: „Ich habe Angst vor dem Winter.“

„Wie können wir helfen? Was kann die Südwestpresse tun?“, fragen die TAGBLATT-Leserinnen und Leser auf Social-Media. Es müsse doch möglich sein, eine vernünftige Unterkunft für ihn zu finden. Vielleicht könnten ein paar Handwerker das Haus richten? Oder „ein paar Kirchemer“ und andere Helferinnen und Helfer sich zusammentun, um etwas an der Situation zu ändern? Andere sorgten sich: „Warum fallen Menschen am Rande unserer Gesellschaft durch soziale Raster?“ Manche riefen direkt beim Verlag an und boten Spenden an.

Die Berichterstattung hat bereits etwas bewegt. Dazu vorneweg: Das TAGBLATT überlegte, ein Spendenkonto einzurichten, verfolgt die Idee aber vorerst nicht weiter. Eitel, gelernter Schlosser, arbeitete im Familienbetrieb und später als Hausmeister bei der Universität Tübingen. Er bezieht eine kleine staatliche Rente. Weil er sehr sparsam ist, hat er etwas Geld zurückgelegt.

Die Waschschüsseln von Karl-Heinz Eitel, mit denen er sich wäscht. Fließendes Wasser hat er keines, nur einen tropfenden Hahn. Seit vielen Jahren hat er gelernt, zu improvisieren und sich mit den Gegebenheiten arrangiert. 09 25 Foto: Carolin Albers

Mit Waschschüsseln wäscht sich Karl-Heinz Eitel. Fließendes Wasser hat er keines, nur einen tropfenden Hahn. Seit vielen Jahren hat er gelernt, zu improvisieren und sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren.

Carolin Albers

Zum Leben reicht es, wohl aber nicht für die Generalsanierung des Elternhauses. Dach und Fenster sind undicht, es gibt keine Heizung und durch die maroden Rohre fließen nur wenige Tropfen Wasser. Eitel weiß nicht genau, wie alt sein Elternhaus ist. „Um die hundert Jahre“, schätzt er. Mit drei Geschwistern wuchs er hier auf. Es gibt noch viele Gegenstände, die an das Leben einer großen Familie erinnern. Seit dem Unfall seiner Mutter, nach dem sie viele Jahre im Wachkoma lag und schließlich verstarb, hat er nicht mehr viel verändert.

In der vertrauten Umgebung kommt Eitel trotz seiner Blindheit zurecht. Strukturierte Abläufe helfen ihm dabei. „Ich bin ein Einsiedler.“ Ein Umzug, etwa in Betreutes Wohnen, kommt für ihn nicht infrage. Zu stark seien die Erinnerungen an seine Mutter, die lange Zeit in verschiedenen Pflegeheimen betreut werden musste.

Seine Augenerkrankung ist unheilbar – daran kann auch Geld nichts ändern. „Ich erkenne nur noch Schatten“, sagt er.  Dennoch läuft er täglich zum Einsiedel hinauf. Er kennt die Wege seit seiner Kindheit. Sein Höhepunkt des Tages ist der Besuch der Bäckerei Padeffke. Dort warten frischer Kaffee und ein herzliches „Hallo Charly“ auf ihn. „Das genieße ich sehr“, sagt er.

Hilfe im Haus und Garten

Wie könnte man seine Situation verbessern? „Am wichtigsten wäre wohl, dass ihm jemand bei schwierigen Aufgaben hilft“, sagt sein Nachbar Michael Schneider, der den Kontakt zum TAGBLATT vermittelt hatte. Etwa bei Reparaturen im Haus oder bei Gartenarbeiten.

Noch wichtiger dürfte angesichts der bevorstehenden Wintermonate eine Heizung sein. Schneider denkt an eine Klimaanlage mit Wärmepumpen-Funktion, kombiniert mit einem Solar-Balkonkraftwerk. Er schätzt die Kosten auf ungefähr 8000 Euro. Im ersten Schritt will er selbst aktiv werden und Gespräche mit Handwerkern führen. Ob Eitel die neue Heizung finanzieren kann, ist aktuell noch unklar.

Kein Fall fürs Ordnungsamt

Michael Schäfer, Leiter des Fachbereichs Zentrale Dienste im Kirchentellinsfurter Rathaus, will sich erkundigen, ob Ehrenamtliche aus dem Generationen-Netzwerk Kirchentellinsfurt Eitel unterstützen können, etwa im Rahmen der Nachbarschaftshilfe. „Das wäre eine einfache, gute und schnelle Hilfe“, sagt er. Zu bisherigen Hilfsangeboten der Gemeinde äußert er sich aus Datenschutzgründen nicht. Grundsätzlich greife die Gemeinde erst ein, wenn jemand nicht mehr allein leben kann. Dann werde auch entschieden, ob ein Pflegedienst zur Unterstützung beauftragt wird. „Wir müssen die Menschen mitnehmen und behutsam vorgehen“, betont Schäfer.

Ehrenamtliche Hilfe im Alltag

Niederschwellige Angebote sollen zuerst greifen, wenn es darum geht, Menschen in Kirchentellinsfurt zu unterstützen, sagt Hauptamtsleiter Michael Schäfer. Er ist Ansprechpartner für das Generationen-Netzwerk Kirchentellinsfurt. Hier engagieren sich Ehrenamtliche für ein gutes Miteinander im Ort – und bieten unter anderem Hilfe für Alleinstehende, Einsame oder Menschen mit Depressionen an.